(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Biodiversity Heritage Library | Children's Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Die Geschichte des Dominus Mâri"






™ 75 

§1 



Die Geschichte des Dominius Mari, eines Apostels des Orients, 

aus dem Syrischen übers, und untersucht von Richard Raabe. 

Mares, Saint. 

Leipzig, J. C. Hinrichs, 1893. 

http : //hdl . handle . net/2027/nyp . 33433081839270 



HathiTrust 




www.hathitrust.org 



Public Domain in the United States, 
Google-digitized 

http://www.hathitrust.Org/access_use#pd-us-google 



This work is deemed to be in the public domain 
in the United States of America. It may not be 
in the public domain in other countries. Copies 
are provided as a preservation service. Particularly 
outside of the United States, persons receiving 
copies should make appropriate efforts to determine 
the Copyright Status of the work in their country 
and use the work accordingly. It is possible that 
heirs or the estate of the authors of individual 
portions of the work, such as illustrations, assert 
Copyrights overthese portions. Depending on 
the nature of subsequent use that is made, additional 
rights may need to be obtained independently 
of anything we can address. The digital images 
and OCR of this work were produced by Google, 
Inc. (indicated by a watermark on each page in 
the PageTurner). Google requests that the images 
and OCR not be re-hosted, redistributed or used 
commercially. The images are provided for educational, 
scholarly, non-commercial purposes. 

E -E 
_ c 

a 's 

■a E 

<L> O 

cu - 

{J Q_ 



■^ TD 



NYM. RESEARCH ÜBRARIES 




*^ ■'• * 



3 '3433 08183927 






' N 



«• •» ■ " .*■ 






-v#*f 



■•vir 



?v« 



iH*4 









■ ■>-:.■■*. * * 



*#** x 



^«fcN 



«SV 



ii**> 



ew 






-*■-/ * --,• a-**, "*"> .A* 4- 

4 



^ cu 



o 



3 ■o 

-> 0) 

C N 

O -m 

CD 5 1 

£ 7 

■r: CU 



O 
O 



Z5 
TJ 
CU 

c 

tu 2 

£ LH 

■C "ö 

Q_ <U 

@1 

0) => 

-Q 0) 

CU ^ 

E -E 

s_ C 

a 's 

-o E 

0) o 

CU 3 

O Q- 



feffV 



s 






Hl 



£/ 



•*IJ1K 









? **V * 



Dkbed by Google^, _ M nhS^ 9 p umjclibw w 



-C; 


■n 


o 


Q. 


A-> 


* 


r 


CD 




10 


->» 


Z3 


h- 


l/} 


^ 


0) 


(') 


u 




u 


<£> 


rn 


Tf 






üi 


r^ 




o 


ü 



3 ■o 

-> 0) 

C N 

O -M 

CD 5 1 

£ 7 

■r: CD 



O 
O 



Z5 
TJ 
CU 

c 

tu iS 

£ LH 

■C "ö 

Q. 0) 

@1 

0) => 

-Q 0) 

CD ^ 

E -E 

s_ C 

£ 75 

-o E 

<L> O 

CU 3 

O Q- 




m 



DIE 



Km ; .:;:libkarY 



A* ' f»n, l F NOX AND 

i_ r ._ . i ^.. n ___ __ „j 



GESCHICHTE DES DOMINUS MARL 



EINES APOSTELS DES ORIENTS. 



AUS DEM SYRISCHEN ÜBERSETZT 



UND UNTERSUCHT 



VON 



RICHARD RAABE. 



■^ TD 

ö- s- 






o 




3 ■o 

-> <L> 

C N 

O -M 

CD FZ 1 

£ 7 

■jZ _cd 

O- Ol 

"-' o 

=5 O 

TJ (J 

<D . 

C w 

O $> 

CO 5 

£ LH 

■C "ö 

Q. CU 

@1 

-Q 0) 

E -E 

s_ C 

■a E 

<L> o 

ä .y 

O Q- 



LEIPZIG 

J. C. HINRICHS'SCHE BUCHHANDLUNG 
1893. 



by Google 



Original from 
NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



■^ TD 

ö- s- 






o 



j THE NEW YORR 

PUBLIC LIBRARY 

ASTOR, LENpXAND 
TILDEN FOUNDATION8. 

R 1901 L. 



3 ■o 

-> 0) 

C N 

O -m 

CD 5 1 

£ 7 

O- Ol 

"-' o 

=5 O 

TJ O 

CD . 

£ LH 

■C "ö 

Q. CU 

@1 

-Q 0) 

E -E 

s_ C 

£ 75 

-o E 

<L> o 

CU 3 

O Q- 



by Google 



Original from 
NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



DER 



■^ TD 



^ CU 



Z) 



o 



CU 

C N 

O -M 

CD FZ 1 

£ 7 

■jZ _cy 

O- Ol 

"-' o 

=5 O 
TJ O 
CD . 

CO 5 
£ LH 

■c "ö 
Q. CU 

@1 

-Q 0) 
CU ^ 



CU 3 
O Q- 



ALMA MATER PFORTA 



ZUR JUBELFEIER IHRES 350 JÄHRIGEN BESTEHENS 



IN DANKBARKEIT 



ZUGEEIGNET. 



! Dicili^by G00gk Original from 



SS uignizHj oy ««j«jx«. NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



■^ TD 

ö- s- 






Z) 



o 



CD 

C N 

O -M 

CD 5 1 

£ 7 

■jZ _cu 

O- Ol 

"-' o 

=5 O 

TJ (J 

<L> . 

C w 

O $> 

CO 5 
£ LH 

■c "ö 
Q. CU 

@1 

-Q 0) 
0) ^ 



£ rv *»■ ^h ("^rtrvnL- Original from 

1 9 Digiiized by v^uuglL NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



CU 3 
O Q- 



Einleitende Bemerkungen. 

Die Beobachtung, dass syrische Schriften, auch wenn ihnen 
eine lateinische Übersetzung beigegeben ist, in dem weiteren 
Kreise der Theologen nicht diejenige Beachtung finden, die sie 
nach ihrem Inhalte verdienen dürften, hat mich veranlasst, die 
nachstehende kleine, 1885 von Abbeloos syrisch mit lateinischer 
Übersetzung edirte Schrift, die den Titel tragt: „Geschichte des 
Apostels Dominus Mari* — ins Deutsche zu übertragen. 

Dieselbe hat als ein Gegenstück zur neutestamentlichen 
Apostelgeschichte beim Lesen mein Interesse erregt, und es 
schien mir nicht un verdienstlich, ihr durch Übersetzung eine 
weitere Verbreitung zu verschaffen. 

Nach einer das erste Kapitel 1 ) ausfüllenden Einleitung, in 
welcher einerseits summarisch über die Wirksamkeit Jesu be- 
richtet wird, andrerseits bildlicher Darstellungen desselben Er- 
wähnung geschieht, bringt sie die Legende von dem Briefwechsel 
zwischen Abgar dem Schwarzen von Edessa (Orhäi 2 )) und Jesu 
und der nach des letzteren Himmelfahrt erfolgten Sendung des 
Addai, eines von den siebenzig Jüngern, an den Fürsten und 
erzählt dann, wie Dominus Mari, ein „in der Liebe Gottes stehen- 
der und mit tugendhaftem Wandel geschmückter" Schüler des 
Addai, von seinem Lehrer unter Handauflegung von Edessa „nach 
der Gegend des Ostens in das Land von Babel" ausgesandt wird, 
um daselbst das Evangelium zu verkündigen. Als die von Mari 
selbst besuchten Gegenden und hervorragenderen Orte werden 
folgende aufgeführt: Nisibis, Arzön (ÄQ^avrjvrj) , Beth Zabde 
(Zabdizene, Djezire), Beth c Arbäje (Araberland, im Osten von 
Mesopotamien), Arbeela, Assur, das Land der Zäbe, Beth Garmai 

(zwischen dem unteren Zäb und der Nordostecke von Babylonien), 

■ 

1) Ich habe die von Abbeloos vorgenommene Kapiteleinteilung adoptirt. 

2) In der Berliner Handschrift ist vorwiegend Urhäi punktirt. 
Raabe, Dominus Mari. 1 



■^ TD 



^ CD 

o 9 



9 ^ 

§1 



3 ■o 

-> <L> 

C N 

O -m 

CD 5 1 

£ 7 

O- Ol 



i B 

tu 2 
£ tn 



Ö3 => 

E -E 



^e n ■■ ^rh ("^rtrvnfr- Original from 

1 9 Digiiized by v^uuglL NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



{J Q_ 



2 Einleitende Bemerkungen. 

Beth Attnäje ( Aramaerland , das eigentliche Babylonien mit Se- 
leucia und Ktesiphon), insbesondere Seleucia und Ktesiphon selbst, 
Dörkonni (Derkunnä, südlich von Seleucia, unweit des Tigris ge- 
legen), Kaskar (zwischen Kufa und Basra) und Maisän (Msorjvtj), 
endlich das Huzäerland (Susiana) und die Persis. 

Ausserdem werden einige Nebenexpeditionen erwähnt. So 
sendet Mari von Arzön aus seinen Schüler Philippus nach Kardo 
(Gordyene, vom Vansee bis zum Chaboras), und aus dem Lande 
der Zäbe den Tömis in das Land Däsan (die westlichen Vor- 
berge des nestorianischen Hochlands) und in das Land Zauzän 
(das kurdische Hochland), ferner nach Armenien und Medien. 

Das sind, was das Geographische 1 ) betrifft, durchaus con- 
trolirbare Routen. Es fragt sich, wie es um die Glaubwürdig- 
keit der in diesen geographischen Rahmen eingefügten Erzählung 
von der Missionsthätigkeit des Mari bestellt ist. 

Fassen wir die uns vorliegende Schrift als Ganzes ins Auge, 
so dürfte es kaum einem Zweifel unterliegen, dass die ersten 
Kapitel derselben keinen Anspruch auf Glaubwürdigkeit machen 
können, dass sowohl die Mitteilungen über vorhandene bildliche 
Darstellungen Jesu, als auch die Erzählung von Abgar und der 
Sendung des Addai an ihn in das Gebiet der Legende fallen. 
Was namentlich die letztere betrifft, so sprechen die äussern 
und innern Gründe so stark gegen ihre Geschichtlichkeit, dass der 
bis in den Anfang des vierten Jahrhunderts zurückreichenden 
Tradition keinerlei Wert beigemessen werden kann. 

Ferner scheint mir bezweifelt werden zu dürfen, dass ein 
Apostel von der Art des Mari dem apostolischen Zeitalter so 
nahe gestanden hat, wie sein Geschichtschreiber es darstellt. 
Worauf dieser Zweifel sich gründet ? wird eine kurze Analyse 
unsrer Schrift ersichtlich machen. 

Der „Heilige* oder „ Selige * „mit feuerglänzendem Äussern* 4 
ist in erster Linie Wunderthäter, während der Schwerpunkt 
der Thätigkeit der Urapostel in der Lehre lag. 

Mari schreitet von einem Wunder zum andern. Er heilt 
Podagra und Aussatz, Blindheit, Lähmung, Verstopfung und 
andere nicht näher bezeichnete Krankheiten, wobei er sich zu- 



■^ TD 

ö- P- 



10 ru 



O 9 



9 ^ 



C N 
O -m 

CD 5 1 

£ 7 

O- Ol 

1) Für dieses verweise ich im allgemeinen auf das von Abbeloos bei- 
gebrachte Material, da ein näheres Eingehen auf das geographische Detail 

£ tn 

■c "ö 

Q_ 0) 

@1 

0) => 
-Q O) 

E -E 

s_ C 

a 's 

■a E 



ausserhalb des von mir verfolgten Zwecks liegt. 



Original from 



Digilized by l^OOglC NBft 



{J Q_ 



Einleitende Bemerkungen* 3 

weilen des Wassers und Öls bedient (vgl. Marc. 6, 13: xcu ifiet- 
<pov llal<p jtoXXovq dggcoOTOvg und Jac. 5, 14: dXeltpavTeg avxbv 
aXaiq>). Er treibt Dämonen sowohl aus den von ihnen be- 
sessenen Menschen, als auch aus den von ihnen bewohnten 
Bäumen und Idolen aus. An einer Stelle fahren auf einmal 
72 Dämonen aus, welche auf seinen Befehl in der Gestalt von 
Vieh und Gewürm hervorkommen. Dass diese hässlichen Ge- 
stalten einzeln an ihm vorübergegangen sind, wird zwar nicht 
erzählt, doch lässt es sich vermuten, da der Heilige so genau 
ihre Zahl feststellen konnte. Auch in ihrer Tiergestalt schreien 
und heulen sie und sprechen eine jedermann verständliche 
Sprache, bis der Heilige ihnen das Wort verbietet und ihnen 
befiehlt, in die Feuer- Gehenna oder, indem er den Ausdruck 
wechselt, in den Abgrund (aßvööoq) zu gehen. Auf welchem 
Wege diese merkwürdige Tier-Karawane an ihren Bestimmungs- 
ort gelangt ist, hat der Erzähler nicht für nötig gehalten zu 
berichten. Bei einer andern Gelegenheit fährt ein Dämon wie 
ein finsterer Wirbelwind aus. Mehrfach kommt auch eine Klage 
der Dämonen vor, ähnlich der Matth. 8, 29. Marc. 5, 7 berichteten, 
und die bösen Geister fragen mit einiger Veränderung des von 
dem besessenen Gergesener Gemeldeten, wohin sie fahren sollen. 
Einmal erheben sie bei ihrem Abgang ein grosses Geschrei, in 
welchem sie anzudeuten scheinen, dass ihr Wegzug einer Ver- 
wüstung ihrer bisherigen Heimstätte gleichkomme. 

Im Anschluss an die Austreibung eines Dämons verflucht 
der Selige einen Feigenbaum, die Wohnung jenes Dämons, und 
dieser wird augenblicklich mit Stumpf und Stiel ausgerissen. 

Um die Obmacht seines Gottes über den heidnischen Gott, 
das Feuer, darzuthun, tritt der Apostel ohne Skrupel darüber, ob 
dies nicht eine Versuchung Gottes sei, zweimal in einen stark 
geheizten Ofen ein, verharrt darin, bis das Feuer erlischt, und 
geht ebenso unversehrt, wie Sadrach, Mesach und Abednego, 
aus dem Ofen hervor. Dabei ist bemerkenswert, dass der Hei- 
lige, bevor er in das Feuer eintritt, über dasselbe das Zeichen 
des Kreuzes macht, als ob ihn dies gegen die verheerende Kraft 
des Elements feien könnte. 



■o 






cn 



"O 



CD 



Um den Bericht über die Wunderkraft des Mari zum Ab 



schluss zu bringen, erwähne ich noch, dass der Heilige einmal 
einem Flusse befiehlt, sich von der einen Seite, auf welcher er 

1 * 

1 



03 => 



{J Q_ 



! Dicili^by G00gk Original from 



SS uignizHj oy «uux«. NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



4 Einleitende Bemerkungen. 

einen Bau beabsichtigt, nach der andern zurückzuziehen, was 
wirklich augenblicklich geschieht, und unser Erzähler beruft sich 
dabei auf Zeugen, die versichern, dies mit ihren eigenen Augen 
gesehen zu haben. 

Übrigens hebt der Verfasser dieser Geschichte eines Apostels 
hervor, dass die von ihm berichteten Wunder noch lange nicht 
die Gesamtheit der Wunder seines Helden darstellen. „Denn", 
sagt er mit einem vielleicht Joh. 21, 25 nachgebildeten Ausdruck, 
„kein Mund kann erzählen und auch Bücher nicht fassen die 
Zeichen und Wunder und Machtthaten, welche der Herr durGh 
seine Hand that 44 . 

Als merkwürdig mag endlich hier noch erwähnt werden, 
dass der Heilige einige Male das Wunder nicht selbst vollzieht, 
sondern sich der Vermittelung eines Schülers bedient (cap. 14.27). 

Was das Verhältnis vom Glauben zur Heilung betrifft, so 
fehlt zwar nicht die Vorstellung, dass jener die Vorbedingung 
von dieser sei, in der Mehrzahl der Fälle bezweckt aber das 
Wunder den Glauben hervorzurufen, und der Heilige stellt selbst 
wiederholt an einen Leidenden oder an dessen Verwandte die 
Frage: Wirst du, wenn ich nach deinem Wunsche thue, glauben? 

Das Object des Glaubens, der gefordert wird, ist Gott der 

Vater, der Schöpfer des Himmels und der Erde, der Unerforsch- 

liche, — der Sohn, der aus der Natur des Vaters geboren, dessen 

Zeugung unerforschlich ist, der der Welt das Leben gegeben hat 

durch das Erbarmen dessen, der ihn gesandt hat, der, nachdem 

er gestorben, begraben und auferstanden, zum Himmel auf- 

... 
gestiegen ist und sich zur Rechten des Vaters gesetzt hat, — und 

der heilige Geist, der vom Vater ausgeht. Dabei wird betont, 
dass diese drei nicht drei verschiedene Götter sind, sondern, ob- 
wohl sie für sich (sp vjtocraöei) sind, in ihrer Verbindung den 
einen Gott darstellen. 

Subjectiv ist der Glaube blosses Fürwahrhalten. Man nimmt 
ihn an, wie man ein Gewand anzieht, und damit begnügt sich 
der Heilige. Dagegen tritt der Gedanke, dass der Glaube ein 
Princip der Lebenserneuerung sei, sehr zurück. Wir lesen zwar 
cap. 5: „Viele von denen, welche glaubten, wetteifertet mit ein- 
ander in tugendhaftem Wandel", und cap. 34 ist von Werken 
der Gerechtigkeit die Rede. Aber im ganzen trägt die Bekehrung 
einen durchaus äusserlichen Charakter. So kehren z. B. die 



■^ TD 



O 



C N 

O -m 

CD 5 1 

£ 7 

Q-^ Ol 

TD (J 



£ tn 

■c "ö 

Q_ 0) 

-Q O) 



{J Q_ 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö llfc NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



Einleitende Bemerkungen. 5 

beiden Häupter der Gesellschaft in Seleucia, nachdem sie von 
schwerer Krankheit geheilt und gläubig geworden sind, zu ihren 
Gelagen zurück, ohne vom Seligen deshalb getadelt zu werden. 
Und wie wäre dieser auch berechtigt gewesen, sie zu tadeln, da 
er ja selbst an den Gelagen teilnimmt und sich gleich ihnen an 
Speise und Trank und Saitenspiel erfreut, auch ein glänzendes 
Fest veranstaltet, das ihm das begeisterte Lob seiner Genossen 
einträgt! 

Diese Zurückstellung der ethischen Seite des Christentums 
hat ihren Grund in der oberflächlichen Auffassung von der Be- 
deutung der Erlösung. Das Wesen derselben erblickt der Ver- 
fasser der vorliegenden Schrift darin, dass Christus die Welt 
weggewendet von dem Irrtum der Dämonen (cap. 7) und sie den 
Vater kennen gelehrt hat. Eine Erlösung von der Sünde und 
ihren Folgen kennt er nicht. Das Wort „Sünde" findet sich über- 
haupt nicht in dem von Mari handelnden Abschnitte. 

Unapostolisch ist ferner, um auch dies hervorzuheben, das 
ganze Auftreten dieses Apostels in Seleucia. Es muss schon 
befremden, dass ein Apostel Christi beim Durchwandern von 
Seleucia niemand gefunden hat, dem er das Evangelium hätte 
verkündigen können. Ohne Zweifel gab es dort auch Arme und 
Elende, die der Darbietung des wirklichen Evangeliums Empfäng- 
lichkeit entgegengebracht haben würden. Denn ein Leben, wie 
es — vermutlich mit starker Übertreibung — den Teilnehmern 
an den Symposien nachgesagt wird, konnten nur Wohlhabende 
führen. 

Befremdlicher aber ist die Teilnahme des Heiligen an diesen 
Gelagen und die Art, wie er dieselbe für seine evangelisirende 
Thätigkeit verwertet. Er tritt zwar nach dem Berichterstatter 
in der Absicht in die Gesellschaft ein, um die Seelen der Mit- 
glieder zu erjagen. Aber es wird nirgends erzählt, dass er den 
Versuch macht, sie durch Belehrung für seine Sache zu gewinnen, 
sondern er verlangt ihren Übertritt zum Christentum als Preis 
für die Überlassung der vorzüglichen Sänger oder Saitenspieler, 
die ihm auf sein Ansuchen aus Edessa geschickt worden sind. 

Endlich beweist auch die immer wiederkehrende Angabe, 
dass der Selige Kirchen baute, um der Klöster hier gar nicht 
zu gedenken, hinlänglich, dass ein Evangelisator, wie der ge- 
schilderte, dem apostolischen Zeitalter nicht nahe gestanden hat. 



■^ TD 



CD 



O 



Z) 



cu 
c 

2 z 

£ tn 

■c "ö 

@1 

CD => 
-Q O) 

E ■<= 

s_ C 

*i Dioit^edby Google 



Original from 
^ö 1% NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



{J Q_ 



Q Einleitende Bemerkungen. 

Denn in diesem und in der unmittelbar folgenden Zeit handelte 
es sich nicht sowohl um die Erbauung von Kirchen, als um die 
Sammlung von Gemeinden. Und die Bemerkung, dass die Gräber 
der Heiligen eine Quelle der Hilfen sind, trägt unverkennbar den 
Stempel späterer Zeit an sich. 

Aus dem im Vorhergehenden gegebenen Überblick über den 
Inhalt der vorliegenden Schrift scheint mir hervorzugehen, dass 
hier ein Apostelbild gezeichnet ist, welches von dem im Neuen 
Testamente von den Uraposteln entworfenen in wesentlichen 
Stücken abweicht. Und auch das wird nicht zweifelhaft sein, 
dass in dieser Apostelgeschichte nicht der lebendige Strom des 
Evangeliums fliesst, und dass die reiche Fülle evangelischer Lehre 
zu ein paar dogmatischen Formeln zusammengeschrumpft und 
darin erstarrt ist, — was nicht möglich wäre, wenn der Evange- 
lisator des Ostens, für den Mari in der bis ins 6. Jahrhunderfc 
zurück verfolgbaren Tradition gilt, den Aposteln zeitlich so nahe 
gestanden hätte, wie sein Biograph uns glauben machen will. 

Wenn aber die Verbindung des Mari mit den Uraposteln 
eine Fiction sein dürfte, hervorgegangen, wie Noeldeke in seiner 
Besprechung der Edition von Abbeloos (Österr. Monatsschrift für 
den Orient XI. 1885. S. 221 ff.) mit Wahrscheinlichkeit annimmt, 
aus dem begreiflichen Bestreben, die Gründung der Kirchen des 
Ostens in möglichst directe Beziehung zu den Aposteln zu setzen, 
so erhebt sich die Frage, ob etwa unsre Schrift Anhaltepunkte 
für eine anderweite Fixirung der Zeit des Mari bietet. 

Hier ist zunächst die merkwürdige, schon von Abbeloos und 
Noeldeke besprochene Thatsache hervorzuheben, dass der Ver- 
fasser der Schrift, während er auf der einen Seite Mari zum 
Schüler eines Jüngers Jesu macht, am Schluss seines Werks als 
Nachfolger desselben oder, um seine Worte genau zu citiren, 
als Erben seines Throns (!) Papa nennt, der nach Noeldeke 
sicher unmittelbar vor dem im Jahre 341 getöteten Simeon 
Bischof von Seleucia und Ktesiphon gewesen ist und nach Asse- 
mani BO II 397 im 59. Jahre seines Episkopats am Nicenischen 
Concil teilgenommen hat 1 ). Nach der letzteren Angabe fiele 



-o 

o. 



2- QJ 



o 



kommt in Betracht die in cap. 17 befindliche, zwar mit einer 

1) Nach anderer Tradition nahm er nicht selbst an diesem Concil 
teil, sondern liess sich durch den genannten Simeon vertreten. 



3 ■o 

-> <L> 
C N 
O -m 

demnach der Tod des Mari in das Jahr 266 n. Chr. Ausserdem 

O- Qi 

"-" o 

=5 O 

TD (J 

<L> . 

C w 

O $> 

CO {B 

£ tn 

■c "ö 

Q_ 0) 

@1 

-Q O) 

E -E 

s_ C 

M Dioit^edby Google 



Original from 
^ö 1% NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



Ö3 ^ 

{J Q_ 



Einleitende Bemerkungen. 7 

Namenverwechselung behaftete, aber kaum misszuverstehende 
Notiz, dass damals, als Mari das Perserland betrat, das Sasa- 
nidenreich noch nicht gegründet war, so dass der Besuch dieser 
Gegend also vor 226 stattfand. Verbindet man mit dieser An- 
gabe die Nachricht in cap. 23, nach welcher Mari in Ktesiphon 
einen König Artaban antrifft, welcher derjenige sein könnte, 
durch dessen Besiegung Ardeschir nach Dio Cassius (ed. J. Bekker 
S. 455) der Partherherrschaft ein Ende bereitete, so Hesse sich 
wohl die in cap. 17 enthaltene Zeitangabe unter der Voraus- 
setzung einer zeitlich sehr ausgedehnten Wirksamkeit des Mari 
mit der an erster Stelle besprochenen vereinigen, nach welcher 
Papa der Erbe des Throns des Mari ist, die evangelisirende 
Thätigkeit Märi's fiele also der Hauptsache nach in die erste 
Hälfte des 3. Jahrhunderts. 

Doch auch für diese Zeit bleibt mir eine problematische 
Erscheinung ein Apostel von der Art des Märi, der weniger 
durch Verkündigung des Evangeliums, als durch zahllose, zum 
Teil sittlich bedenkliche Wunder den Orient bekehrt* der nur 
eine Erlösung vom Irrtum, nicht aber die von der Sünde kennt, 
bis zu dem Grade, dass er das Wort n Sünde" niemals in den 
Mund nimmt, der von denen, die Christen werden wollen, nicht 
das Bekenntnis zu Christo, sondern das zur Trinitätslehre verlangt, 
der eine staunenerregende Anzahl von Kirchen und Klöstern baut, 
— und am wenigsten fügt sich das, was von den Klosterbauten 
des Heiligen erzählt wird, in diese Zeit ein, da die Entwickelung 
des Klosterwesens erst in den Anfang des 4. Jahrhunderts fällt. 

So gelange ich auch auf dem zuletzt eingeschlagenen Wege, 
die wirkliche Zeit des Märi zu ermitteln, zu keinem mich befrie- 
digenden Resultate, da ein Evangelisator, wie .der in der vor- 
liegenden Schrift geschilderte, auch den Anschauungen und 
historisch beglaubigten Bedingungen der ersten Hälfte des dritten 
Jahrhunderts schwerlich entspricht. 

Demnach scheint es am rätlichsten zu sein, mit Noeldeke 
zu sagen, man dürfe wohl annehmen, dass ein Mann mit Namen 
Märi in ziemlich früher Zeit am untern Tigris mit Erfolg das 
Christentum gepredigt habe, Näheres aber lasse sich schwerlich 
über ihn ausmachen. 

Wer den Traditionen ihrer Natur nach wenig Brauchbarkeit 
zur Ermittelung historischer Thatsachen beimisst, ist vielleicht 

@-E 



-o 

Q. 



^ CD 



o 



03 => 



{J Q_ 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö llfc NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



g Einleitende Bemerkungen. 

geneigt anzunehmen, dass es mit der Tradition über Mari ebenso 
bestellt sein möge, wie mit derjenigen über Addai. Ein solcher 
kann sich mit Grund darauf berufen, dass eine frühestens für 
das 6. Jahrhundert belegbare, übrigens stark variirende Tradition 
nicht geeignet sei, Vorgänge zu beglaubigen, die sich mehrere 
Jahrhunderte vorher zugetragen haben. 

Weiter darf ihm bedeutsam erscheinen, dass Ephrem Syrus 
(306—373) augenscheinlich nichts davon weiss, dass Mari der 
Evangelisator von Nisibis ist, was er doch nach dem Verfasser 
unsrer Schrift sein soll. Dieser ungemein fruchtbare Schrift- 
steller, der eine grosse Anzahl carmina Nisibena gedichtet hat 
<L h. Gedichte, in welchen Ereignisse besungen werden, die 
Nisibis betroffen haben, — hätte sich schwerlich einen Stoff 
ersten Ranges, wie für ihn die Evangelisirung seiner Vaterstadt 
sein musste, entgehen lassen, wenn zu seiner Zeit auch nur der 
Schatten einer Tradition über Mari in Nisibis existirt hatte. 

Man wird auch nicht einwenden können, dass die Evange- 
lisirung der Tigrisländer unbegreiflich werden würde, wenn es 
einen Mari nicht gegeben haben sollte. 

Wie das Evangelium ohne die directe Vermittelung eines 
Apostels (im engern Sinne des Worts) nach Rom gekommen ist, 
so wird es von Antiochia nach Edessa, von da nach Nisibis und 
weiter ostwärts vorgedrungen sein. Jeder Gläubige, den sein 
Beruf oder irgend welche Verhältnisse, deren mancherlei gedacht 
werden können, in den Osten führten, wurde eben zu einem Send- 
boten Christi. 1 ) Oder Kaufleute, welche aus dem Osten nach 
dem Westen gezogen waren, brachten bei ihrer Rückkehr das 
Evangelium in ihre Heimat mit. 

Selbst der Verfasser unsrer Schrift deutet cap. 31 diese Art 
der Verbreitung des Evangeliums an. Als nämlich Mari in das 
Land der Huzäer (Susiana) und in die Persis kommt, findet er 
dort schon Gläubige vor. Es waren nämlich Kaufleute 
aus jenen Gegenden des Handels wegen nach dem Westen ge- 
gangen, waren in Edessa zum Christentum bekehrt worden 
und hatten nach ihrer Heimkehr das Evangelium weiter ver- 
breitet. 

O- o» _ 

"-' o 

=5 O 

1) Nach Act. 2, 9 wäre die Thätigkeit dieser Art von Sendboten in 
sehr frühe Zeit zu setzen. 

£ tn 

■c "ö 

Q_ 0) 

@1 

0) => 
-Q O) 

E -E 

s_ C 

a 's 

■a E 



■^ TD 



o 



9 £ 



3 ■o 



Original from 



Digilized by l^OOglC NE ^ 



{J Q_ 



Einleitende Bemerkungen. 9 

Möglicherweise bringt ein günstiges Geschick noch Schriften 
ans Licht, die uns einen klareren Einblick in die Evangelisirung 
des Ostens geben und es uns möglich machen, ein begründetes 
Urteil darüber zu fällen, ob Mari Anteil an derselben gehabt 
hat, und welches sein geschichtliches Bild gewesen ist gegen- 
über dem legendarischen, das uns, wie es scheint, in der vor- 
liegenden Darstellung geboten wird. 

Ein Versuch, 'veritatem in narratione nostra historicam ab 
admixtis fabulis aut sequioris aevi commentis critico examine 
secernere', den Abbeloos für möglich hält (S. 7 der Prolegomena), 
wird schwerlich Erspriessliches ans Licht fordern. Denn das vom 
Verfasser der vorliegenden Schrift gezeichnete Bild beruht auf 
einer in sich geschlossenen Gesamtanschauung. Will man nun 
einige Züge für historisch, andere für unhistorisch erklären, so 
wird das nur mit grosser Willkür geschehen können. 

Noch erübrigen einige Bemerkungen über den Verfasser 
unsrer Schrift, über die Zeit ihrer Abfassung und über ihre 
Quellen. 

Der Verfasser war, wie sich aus cap. 34 ergiebt, ein Mönch 
des Klosters Dörkonni, in dessen von ihm selbst erbauten Kirche 
Mari begraben sein soll. 1 ) Auch der Ausdruck „ unser Vater" 
in cap. 14 deutet wohl darauf hin, dass der Verfasser und seine 
Genossen sich durch engere Bande mit Mari verbunden fühlten. 
Es lässt sich nun vermuten, dass in diesem Kloster, seitdem die 
Tradition über Mari festere Gestalt gewonnen hatte, eine Jahres- 
feier zum Gedächtnis des Evangelisators eingerichtet war, und 
dass unsre Schrift in der Absicht verfasst wurde, als Grundlage 
bei derselben zu dienen. Für diese Annahme scheint mir die 

capp. 10. 34 vorkommende Anrede „meine Geliebten" zu sprechen, 

, 

1) Über die Gründung des Klosters von Dörkonni sagt Assemani 
BO III 2, 22: Coenobium autem et scholani Maris in Dorkena non a Mari 
ipso, sed a Seleuciensibus episcopis in ejusdem Maris, qui ibidem sepultus 
dicitur, honorem exstructa fuisse, privilegiis aucta et episcopali etiam digni- 
tate exornata, Syri omnes narrant. Derselbe schränkt an anderer Stelle 
die von Abbeloos Proleg. S. 7 hervorgehobene Thatsache, dass die Nestorianer 
ihre älteste Liturgie dem Addai und Mari zuschreiben, auf das ihr allein 
zukommende Mass von Bedeutung ein, wenn er 1112,24 sagt: Quia illos 
tamquam ecclesiarum Mesopotamiae fundatores agnoscunt, ordinem missae 
illis tribuunt, ut Jacobo Hierosolymitana ecclesia liturgiam suam, Marco 
Alexandrina suam attribuit. 



-o 
o. 






o 



Z) 



CD 
C N 
O -m 

CD 5 1 

£ 7 



0) . 

£ tn 

■c "ö 

-Q O) 



{J Q_ 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö llfc NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



10 Einleitende Bemerkungen. 

welche so klingt, als ob sie gegenüber einer Festversamrnlung 
angewendet worden wäre. Ferner heisst es cap. 34: „Halten wir 
in Ehren den Tag des Gedächtnisses dieses heiligen Apostels 
und Athleten der Gerechtigkeit"! Und auch der übrige Teil 
desselben Kapitels unterstützt diese Annahme. 

Für die Bestimmung der Abfassungszeit kommt in Be- 
tracht die schon oben angezogene Bemerkung aus cap. 17: „Dieses 
andere Reich der Perser, welches sein Ende nahm durch Ardeschir, 
hatte noch nicht den Anfang genommen." Aus dieser Notiz, in 
welcher zwar Ardeschir, der Begründer des Sasanidenreichs, mit 
Jezdegerd verwechselt wird, unter welchem dasselbe zusammen- 
brach, geht jedenfalls hervor, dass der Verfasser nach dem 
Jahre 642 geschrieben hat, nicht aber im 5. oder 6. Jahr- 
hundert, wie Abbeloos annimmt, der den in der Verwechselung 
der beiden Fürsten liegenden Anstoss durch eine den thatsäch- 
lichen Verhältnissen nicht entsprechende Textänderung zu be- 
seitigen sucht. 

Für die Beantwortung der Frage aber, wie lange nach dem 
genannten Jahre dies Apostelbild gezeichnet worden ist, finde 
ich in der Schrift keinen Anhaltepunkt, da ein historischer Hinter- 
grund nicht zu Tage tritt. Aus dem letzten Kapitel darf man 
schliessen, dass damals, als der Verfasser schrieb, das Kloster 
Dörkonni, sowie auch wohl die christlichen Gemeinden einer 
weiteren Umgegend in Blüte standen, und dass die dortigen 
Christen in voller Ruhe unter der Araberherrschaft ihrem Glauben 
nachleben konnten, Liesse sich der Zeitpunkt bestimmen, in 
welchem eine Aenderung dieser Lage eingetreten ist, so wäre 
damit, wie mir scheint, der terminus ad quem für die Ab- 
fassungszeit unsrer Schrift gegeben. 

Nun finden sich bei Jaküt mehrere Angaben über Dörkonni 
oder Der (Kloster) Kunnä, auch Der Mär Mari, wie er und sein 
Gewährsmann es nennen, aus denen sich annäherungsweise be- 
stimmen lässt, bis zu welcher Zeit das Kloster bestanden hat. 
Namentlich ist eine II 687 enthaltene Nachricht von Gewicht, in 
welcher es-Säbustä (nach Wüstenfeld, der sich dafür auf Hadji 
Khalfa und Ibn Challikän bezieht, + 388 d. H.= 998,9 n. Chr.) 
von dem Kloster als einem zu seiner Zeit noch bestehenden redet. 
Er giebt seine Entfernung von Bagdad und vom Tigris an, schil- 
dert es als einen gewaltigen, einer uneinnehmbaren Feste ver- 
tu 2 

£ tn 

■c "ö 

Q_ 0) 

@1 

0) => 
-Q O) 

E -E 

s_ C 

*i Dioit^edby Google 






cn 



"O 



Original from 
^ö 1% NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



{J Q_ 



Einleitende Bemerkungen. 11 

gleichbaren, mit hoher, solid gebauter Mauer umgebenen Bau von 
hundert Zellen, deren jeder ein jährlicher Gartenertrag im Werte 
von fünfzig bis zweihundert Denaren zu gute kam, und giebt an, 
dass in seiner Mitte sich ein Fluss befinde. Von dieser 
Schilderung sagt der im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts 
schreibende Jaküt, dass sie alt sei, und er fügt hinzu, dass zu 
seiner Zeit nur noch die Mauern vom Kloster vorhanden waren, 
und dass dort arme Mönche hausten. Daraus wird man schliessen 
dürfen, dass das Kloster nicht lange nach dem Jahre 1000 (nach 
Jaküt' s Vermutung in Verbindung mit der Verwüstung von 
Nahrawän, für welche er jedoch keine Zeit angiebt) unter- 
gegangen ist. 

Mit dieser Bestimmung der Grenzen für die Abfassüngszeit 
der vorliegenden Schrift muss ich mich begnügen, da mir andere 
Notizen, welche eine genauere Festsetzung ermöglichen könnten, 
nicht bekannt geworden sind. 

Zuletzt gedenke ich mit einigen Worten der Quellenfrage, 
da der Verfasser sich cap. 6 auf schriftliche Quellen beruft. 

Von vornherein kann man für möglich halten, dass dem 
Verfasser schon früher concipirte Nachrichten über die Missions- 
thätigkeit des Mari vorgelegen haben. Unter dieser Annahme 
würde sich am einfachsten die von ihm angewendete geogra- 
phische Nomenklatur erklären, welche zum Teil einer Zeit ange- 
hört, die von der allerdings nicht genau bestimmbaren Abfassungs- 
zeit der Schrift durch einen längeren Zeitraum getrennt war. Wel- 
cher Art aber diese „schriftliche Tradition" gewesen ist, ob sie im 
wesentlichen ein Itinerarium enthielt etwa mit einigen Angaben 
darüber, dass der Evangelisator da oder dort ein Wunder voll- 
bracht habe, ob sie irgendwie auf Thatsachen fusste, oder nur eine 
einigermassen richtig localisirte Dichtung darstellte, — darüber 
muss ich mich selbst einer Vermutung enthalten. Nur das steht 
mir fest, dass das uns vorliegende ausgeführte Apostelbild 
nicht darin enthalten gewesen sein kann, da dieses unverkennbar 
Züge später Zeit an sich trägt, und ebenso das andere, dass diese 
als möglich angenommene Grundlage nichts dargeboten hat, was 
dem Bilde eines Evangelisator s, wie wir uns einen solchen auf 
Grund der aus dem Neuen Testamente und der sonstigen Literatur 
der ersten christlichen Jahrhunderte gewonnenen Anschauungen 
denken, entsprach. Denn es ist nicht anzunehmen, dass der Ver- 

■c "ö 
@-E 



■^ TD 



^ CD 



o 



£ 



03 => 



{J Q_ 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö llfc NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



12 Einleitende Bemerkungen. 

fasser solche Lichtstrahlen, die im stände gewesen wären, sein 
Apostelbild glaublich zu machen, unterdrückt hätte, wenn sie in 
seinen Quellen enthalten gewesen wären. 

Ob die Nachrichten unsrer Schrift, falls sie auf einer früheren 
Niedersetzung beruhen, schon dadurch glaubwürdig werden, darf 
man bezweifeln. Wenn z. B. cap. 29 der Verfasser anlässlich des 
Berichts über die Verlegung einer Wassermenge von einem 
Ufer zum andern mit Emphase sagt: „Was wir mit unsern eigenen 
Augen gesehen und nicht durch Hörensagen von andern erfahren 
haben", so wird die Berufung auf Augenzeugen dies erstaunliche 
Wunder schwerlich glaubhafter machen. 

Noch will ich auf einen Widerspruch, der sich in den capp. 19 
und 30 findet, hinweisen. Nach cap. 30 ging die Evangelisirung 
von Kaskar derjenigen von Seleucia voran, indem Mari, als er 
keine Möglichkeit sah, in Seleucia festen Fuss zu fassen, zunächst 
die Einwohner von Kaskar bekehrte. Nach cap. 19 wollte er 
Seleucia, weil er an seiner Bekehrung verzweifelte, verlassen, 
wurde aber durch seine Genossen in Edessa, die er von seiner 
Absicht in Kenntnis setzte, an diesem Vorhaben gehindert. Dieser 
vom Verfasser nicht ausgeglichene Widerspruch documentirt wohl 
nur die Thatsache, dass zwischen den Bischofssitzen von Seleucia 
und Kaskar Streit über die Priorität ihrer Gründung stattfand. 

Hier schliesse ich meine Vorbemerkungen über diese kleine, 
und wie Noeldeke sie mit Becht nennt, immerhin merkwürdige 
Schrift, die weiter nichts wollen, als Rechenschaft ablegen von 
den Erwägungen und Bedenken, zu denen mich die Betrachtung 
derselben veranlasst hat, und nicht den Anspruch erheben, eine 
Lösung des Problems zu geben. 

Ich erwähne nur noch, dass ich die Berliner Handschrift 

O |c . 7 

mit dem von Abbeloos edirten Text verglichen und einige Ab- 
weichungen, die Abbeloos, weil sie ihm vielleicht als bedeutungs- 
los (Proleg. S. 6: nullius fere momenti) erschienen, nicht vermerkt 
hat, in den Anmerkungen zu den betreffenden Stellen notirt habe. 
Ich bezeichne im folgenden die Berliner Handschrift durch CB, 
während ich für Abbeloos die Abkürzung A anwende. 

CD 5 1 

£ 7 

^ a» 

=5 o 

-ö (j 

<L> . 

C w 

o & 

tu 2 
£ tn 

■c "ö 

Q_ 0) 

@1 

-Q a> 



-o 

o. 



{J Q_ 



! DtaMadby C00gk Original from 



SS uignizHj oy ««j«jx«. NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



Die Geschichte des Apostels Dominus Mari 1 ). 

[Durch die göttliche Kraft schreiben wir die Geschichte des 
Apostels Dominus Mari, eines von den Siebenzig 2 ). Herr, 
hilf mir! Amen.] 

I. Nach fünfzehnjähriger 3 ) Regierung des Kaisers Tiberius 
[aber], als ein herrliches Ende zu nehmen begannen die drei 
Jahre des Heilsplans unseres Herrn Jesus Christus unter den 
Menschen, jene, in welchen die Erlösung der Gesamtheit, der 
Oberen und der Unteren, vollendet worden ist, — in der Zeit, 
in welcher ihm (dem Erlöser) der Abschluss des Erlöser -Heils- 
plans nahe war, lief nicht unter den Juden (allein), sondern bei 
allen Völkern das Evangelium des Heilsplans, und zum Herrn 
nahten sie sich und Leben empfingen sie. Und über die Hoff- 
nung der zukünftigen Welt predigte er ihnen, was sie nicht durch 
Worte (erfuhren), sondern auch durch die That sahen 4 ). Und 
schön gingen sie von ihm hinweg, indem sie Befreiung von ihren 
Gebrechen und Erlass ihrer Sünden empfingen. Und deshalb 5 ) 
bildeten sie in verschiedenen Gestalten und auf zuverlässige Weise 
die Gestalt und das Bild unsers anbetungswürdigen Herrn, wie 

einer von denen anzeigt, welche mit Gott bekleidet sind 6 ) (Gott 

, 

1) Märi ist wohl kein semitischer Name. 

2) Der Abschreiber verwechselt Mari mit Addai. 

3) Diese Zeitbestimmung erklärt sich daraus, dass den Syrern das 
Jahr 309 aer. Sei. als Geburtsjahr Jesu galt. 

4) Der Verfasser meint wohl: Die Heilungen, die Jesus vollzog, und 
die Totenerweckungen waren d^gaßwv und OipQayiq des zukünftigen Lebens, 
gleichsam die Morgendämmerung, die dem Sonnenaufgang vorangeht und 
ihn verbürgt. 

5) Dem Verfasser schwebte wohl der Gedanke vor, dass sie aus Dank- 
barkeit für die empfangenen Wohlthaten das Bild des Wohlthäters auch 
äusserlich zu fixiren strebten. 

6) Der Ausdruck wird im Grunde aus Stellen wie Gal. 3.27 und Rom. 13,14 
(Xqigxov ivdvso&cu) entstanden sein. 

@1 

-Q O) 



-o 

CL 



o 



Z) 



£ 



TD 



{J Q_ 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö llfc NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



■^ TD 



^ 0> 



o 



£ 7 

■r: CU 



14 Die Geschiclite des Apostels Dominus Mari. 

augezogen haben), (indem er sagt): Als ich einst nach Caesarea 
Philippi ging, sah ich dort das leibliche Bild unsers Erlösers 
Christi. Jene Frau nämlich, von welcher im Evangelium ge- 
schrieben worden ist, dass zwölf Jahre lang ihr Blut geflossen 
war, — an der Thüre ihres Hauses sah ich auf einem hohen Fel- 
sen ein ehernes Bild (einer Frau) stehen, und sie liegt auf ihren 
Knieen und streckt ihre Hände 1 ) vorwärts 2 ), als wenn sie eine 
(andere) Gestalt anflehte. Und ihr gegenüber wiederum steht ein 
anderes Bild aus Erz, (das Bild) eines Mannes, welcher mit einer 
Tunika bekleidet ist und seine Hand zu dieser Frau ausstreckt. 
Diese Bildsäule ist aber die Gestalt unsers Erlösers, wie alle jene 
bezeugt haben, welchen von unserm Herrn und Erlöser geholfen 
worden ist: sie hatten sein Bild an verschiedenen Orten mit den 
ersten (d. h. besten) Farben gemalt 3 ). Und sie (die erwähnten 
Bilder) bestehen bis jetzt, weil anfangs in thörichter Weise die 
Anhänger des Heidentums gleichsam den Erlöser (selbst) in diesem 
Bilde [so] verehrten 4 ). Aber 5 ) nicht nur zu dem grossen Haufen, 
sondern auch zu einem Könige flog die Predigt des Himmelreichs, 
wieviel wir aus alten Erzählungen gelernt haben. 

IL Zu jener Zeit nämlich, als er sein Erlöser-Ziel erreichte, 
flog die Kunde von der Heilkraft unsers Erlösers Christus bis 
zu Abgar, dem Herrn der Stadt Orhäi (Edessa). Dieser hatte 
eine harte Krankheit, welche ihn fortwährend quälte, (nämlich) 
Podagraschmerz. Und er hörte von unserm Erlöser, dass er Kraft- 
und Wunderthaten vollbrachte. Und er schrieb ihm einen Brief 
und schickte zu ihm Abgesandte und Boten, dass er zu ihm käme 
und ihm Heilung verschaffte. Er schrieb ihm nämlich in seinem 
Briefe so: Abgar Ukkäma (der Schwarze), das Haupt des Landes, 
grüsst Jesus, den Erlöser. Ich habe gehört, dass du Aussätzige 



1) CB hat oi^l statt öi^] (A). 

2) Bei Setzung des Maskulin — Suffixes mag dem Verfasser jSn\. vor- 
geschwebt haben. 

3) Der Obergang von der Skulptur zur Malerei ist eigenartig und un- 
erwartet. 

4) Der Verfasser scheint sagen zu wollen : Da die Heiden dem Bilder- 
dienst ergeben waren, so hefteten sie sich auch nach ihrem Übertritt zum 
Christentum an das Bild und glaubten in dem Bilde Christi Christum selbst 
zu haben. 

5) Statt |~* ,? wird y-^ <-- •? zu lesen sein. 

Q. CU 

@1 

-Q <D 
0> ^ 



{J Q_ 



! Dicili^by G00gk Original from 



SS uignizHj oy ««j«jx«. NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 15 

reinigst und unreine Geister austreibst und Dämonen verscheuchst. 
„Und ich habe von dir gedacht, dass du Gott bist oder ein Sohn 
Gottes, der gekommen ist zur Heilung x ) der Creatur. Ich habe 
eine schwere Krankheit und ich bitte dich, zu mir zu kommen, 
damit du diesen Schmerz heilest. Und ich habe auch über dich 
gehört, dass die Juden, deine Landsleute, dich hassen und dir 
Böses zu thun suchen. Wenn du nun willst, — ich habe eine 
kleine Stadt, welche für mich und für dich passt und für uns 
beide genügt. Und wir werden in ihr in Ruhe leben. 

Und die Gesandten kamen und gingen nach Jerusalem 
hinein am zwölften im Monat Nisan. Und sie fanden Christum im 
Hause eines Obersten der Priester der Juden. Und der Brief 

o 

wurde vor ihm gelesen; aber unser Herr hatte keine Möglichkeit 
zu ihm Boten 2 ) zu schicken, auch schien es ihm nicht gut, dass 
sein Evangelium in das Land der Heiden vor seiner Auferstehung 
hinausginge. Deshalb schickte er keine Apostel zu ihm. Er 
gab ihm aber eine Antwort. Er begrüsste ihn aber durch fol- 
gendes Schreiben: Über mich ist geschrieben: Selig sind, die 
mich nicht gesehen und (doch) an mich geglaubt haben 3 ). Jetzt 
aber suche ich das Werk dessen, der mich gesandt hat, zu voll- 
enden. Aber nach meiner Auferstehung, und nachdem ich zum 
Himmel erhoben sein werde, schicke ich einen von meinen Jüngern 
zu dir, dass er deinen Schmerz heile und auch das Leben gebe 
dir und auch denen, welche mit dir sind. Und deine Stadt soll 
gesegnet sein, und kein Feind soll sie erobern 4 ). 

III. Und der Brief kam zum König Abgar, und er empfing 
ihn mit grosser Freude. Und als sie ihm erzählten, welche 
Wunderdinge von ihm im Lande Juda vollbracht werden, staunte 



o 9 



9 ^ 

§1 



1) Eigentlich: sanitas 

2) Dass er Boten zu ihm schickte, hatte Abgar nicht verlangt, sondern 
dass er selbst käme. 

3) Missdeutung von Joh. 20, 29. 

4) Dieser Verheissung gedenkt Ephrem, dessen Worte ich in der Über- 
setzung von Assemani (BO I 141) anführe: benedicta civitas, in qua habitatis, 

O "-M 

CD 5 1 

£ 7 



Edessa sapientium mater, quae ex vivo filii ore benedictionem per ejus 
discipulum accepit. lila igitur benedictio in ea maneat, donec sanctus ap- 
paruerit [genau: revelatus fuerit]. Und Josua Styl, sagt cap. 36: „Und 



O- Ol 

"-' o 

diese (Stadt), welche wegen des Glaubens ihres Königs und der Gerechtig- 
keit ihrer Einwohner in den früheren Zeiten würdig gewesen war, von 
unserm Herrn einen Segen zu empfangen . . . " 

@1 

-Q O) 

E £ 

s_ C 

1 S Digilized by LjQOgle NEW YORK PUBLIC LIBRARY 

0) 3 
{J Q_ 



Original from 



16 Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

er und bewunderte die Kraft Gottes. Und dass er dieses Schau- 
spiels nicht gewürdigt wurde, darüber war er in grosser Betrübnis. 
Was machte denn nun der König Abgar? Er sah geschickte 
Maler und befahl ihnen, dass sie mit seinen Boten gingen und 
malten und im Abbild das Angesicht des Herrn brächten, damit 
er sich über sein Bild freute, wie über seine persönliche Gegen- 
wart. Nun kamen die Maler mit den Boten des Königs, aber 
sie vermochten nicht ein Bild der anbetungswürdigen Menschheit 
des Herrn zu malen. Als aber der Herr mit seinem göttlichen 
Wissen die Liebe des Abgar zu ihm anschaute (erkannte) *), und 
nachdem er sah, dass die Maler sich abmühten ein Bild 2 ) zu 
finden, dass sie (ihn) malten, wie er ist, und es nicht vermochten, 
nahm ein Tuch (pivöcbv) und drückte es auf sein Gesicht der 
Lebenspender der Welt, und es wurde, wie er ist. Und jenes 
Tuch wurde gebracht und wie eine Quelle der Hilfen nieder- 
gelegt in der Kirche 3 ) von Urhäi bis auf den heutigen Tag. 

IV. Und nach der Himmelfahrt unsers Herrn, als die Apostel 
sich auf dem Erdkreis zerstreuten, fügte es die Güte Gottes, dass 
Thomas, einer von den Zwölfen, einen von den zwei und siebenzig 
Aposteln mit dem (Bei-) Namen Addai, welcher sich an den 
Apostel Thomas angeschlossen hatte, nach der §tadt Urhäi 
schickte. Und als Addai dorthin kam, kehrte er in dem Hause 
eines Mannes ein, der Tubäna 4 ) hiess. Er fing aber an Wunder 
zu thun. Als aber die Rede über ihn ruchbar wurde, thaten sie 
Abgar zu wissen: Ein Apostel Jesu ist hierher gekommen. Und 
der König schickte, rief den Tubäna und sprach zu ihm: Ich 
habe gehört, dass ein mächtiger Mann in deinem Hause weilt. 
Führe ihn also zu mir herauf. Und in derselben Stunde stand 
jener Mann auf und brachte Addai zu Abgar. Und er ging 
hinein vor ihn, während eine grosse Menge vor dem Könige war. 
Und als er hineingegangen war, sah der König ein wunderbares 






o 



O 



1) Ich lasse mit CB .oolä weg. 

2) Vielleicht steht )V>\» an unrichtiger Stelle. 

c "7 

■r- (U 



3) Der Verfasser meint wohl, dass das Tuch später, als Urhäi eine 
„Kirche" hatte, in dieser deponirt worden ist. 

4) Tubäna=der Selige, Fromme, beatus, ist die ständige Bezeichnung 



cu 

c 
o _ 

des Mari. Eusebius hat statt Tubäna Twßlaq (njata, anjato). 

■c "ö 

Q_ 0) 

@1 

-Q O) 



{J Q_ 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö" NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



Die Geschichte des Apostels Dominus Märi. yj 

Gesicht vom Antlitz des Addai her 1 ). Und der König fiel nieder 
und betete das Angesicht des Addai an. Die Magnaten aber 
sahen den Glanz nicht Sie verwunderten sich aber sehr, wie 
ein Mann, der schmutzige Kleider trug, den König in Erregung 
versetzte. Es zeigte ihm aber Christus den Glanz seiner Herr- 
lichkeit an jenem, welcher zu ihm gekommen war. Hob Addai 
an und sprach zum Könige: Wozu hast du mich gerufen? Der 
König sprach: Ich habe von dir gehört, dass du Wunder- und 
Kraftthaten vollbringst, und ich habe erkannt, dass du ein Jünger 2 ) 
Jesu bist, welcher in einem Schreiben zu mir gesagt hat: Nach 
meiner Auferstehung sende ich zu dir einen von meinen Jüngern. 
Denn du bist zu mir gekommen, dass du mir Heilung verschaff- 
test. Spricht Addai zu ihm: Wenn du glauben wirst, werden 
dir deine Bitten werden. Alles kann dem zuteil werden, welcher 
glaubt. Darauf sprach der König zu ihm: So habe ich an ihn 
geglaubt, dass ich selbst zu den Juden, die ihn gekreuzigt haben, 
ein Heer zu schicken und sie zu verderben willens war, wenn 
ich nicht vom Reiche der Römer gehindert worden wäre. Und 
hierauf legte er die Hand auf ihn, und durch die Kraft Jesu 
wurden alle seine Schmerzen geheilt. Und Abgar staunte und 
wunderte sich, weil er ihm ein wunderbares Zeichen gegeben 
hatte, die Heilung von seinem Fussschmerz, welcher Podagra 
genannt wird. Und auch einen von seinen Dienern (Sklaven), 
welcher Abd bar Abdo 3 ) hiess, heilte er von der Krankheit, die 
er hatte. Und auch e r stand auf, fiel zu den Füssen des frommen 
Addai und betete an. Und er heilte auch andre Einwohner 
ihrer Stadt. 

V. Und als der König und seine Magnaten die Zeichen 
sahen, die er that, fingen sie an zu ihm zu sagen: Wir bitten 
dich, dass du uns sagest: Wer ist Jesus, und was hat er gelehrt 
and was hat er gethan? Spricht Addai zum Könige: Die Zeit 
ist jetzt vergangen. Aber wenn du wünschest, dass ich zu dir 
rede, so schicke und rufe alle deine Truppen, und ich komme 4 ) 

3 CD 

1) Vermutlich ist gemeint, dass das Antlitz des Addai in einem über- 
irdischen Glänze strahlte. 

2) Cß: ] r +ia±Z,A: oij-^o^Z 

3) Eusebius, H. E. 1,13: "Äßdoq b xov"Aßöov. Der Name Abdus be- 
gegnet auch Tac. Ann. VI. 37, 3S. 

4) CB: und du kommst am Morgen, und ich sage dir . . . 
Raabe, Dominus Märi. 2 

*! Dicili^dby G00gle Original from 



~o 






o 



I S uiguizra oy vju^i^ NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



{J Q_ 



lg Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

am Morgen und sage dir die Geschichte von Jesus. Der 
König aber nahm sein Wort freudig auf und schickte und ver- 
sammelte alle seine Magnaten. Und Addai kam am Morgen und 
fing an ihm zu sagen über den göttlichen Heilsplan: wie er 
(Gott) die Geschöpfe geschaffen, und wie er die Natur der Menschen 
gemacht, und welche Verheissungen er den Alten 1 ) gegeben hat; 
und über die Ankunft der Propheten und über die Ankunft 
Christi und über die Zeichen, die er gethan hat, und über die 
Auferstehung Christi 2 ) und seine Auffahrt zum Himmel, und über 
das Geschenk, das er den Propheten und Aposteln gegeben hat, 
dass sie den Völkern predigten. Und wieviel der Apostel sagte, 
so lobte der König seine Worte, und der heilige Geist bekräftigte 
seine Worte durch Wunderthun 3 ). Und sogleich nahm die Stadt 
die Lehre an und alle ihre Umwohner. Und aus Anlass der 
Zeichen, welche durch Dominus Addai geschahen, wurde das 
ganze Land der Ströme bis auf ein weniges zum Glauben an 
Christus geführt. Und viele von denen, welche glaubten, wett- 
eiferten mit einander in tugendhaftem Wandel. Und nachdem 
der Apostel Addai eine Kirche in Urhäi gebaut und mit allem 
ausgerüstet hatte, was ihr gebührte, und Presbyter und Diakonen 
in der Stadt und in ihrer ganzen Umgebung eingesetzt hatte, 
schied der Apostel Addai aus dieser Welt in Frieden am fünften 
Tage der Woche am vierzehnten Tage im Monat Jjjär (Mai) und 
beendete seine geliebten Kämpfe durch Triumph und Sieg. 

VI. Soviel über die Evangelisirung des Landes der Ströme. 

Wenden wir uns nun dazu, zu zeigen, wie von da die Ver- 
ehrung Gottes auch in diese unsre Gegenden geflossen ist. Und 
weil diese Geschichte nicht öffentlich 4 ) berichtet wird, so setze 
ich (gebe ich) die alte Tradition, welche in Schriften überliefert 
wird und so lautet: Vor dem Tode aber des frommen Addai, 
da wählte er (Addai) aus seinen Schülern einen aus mit Namen 
Mari 5 ), welcher in der Liebe Gottes stand und mit tugendhaftem 



■^ TD 



CD 



o 



5 Tj 

zu sein 



1) Die Beschränkung auf die 'protoparentes' (A) scheint nicht nötig 
in. 

2) CB; Im *Sn ohne Abkürzung. 

3) Anders der biblische Ausdruck Mc. 16,20: xov xvqlov ovveQyovv- 



2) CB; ).ü*Sn ohne Abkürzung. 



xoq xal xov Xoyov ßeßaiovvxoq ötä xüv iTtaxoXov&ovvxtov ari(ieiwv. 
4) = in einem öffentlichen, allgemein bekannten Schriftstück (?). 

5)«9l&0 



Q_ 0) 

@1 

0) => 
-Q (L> 

E -E 

*i Dioit^edby Google 



Original from 
^ö 1% NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



Ö3 ^ 

{J Q_ 



■^ TD 

ö- s- 



^ CD 



Z) 



CD 

C N 

O -m 

CD 5 1 

£ 7 

■jZ _cu 

O- Ol 

" o 



Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 19 

Wandel geschmückt war. Und er legte die rechte Hand auf 
ihn, was ihm von unserm Herrn Jesus Christus verliehen war, 
und sandte ihn nach der Gegend des Ostens, in das Land von 
Bahel, und befahl ihm zu gehen und dort das Wort 1 ) des Herrn 
zu predigen. 

VII. Und der fromme Dominus Mari ging von Urhäi aus 
und begann mit der Lehre, bis er nach der Stadt Nisibis kam. 
Und nachdem der Fromme die Stadt Nisibis evangelisirt und in 
ihr die Wahrheit des wahren Glaubens gepflanzt 2 ), ihre Götzen 
umgestürzt und ihre Statuen gebrochen und in ihr Kirchen und 
Klöster gebaut und in ihr Lehrer eingesetzt und eine Schule 
(eingerichtet) hatte , begab er sich von da in die Landschaft 
Arzön, er selbst mit dem Presbyter Onesimus, welcher mit ihm 
von Urhäi gekommen war, und Philippus und Malkjesus und Ada, 
seinen Schülern, mit vielen 3 ) andern. Und einen von ihnen, 
Namens Philippus, sandte er nach Kardo. Und als der Frotnme 
nach der Stadt 4 ) Arzön gekommen war, machte er viele zu 
Jüngern durch die Kraftthaten, die er vollbrachte. Der König 
aber von Arzön lag an jener Krankheit, welche Podagra heisst, 
darnieder. Und als er von den Grossthaten und Heilungen ge- 
hört hatte, welche durch die Hände des Frommen geschahen, 
befahl er mit grossem Verlangen, dass sie den Frommen vor ihn 
brächten. Und als er gekommen und vor ihn hineingegangen 
war, freute sich der König seiner sehr, weil der Fromme ihm 
mit fröhlicher Miene Verehrung entgegen brachte. Und als er 
das Wort des Frommen gehört hatte, wurde er in seinen Augen 
noch höher geschätzt wegen seiner Sanftmut und Demut und 
wegen seines fröhlichen Angesichts, deshalb weil Dominus Mari 
sehr sanft war und freundlich gegen jedermann, und Zorn und 
Unwille durchaus nicht bei ihm gefunden wurden. Und der 
König hob an und sprach zu ihm: Sage mir, von welcher Religion 
du bist, weil ich von dir gedacht habe, dass du (ein) Gott seiest 
Da hob der fromme Dominus Mari an und sprach zum Könige: 
Das sei ferne! Denn ich bin nicht ein Gott, mein Herr König, 



1) CB: ^? oik^o statt l^^o (A). 

2) Wortspiel: ^cu^J und ^^* 

3) Mari zieht also anders, als die Urapostel, mit stattlichem Gefolge 
durch die Lande. 

4) Kurz zuvor hat der Verfasser von der „Landschaft" Arzön geredet. 



* 



CU 

c 

£ tn 

■c "ö 

@-e 2 

t => 

CD ^ 

E -E 

M Dinili.edby G00gie Original fror, 



I * uiguizea oy ^ w£i\. NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



<= .Q 
Ol = 



20 Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

sondern ein Mensch 1 ), ein Knecht des lebendigen Gottes. Meine 

Religion ist das Christentum, und ich glaube an Christus, den 

Sohn Gottes, ihn, welcher am Ende der Zeiten vom Himmel 

herabgestiegen ist und die Welt weggewendet hat 2 ) von dem 

Irrtum der Dämonen, in welchem sie befangen war. Diesen 

bekenne ich, Herr König, und in seinem Namen vollbringe ich 

dies und ich führe die irrenden Menschen [zu Gott und] 3 ) zum 

Glauben an ihn. Hob der König an und sprach zu ihm: Kann 

also dein Herr, wie du sagst* diese Krankheit, an welcher ich, 

siehe, seit langer Zeit darniederliege 4 ) , heilen? Sprach der 

Fromme zu ihm: Wenn du an ihn glaubst, werden dir deine 

Bitten erfüllt. Und sogleich fiel der König auf die Kniee und 

betete vor dem Frommen an, indem er bat und sprach: Ich glaube, 

Herr, hilf mir! Und sogleich trat der Fromme hinzu und legte 

seine Hand auf jene Stelle (die Ftisse) und sprach: Im Namen 

des Herrn Jesu Christi, welchen die Juden in Jerusalem ans 

Kreuz geschlagen haben, stehe auf deinen Füssen! 5 ) Und während 

der Fromme redete 6 ), erlangte er die Gesundheit, und er selbst 

wurde getauft und die Angehörigen seines Hauses. Auch die 

ganze Stadt (die Einwohner der Stadt), nachdem sie gesehen 

hatten, dass der König Gesundheit erlangt hatte, traten auch sie 

zum Frommen heran. Und er heilte ihre Wunden und evangeli- 

sirte die ganze Stadt. Und er baute in ihr eine Kirche und 

setzte in ihr Priester und Diakonen ein. 

VIII. Von dort zog er wiederum aus und kam in das Gebiet 
von Beth Zabde. Und er machte daselbst die Menge des Volks 
der Gegend zu Jüngern. Und der Fromme wanderte von dort 
in die Gegend von Beth f Arbäje (Araberland) und erwarb daselbst 
zahlreiche Jüngerschaft. Und von dort stieg er hinab nach 






o 



c 

tu 2 
£ tn 

■c "ö 

Q_ 0) 

@1 

-Q O) 



1) Erinnert an Act. 10/26: xdyo) avxbq av^QQjnoq el/ui. Vgl. auch 
Act. 14,15: xal wslq oftoionateTq iaßev vplv av&Qw?toi. 

2) Vgl. Act. 14,15: evayyskit.ofievoi vpäg anb tovtcov tojv /uazalwv 
ejttaxQecpBiv inl &eov ^wvzcc. 

3) Die eingeklammerten Worte fehlen bei CB. 

4) Wörtlich: in welche ich geworfen bin. 

5) Vgl. die bis auf den hinzugefügten Relativsatz gleichlautenden Worte 
Act. 14,9: **^C ^ *« U^j^d ^oa- ^ ? 

6) Wörtlich: mit dem Worte des Frommen. 



{J Q_ 



! DtaMadby C00gk Original from 



SS uignizHj oy ««j«jx«. NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



■^ TD 

ö- s- 



^ CD 



£ 



Z) 



"O 



"5 iS 

£ LH 

■C "ö 

Q. 0) 

-Q 0) 

0) ^ 



CU 3 
O Q- 



Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 21 

Arbel (Arbela) und Assur ! ). Der König von Arbel aber hatte 
die Löwenkrankheit 2 ) des Achasja 3 ), welche sehr ekelerregend 
und verabscheut ist bei den Menschen, welche der Aussatz ist; 
auch war seine linke Hand gelähmt. Und als der fromme Domi- 
nus Mari nach Arbel hineingegangen war, begann er darin den 
Samen des Lebens zu säen. Da haderten die Leute der Stadt 
samt den Verehrern der Götzen, die in ihr waren, indem sie 
schrieen und sprachen: Woher ist dieser Vernichter 4 ) unsrer 
Götter zu (wider) uns gekommen? Und sie gingen zum König 
hinein und sprachen zu ihm 5 ) und berichteten ihm auch, was 
durch die Hände des Frommen gemacht wurde. Und als der 
König dies gehört hatte, wurde er erregt und schickte nach ihm. 
Und sie führten ihn eilends 6 ) vor ihn hinein, und der König hob 
an und sprach zu ihm: Was ist das, dass du die Götter abschaffst 
und einen Gott lehrst, wie sie sagen, den, welchen die Juden in 
den Tagen des Herodes am Holze aufgehängt haben, wie wir 
gehört haben? 7 ) Da sprach der Apostel Dominus Mari: Dass er 
von den Juden, den Hassern 8 ) der Wahrheit, wie du gehört hast, 
getötet und auch begraben worden ist, — dies Wort beruht auf 
Wahrheit. Dass er aber vom Grabe auferstanden und in Herr- 
lichkeit in den Himmel erhoben worden ist und sich zur Rechten 
des Vaters gesetzt hat, hast du nicht erfahren, o König. Jetzt 
aber, nachdem Zeichen durch meine Hände in seinem Namen 
gethan werden, nun möge dir feststehen, dass e r allein der wahre 



1) Geschrieben: ^oZ) 

2) Die tuberöse Form des Aussatzes hiess auch Xeovxlaoiq^ weil die 
entstellten Gesichtszüge des Kranken an einen Löwen erinnerten. Vgl. Ori- 
basius p. 61: Ol öh oXiyov tiqo rjfiwv xal öia<poQaq sicrjy^Gavxo xov na- 
&ovg, xfjv (xhv uQ/riv avxov XeovxiaaLV xakovvxeg, oxi xo awfxa dvoatöeg 
yivexai xal oxi %a\6)vxai al yva&oi xal 7ta%vv£xai xä Z£tXf]> 

3) Der Verfasser verwechselt vielleicht Achasja mit Hiskia (2. Kön. 
20. Jes. 38), obwohl die Krankheit des letzteren nicht Aussatz, sondern wie 
es scheint, die Pest war. 

4) Genau: einer, der die Götter abschafft. Ich fasse „vernichten" hier 



= für nichts erklären. 

5) Man erwartet, dass ihre Rede folge. 

6) Wörtlich: sie liefen, führten. 

7) Diese Nachricht würde, wenn ihr Wert beizulegen wäre, bezeugen, 
dass schon vor der Ankunft des Mari in Arbela eine Kunde von Jesu und 



seiner Kreuzigung vorhanden gewesen wäre. 
8) CB: ^liso statt J^ (A). 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö llfc NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



22 Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

Gott ist, und dass ausser ihm keiner ist 1 ). Hob der König an 
und sprach zu ihm: Welche Zeichen vermag dein Gott zu thun? 
Spricht der fromme Dominus Mari zu ihm: Alles ist leicht für 
die Kraft Gottes. Denn alles, was du im Glauben von ihm 
bittest, empfängst du. Spricht der König zu ihm: Wenn du die 
Krankheit, an welcher ich darniederliege, heilen wirst, so glaube 
ich an Christus 2 ) und seine Apostel. Da hob der Fromme an 
und sprach zum König: Ertrage mich (gedulde dich) eine Weile. 
Und er fiel auf seine Kniee und sprach: Dich, Gott, Vater unsers 
Herrn Jesu Christi, flehe* ich an: heile diesen deinen Knecht. 
Und der Fromme nahm Ol und Wasser, zeichnete über ihnen 
das Zeichen des Kreuzes des Herrn 3 ) und gab ihm. Und er 
trank davon und salbte (sich) und wurde geheilt. Und augen- 
blicklich wurde sein Fleisch verändert (und wurde) wie das eines 
kleinen Knaben 4 ). Und auch seine Hand ergriff der Apostel mit 
seiner Hand, und augenblicklich streckte sie sich grade. 

IX. Es war aber dort ein Heerführer des Königs, mit Namen 
Zärdos 5 ). Und als er von seinem Herrn, dem König, sah, dass 
er geheilt worden war, rief und sprach er zu dem Frommen: 
Gesegnet ist (sei) dein Herr, der dich zu uns gesandt hat, damit 
du unsre Wunden 6 ) heiltest. Gesegnet sei Christus, den du 
predigst, gesegnet seine Herrlichkeit und hoch seine Ehre vor 
allen Geschöpfen. Anbetungswürdig ist er im Himmel und auch 
auf der Erde in alle Ewigkeit. Und er neigte sein Haupt vor 
dem Frommen, indem er bat und flehte und sprach, dass er den 
einzigen Sohn 7 ), den er hatte, heilen möchte. Es quälte ihn ein 
Geist, welcher in jenem Knaben wohnte, bis zu dem Grade, dass 



■o 






o 



Z) 



1) Ein auffallender Ausdruck! 

2) Es ist beachtenswert, dass das Wort Uaa^ in der Unterredung 
mit dem König vorher noch nicht gebraucht ist. 

3) Crucis dominicae. 

4) Man erwartet den Genitiv ).*\j? Ein ähnlicher Ausdruck, wie 
hier, findet sich anderwärts: U^cn r *. ^ *? 1r^-^? ^-»1 ci|Jir:o ^r-^f I 001 
d. h. es war sein Körper und sein Fleisch wie das (der) eines eben gebo- 
renen Knaben. 

5) Der Name Zar(a)dos ist wohl identisch mit ZarädhuSt, Zoroaster. 

6) CB hat .ZjÄ-i4 = unsre Wunde. 

7) Vgl. Luc. 9,38: on [xovoyevr'ig fxoi iouv. 

Q_ 0) 

@1 

-Q O) 



{J Q_ 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö 11 * NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 23 

sie ihn mit zwei Ketten banden 1 ). Der Name jenes Knaben 
aber war Däwai 2 ), und sein Angesicht war sehr schön. Und der 
Apostel Dominus Mari sprach zu ihm: Geh, bring deinen Sohn 
hierher, damit du die Liebe des Herrn Christus gegen ihn sehest. 
Und als jener Knabe hereinkam, schrie er mit lauter Stimme und 
schäumte, uud jener Dämon warf ihn zu Boden, und er war wie 
tot 3 ). Da näherte sich ihm der Apostel Dominus Mari und 
sprach zu jenem Dämon: Dir sage ich, verfluchter Dämon, im 
Namen Jesu Christi, welcher dich herabgestossen hat 4 ) von deiner 
Macht und dich herabstösst 5 ), — fahre aus von dem Gebilde 
Gottes, ohne ihm (dem Knaben) irgendwie zu schaden 6 ). Und 
jener verfluchte Dämon schrie und sprach: Wohin befiehlst du 
mir zu gehen? Spricht der Fromme zu ihm: In den unteren 
Tartarus geh du und dein ganzes Heer! Und jener verfluchte 
Dämon fuhr aus, und er war wie ein finsterer Wirbelwind und 
wurde nicht mehr gefunden. Und jener Knabe stand auf, indem 
er Gott pries. Uud er fiel zu den Füssen des frommen Apostels 
Dominus Mari und küsste sie viele Male. 

X. An jenem Tage wurde der König getauft und alle An- 
gehörigen seines Hauses und Zärdos und sein Sohn Kardäwai 
und alle ihre Verwandten und die Vertrauten (Eunuchen?) 7 ) 
des Königs und alle seine Magnaten. Und wiederum ein 
Oberpriester des Königs, als er die Zeichen und Wunder sah, 
die er that, glaubte auch er und die Angehörigen seines Hauses 
an den Herrn. Und die Götzen, welche er verehrte, stürzte er 



■o 



o 9 



9 'B 



3 ■o 



Q_ 0) 

@1 

-Q O) 

E -E 

s_ C 

a 's 

■a E 



1) Vgl. Mc. 5,4- tftft ovzs äXvaeoiv ovöelq tjövvccto avxbv öfjoac. 

2) Cap. 10 heisst er Kardäwai. 

3) Vgl. Mc. 9,17: xal onov av avxbv xaxaldßy, Qijcosi avxdv, xal 
ä<pQiC>ai. 9,20: neawv inl xfjq yrjq ixvXUxo acpQiQwv. 9,26: iyevexo wq vexQoq. 

4) Vgl. Joh. 12,31: vvv 6 aQ%(ov xov xoa/xov xovxov ixß?.rj&rj- 
asxai e§(o. 

5) Vermutlich liegt hier eine Textverderbnis vor. Vielleicht ist statt 
©cio zu lesen )-*cio — der auch jetzt dich herabstösst. 

6) Vgl. Luc. 4,35: firjdev ßkdxpav avxov. 

7) Die Übersetzung von A : ministri — ist m. E. unzulässig. Für die 

Übersetzung „Eunuchen" kann man sich auf Act. 8, 27. 34. Mat. 19, 12. 

Kalilag und Damnag (ed. Bickell) S. 43. Z. 13 berufen. 1. Petr. 4, 19. 5, 12 
3 ■ M 

ist maxoq (treu) durch ]1Vi »oi^o übersetzt. 



Original from 



Digilized by l^OOglC NE ^ 



{J Q_ 



■^ TD 



CD 



o 



£ 



Z) 



"O 



c 

■r: 0) 



O 



CD 3 
O Q- 



24 Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

um und zerbrach sie und warf ihren Staub in den grossen Zäb 1 ). 
Und die ganze Gegend von Assur und Ninive — er machte sie 
(ihre Bewohner) heimisch beim wahren und preiswürdigen 
Glauben. Denn zahlreich sind die Kraftthaten, welche Dominus 
Mari im Lande der Zäbe gethan hat. Denn kein Mund kann 
erzählen und auch Bücher nicht fassen die Zeichen und Wunder 
und Machtthaten, welche der Herr durch seine Hand that 2 ). 
Denn lasst uns uns nicht wundern, meine Geliebten, und sagen, 
dass er der letzte der Apostel ist. Denn Paulus wurde nach 
allen Aposteln auserwählt. Und dieser war zwar 3 ) seiner Er- 
wählung nach der letzte der Apostel, aber die Gegend, welche 
an ihn gekommen 4 ) (ihm als Provinz zugefallen) ist, zeugt von 
seiner Grösse, der dem Simon Kephas an die Seite gesetzt wird. 
Denn Paulus hat Rom, das Haupt der Städte, evangelisirt. Und 
dieser (Mari) wiederum hat die erste 5 ) der Gegenden 6 ) der ganzen 
Welt gelehrt und zum Glauben an Christus gebracht. 

XL Und der fromme Dominus Mari stieg von dem grossen 
Zäb hinab und ging hinein in ein Dorf, welches B(a)rogia heisst 
und in jenem Landstrich der Zäbe liegt nach der Gegend von 
Arbela, und in ein anderes in jenem Teile des Ostens, Namens 7 ) 
Ra'mses 8 ), und wiederum in ein anderes südlich von ihm, Namens 



1) Die Nachricht ist auffallend, da Arbela nicht am grossen (oberen) 
Zäb lag. 

2) Die Übersetzung von A : quae ope Domini nostri patrabat — würde 
doch die Lesart .i^o? voraussetzen. 

3) So nach Streichung von ? vor oi£^a~p. Will man ? beibehalten, 
so wäre ein Anakoluth anzuerkennen. 

4) Die Übersetzung von A: orbis quem pervadit (pervasit?) — setzt 
m. E. einen andern als den überlieferten Text voraus. 



5) Vielleicht schwebte dem Verfasser hierbei der Gedanke vor, dass 
die Euphrat- und Tigrisländer der Sitz einer uralten Kultur waren. Zu- 
weilen wird die Superiorität des Orients über den Occident daraus abge- 
leitet, dass aus jenem die ersten Christusgläubigen (die Magier) stammten. 



6) Bei dem Pleonasmus I^ÄIä? ]Zc'iZ]) habe ich das erstere Wort 
unübersetzt gelassen. 



7) Auch hier wird V-»i-sÄio zu lesen sein. 

8) Dass dieser mit dem biblischen (Ex. 1,11) cc*3^ lautlich identische 
Ortsname östlich vom Tigris vorgekommen sein sollte, ist durchaus un- 
wahrscheinlich. Eher wäre ein Beth Ra c man begreiflich. 



c 

Q_ CD 

@1 

CD => 
-Q O) 

CD ^ 

E £ 

s_ C 

*i Dioit^edby Google 



Original from 
^ö^ NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



■o 






o 



Die Geschichte des Apostels Dominus Märi. 25 

Wäzik. Und als der Fromme in der Gegend von Arbela ver- 
weilte und Jüngerschaft erwarb, erschien ihm in einer der 
Nächte unser Herr im Gesicht 1 ) und sprach zu ihm: Sende 
deinen Schüler Tömis in das Land Däsan, dass er gehe und sie 
abwende von ihrem Irrtum. Denn sehr hässlich ist ihr Land 
und ihre Anbetungen. Denn einige beten Bäume an und einige 
Steine und Wasserquellen 2 ), bis zu dem Grade, dass sie selbst 
ihre Söhne und ihre Töchter ins Feuer gehen liessen 3 ), wie die 
Einwohner von Assur und Arbela thaten 4 ). Da legte Dominus 
Märi seinem Schüler Tömis die Hand auf und sandte ihn in das 
Land der Däsanäer und das von Zauzän und bis zu dem äusseren 
Armenien und in die Gegenden Mediens. Und dort kam zur 
Ruhe (starb) der fromme Tömis durch den Märtyrertod wegen 
des Herrn Jesus Christus. Es wurde aber der fromme Tömis, der 
Schüler des Dominus Märi, mit der Krone (des Martyrertums) 
geschmückt in dem Lande Gäwar am ersten des Monats Tammuz 
(Juli) an einem Freitag in der dritten Stunde 5 ). Und sein Grab 
ist eine Quelle der Hilfen bis auf den heutigen Tag 6 ). 



1) Vgl. Act. 18,9: ehte de o xvqioq 6l OQaßaxoq iv wxrl zw IlavXw . . 

2) Die Nachricht von einem so primitiven Kult innerhalb eines zum 
alten Assyrien gehörigen Gebietes ist sehr auffallend, da die Assyrier an 
persönliche Götter glaubten. Sollte sie sich hinreichend durch die Annahme 
einer relativen Abgeschlossenheit dieser Gebirgsgegenden erklären lassen? 

3) d. h. als Opfer zu Ehren einer Gottheit verbrannten. Vgl. den 
hebräischen Ausdruck 2. Kön. 23, 10: ^fhvh «sa fea-rin 'iaa-r*« tD*K ^sjrij. 

4) Die Angabe, dass die Assyrier Kinder geopfert hätten, hat durch 
die assyriologische Forschung keinerlei Bestätigung gefunden. Auch gegen- 
über den Persern und Parthern dürfte sie unbegründet sein. 

5) Diese Art der Zeitbestimmung ist beachtenswert. Übrigens hat 
sich über T^ömis nach dem Gewährsmann von A keinerlei Tradition er- 
halten. 

6) Die abergläubische Wertschätzung von angeblichen Reliquien der 
Märtyrer griff im Anfang des 4. Jahrhunderts um sich, wurde damals aber 
von besonnenen Christen als unchristlich verurteilt und mit Kirchenstrafen 



bedroht. Vgl. Neander, K. G. I. 2. S. 514. Den Unfug, der mit den 

O "-M 

CD 5 1 

£ 7 



Gräbern der Märtyrer getrieben wurde, hat Iulianus Apostata treffend als 
einen mit den Schriften der Christen im Widerspruch stehenden gekenn- 
zeichnet: „Ihr habt alles mit Gräbern und Grabmal ern erfüllt, und doch 
ist nichts bei euch (in euren heiligen Schriften) gesagt worden, dass man 
bei den Gräbern sich herumwälzen und sie verehren soll". Neander, K. G. 
I. 2. S. 421. 

■c "ö 
E -E 

s_ C 

1 S Digilized by l^OOglC NEW Y0RK puBUC UBRAR y 

0) 3 
{J Q_ 



Original from 



26 Die Geschichte des Apostels Dominus Märi. 

Und als der fromme Dominus Märi in das Dorf B(a)rogia 
hineingegangen war, machte er einen Mann zum Jünger, den 
Oberpriester (Möbedh) des Königs, welcher dort die Regierung 
führte. Weil er gehört hatte, dass der König zum Jünger ge- 
macht war und alle seine Magnaten, glaubte auch der Oberste 
der Magier selbst und wurde getauft, und mit ihm die ganze Stadt. 

Und er ging hinüber nach Ra'mses und nach Wäzlk und 
gewann sie (die Orte) für das Evangelium durch die Heilung 
(wörtlich: Öffnung) von zwei Blinden, vornehmen Männern, 
welche dort waren. Und er baute dort Kirchen auf den Namen 
der Apostel Petrus und Paulus und Addai. 

* XII. Und von dort brach der Fromme auf nach einer Gegend 
der Finsternis und des Irrtums, der Gegend von Beth Garmai. 
Und zuerst ging er hinein in die Stadt Schahkert (d. h. Königs- 
stadt). Und es war ein götzendienerischer König darin, und er 
war sehr hart und gefürchtet. Und zu der Zeit, als der Fromme 
hinabstieg, brachten sie einem Baume, in welchem der Satan 1 ) 
. wohnte, Verehrung dar und opferten einem Bild aus Erz. Und 
der König Schahgerd 2 ) hatte keinen Sohn, sondern nur eine 
Tochter, Namens Phratia, welche ihm sehr lieb war. Und sie 
wurde von einer harten Krankheit heimgesucht, der Lähmung 
der Glieder, und sie konnte weder etwas thun noch gehen. Und 
der Apostel Dominus Märi ging hinein und die, welche mit ihm 
waren, und Hessen sich gegenüber der Thüre des Königs nieder. 
Und Dominus Märi ging hinzu und klopfte an die Thüre des 
Hauses des Königs. Und es antwortete ihm ein Mädchen und 
sprach: Wer bist du? Spricht der Fromme zu ihr: Offne 3 ) uns 



■o 






cn 



£ 



Z) 



"O 



1) Aus der Erwähnung des Satans könnte man geneigt sein zu schlies- 
sen, dass dem Verfasser der Teufelkult der Jeziden vorschwebe. Doch wird 
im folgenden des Satans kaum mehr gedacht, vielmehr gebraucht der 
König den Ausdruck: „diese unsre Götter", und sein etöcoXetov muss sehr 
reich an Götzenbildern gewesen sein, da vom Heiligen 72 Dämonen aus- 
getrieben werden, von denen doch wohl jeder ein eigenes Bild bewohnt 



hatte. Dem gegenüber nimmt sich auch die an sich wenig besagende Be- 
merkung: „sie opferten einem ehernen Bilde" eigentümlich genug aus. 

2) Wenn die Stadt nach dem König genannt sein sollte, wofür sich 
Analogieen anführen Hessen, — wozu bedurfte es dann der abweichenden 
Schreibung der beiden Namen? 

3) Correct wäre die Schreibung *~*ks> statt wm^, wie A giebt. 

£ in 

■c "ö 

Q_ 0) 

@1 

0) => 
-Q O) 

E -E 

M DioHHdby Google Original fror, 



I * uiguizea oy ^ w£i\. NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



<= .Q 
Ol = 

e> o. 



Die Geschichte des Apostels Dominus Märi. 27 

die Thür, meine Tochter, und nimm von uns dieses wenige Mehl 
und knete und back uns ungesäuertes Brot, damit du an uns 
einen Lohn erwerbest, weil wir von ferne sind und in dieser 
Stadt kein Brot kaufen konnten. Spricht jenes Mädchen zu ihm: 
Ich kann nicht aufstehen und dir öffnen, weil meine Hände und 
Füsse gelähmt sind. Aber die Angehörigen des Hauses sind alle 
hinaus zu den Göttern gegangen, um daselbst zu opfern. Und 
der Fromme hob an und sprach zu ihr: Im Namen unsers Herrn 
Jesu Christi sollen fest werden 1 ) deine Glieder! Und während 
der Mund des erlauchten Dominus Märi redete, wich alle Krank- 
heit von ihr, welche sie hatte. Und sogleich erhob sie sich mit 
Freude und Staunen und öffnete die Thür. Und sie hob an und 
sprach zu ihm: Was soll ich dir thun, o Mann? Der Befehl 
unsers Königs und unsers Reichs befiehlt nämlich, dass an den 
drei Tagen der Götter niemand Feuer anzünde zum Backen. 
Wer aber zuwiderhandelt, den verbrennen sie samt allem, was 
er hat, mit Feuer. Spricht der fromme Dominus Märi zu ihr: 
Fürchte dich nicht; denn es giebt niemand, der euch mit Feuer 
verbrennen kann 2 ). Und als er dies zu ihr gesagt hatte, nahm 
sie von Dominus Märi das Mehl und zündete Feuer an und er- 
hob sich zum Backen. Und auf Betreiben des Satans stieg der 
Rauch über alle Dächer der Stadt, und es sahen ihn die, welche 
mit dem Befehle des Königs betraut waren 3 ). Und sie kamen 
und forschten nach und erkannten, dass man im Hause des 
Königs Feuer angezündet hatte. 

XIII. Und sie kamen und standen vor dem König Schah- 
gerd. Und sie wünschten zu ihm zu sprechen, fürchteten sich 
aber. Er aber, als er sie sah, sprach zu ihnen: Was habt ihr 
zu sagen? Sie sprachen zu ihm: Herr 4 ) König, siehe! Rauch 
steigt aus deinem Palaste auf, wie (der Rauch) eines Ofens. 
Und indem er bedachte, dass niemand in seinem Hause war 
ausser seiner Tochter Phratia, stand er in Erregung und Furcht 

auf und kam mit zehn Magnaten zu seinem Hause. Und sie 

1 ^ 

1) Statt ^o*i-iü wird ,©5?Ä-iJ oder, nach Act. 3, 7. <oj-iJ zu lesen 
«ein. 

2) CB: i-ooLö? * i*n*V? gegenüber von f-ooio (A). 

3) d. h. darüber zu wachen hatten, dass dem Befehle nachgekommen 
werde. 

4) CB ^ statt ^ (A). 

@-E 



■^ TD 

CL P- 



^ CD 



o 



9 ^ 



£ 



03 => 

-Q O) 

E ■<= 

s_ C 

a 's 

■a E 



Original from 



Digilized by l^OOglC NE ^ 



{J Q_ 



28 Die Geschichte des Apostels Dominus Märi. 

gingen erschreckt mit ihm hinein. Und sogleich liefen sie zum 
Ofen und sahen seine Tochter, welche von jeher nicht gehen 
konnte, am Ofen stehen und den frommen Dominus Mari dort 
sitzen. Und der König verwunderte sich eine Weile, hob an 
und sprach zu dem Frommen: Was bist du? Spricht Dominus 
Mari zu ihm: Ich bin ein Mensch, ein Diener des lebendigen 
Gottes. Spricht der König zu ihm: Und wer hat diesem Mäd- 
chen die Gesundheit geschenkt und ihm Kraft gegeben, was 
unsre Götter nicht thun konnten? Hob der fromme Dominus 
Mari an und sprach zu ihm: Christus, den ich verehre *), hat der 
Tochter 2 ) des Königs Heilung geschenkt. Spricht der König zu 
ihm: Und wer ist dieser Christus, von dem du redest? Spricht 
der Fromme zu ihm: Der Sohn des erhabenen, lebendigen Gottes, 
des Schöpfers von Himmel und Erde samt allen Creaturen. Und 
der König sprach zu ihm: Und diese unsre Götter — weshalb 
geben sie der Kranken nicht Gesundheit? Spricht der Fromme 
zu ihm: Weil sie keine Götter, sondern Götzen und Bilder sind; 
und es wohnen Dämonen in ihnen und fuhren die Menschen irre, 
dass sie den lebendigen und wahren Gott nicht kennen lernen. 
Und der König ward zornig, als er zu ihm sagte: Ihr betet 
Dämonen an. Und er ergriff den Frommen und führte ihn zu 
jenem Hause der Götzen , wo alle Einwohner der Stadt ver- 
sammelt waren. Und der König sprach zum Frommen: Wenn 
dein Gott besser ist, als diese Götter — und du hast gesagt, 
dass er nicht gesehen wird und im Himmel wohnt und Kraft- 
thaten und Zeichen thut 3 ) — so geh hinein und treibe diesen 
Dämon 4 ) heraus, von dem du gesprochen hast, damit ich ihn 5 ) 
sehe und glaube an deinen Gott. Hob der Fromme an und 
sprach zum Könige: Beruht auf Wahrheit dies Wort? 6 ) Glaubst 



■^ TD 

CL P- 



1) Statt U^a ist ]j| ^l^s oder i-Vü^* zu lesen. 

2) CB hat ciZi-al. statt U?^ (A). 

3) Dies ist im vorhergehenden nicht berichtet. 

4) Merkwürdiger Weise ist hier nur von einem Dämon die Rede. 

"cd .9 1 

5) „Ihn" kann sich auf den Dämon beziehen. Der Verfasser nimmt 
es aber wohl vom Gott des Mari und will sagen: „damit ich daraus die 



6) A giebt HSv > übersetzt aber |&1^£. 



£ 7 

O- Ol 

"-' o 

Kraft deines Gottes erkenne" 

C w 
O $> 

CO {B 

£ tn 

■c "ö 

Q_ 0) 

@1 

-Q O) 

E -E 

s_ C 

a 's 

■a E 



Original from 



Digilized by l^OOglC NE ^ 



{J Q_ 



■^ TD 

ö- s- 



^ CD 



"5 £ 

£ LH 

■C "ö 

Q_ <U 

@1 

-Q 0) 

E -E 

s_ C 

a 's 

-o E 



CU 3 
{J Q_ 



Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 29 

du, wenn ich ihn dir heraufbringe 1 ), an Christus? Spricht der 
König zu ihm: Gewiss. 

XIV. Und der Fromme rief seinen Schüler Ada und sprach 
zu ihm: Geh hinein, treibe mir heraus diesen verfluchten Ver- 
führer, der in diesen Bildern wohnt, ihn und alle seine Genossen. 
Und Ada ging hinein nach dem Befehl des frommen Dominus 
Mari und sprach zu jenen Dämonen: So spricht Dominus Mari, 
der Apostel Jesu Christi: Ihr habt 2 ) nicht Macht bei (nach) 

dem lebendigen Wort des Herrn Jesus Christus s ) 4 ), 

sondern gehet vor ihnen allen heraus in jener hässlichen Gestalt! 
Und sie gingen heraus unter verschiedenen Gestalten, des Viehs 
und des unreinen Gewürms, sowohl vor dem König, als auch 
vor allen denen, welche dort versammelt waren. Und sie waren 
zwei und siebenzig an Zahl. Und sie schrieen und heulten und 
sprachen: Wehe uns deinetwegen, Sohn der Maria. Siehe! du 
hast die ganze Erde mit deiner Lehre angefüllt und du hast 
nicht geruht 5 ), bis du uns aus der Wüste und den öden Orten 
vertriebest. 6 ) Wohin wir jetzt gehen sollen, wissen wir nicht. 
Und der fromme Dominus Mari rief ihnen zu und sprach zu 
ihnen: Ihr habt ferner nicht Macht bei (nach) dem Wort unsers 
Herrn, eure Stimme vor uns hören zu lassen. Gehet in eure 
Feuer-Gehenna 7 ), welche euch und euren Anbetern bereitet ist. 
Und als der König dies hörte, fiel eine grosse Furcht auf ihn, 
und er lief zu dem frommen Dominus Mari und fiel auf seine 
Kniee nieder, bezeigte ihm Verehrung {jigoO£xvp?joa) und sprach: 



1) Statt s nfflSn stand vielleicht ursprünglich > n^Sn = wenn ich ihn 
dir austreibe. 

2) Die prohibitive Fassung von A (ne praevaleatis) würde .oooiZ |^ 
voraussetzen. 

3) ) üi aSp ist bei CB ohne Abkürzung geschrieben, wie auch unmittel- 
bar nachher, 

4) Es will mir scheinen, dass hier eine Bestimmung darüber ausge- 
fallen ist, wozu die Dämonen keine Macht haben, So urteile ich nach dem 
weiter unten folgenden ähnlichen Ausdruck. Vielleicht hatte dieselbe auf 

CU 



die Versammelten Bezug (etwa: dass ihr diese nicht fernerhin irre führt), 
weil der Verfasser fortfährt: sondern gehet vor ihnen allen heraus. 



o 

5) Wörtlich: Es hat dir nicht genügt. 



6) Vgl. Mc. 1, 24: ea, xl tj/ilv xal ooi . . . rjk&sg drcokeaai r\yiaq, 

7) Wörtlich: die Gehenna eures Feuers. 



Original from 



Digilized by l^OOglC NE ^ 



30 Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

Gross ist Christus, unser Gott, und wir haben ferner keinen (Gott) 
ausser ihm. Und es befahl unser Vater, der Apostel Dominus 
Mari, den Dämonen, dass sie in den Abgrund 1 ) gingen, den 
Konig aber und die Stadt taufte er im Namen des Vaters und 
des Sohnes und des heiligen Geistes. Und jenen Ofen des Hauses 
des Königs gruben sie aus bis zum Wasser 2 ), und der fromme 
Dominus Mari baute eine Kirche. Und über 3 ) jenem Ofen, welchen 
sie zu einem Brunnen gemacht hatten, baute er ein Baptiste- 
rium. Und der Brunnen ist nach dem Zeugnis einiger bis auf 
den heutigen Tag ein Baptisterium, und grosse Zeichen werden 
von jenem Wasser gewirkt. 

XV. Und er zog von dort aus in die Gegend von Dara- 
bar 4 ), und es war Sommerszeit. Und da der Fromme und seine 
Begleiter von der Hitze des Weges müde waren, suchte er einen 
Ort, damit er sich setzte und ausruhte. Und er fand ausserhalb 
einer Stadt (eines Dorfes) einen Ort, welcher Gläla hiess, d. i. 
Wasserquelle 5 ). Und sie machten dort Halt an dem Wasser. 
Und über jener Quelle war ein Feigenbaum, und die Einwohner 
jener Gegend beteten ihn an. Und er trug Früchte und war 
sehr schön. Aber niemand konnte von seinen Früchten 6 ) essen 
wegen eines Dämons, welcher in ihm wohnte; und jeden, der 
von den Früchten jenes Feigenbaums ass, überschütteten jene 
Dämonen mit Steinen. Und als der Tag kühl geworden war, 
stieg der Fromme hinauf, um zu sehen, wie weit er von der 
(einer) Stadt entfernt sei. Und er blickte umher und sah. Und 
siehe! da lag ein vierzehnjähriger Knabe hingestreckt und tot 7 ). 
Und der Fromme fasste jenen Knaben bei seiner Hand und 



Z) 



1) Vgl, Luc. 8,31: xal naQBxdkei avzov, a tva firi inizdgß avzolq sig 
xr\v äßvoaov äneX&BZv. 

2) d. h. bis sie auf Wasser stiessen. 

3) Nach der Emendation von A. 

4) Oder ist statt i-^hj zu lesen f^l'? Darabädh = Anlage des Darius? 

5) Die Erklärung von Gläla durch „Wasserquelle 1 * wird von den 
Lexicographen nicht bestätigt. Nach diesen ist gläla ein von einem Giess- 

■r- Q) 



B bach durchflossenes Thal, ein Wadi, oder auch*= torrens, fluvius. 

6) Statt a\*>b\& wie A giebt, ist cu-Vls zu lesen. 

7) CB giebt statt £**£* zwar L*£c, doch ist das wohl ein Schreibfehler. 



o 

=5 O 
Q) 

C 

£ tn 

■c "ö 

Q_ 0) 

@1 

-Q O) 

E -E 

s_ C 

*i Dioit^edby Google 



Original from 
^ö 1% NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



{J Q_ 



■o 



(J u 



o 



£ 



Die Geschichte des Apostels Dominus Maxi. 31 

sprach zu ihm: Knabe 1 ), es erweckt dich Jesus Christus 2 ), Und 
sogleich erhob sich jener Knabe und bezeigte dem frommen 
Dominus Mari fussfällig Verehrung. Und der fromme Dominus 
Mari fragte ihn und sprach zu ihm: Wer hat dich getötet, mein 
Sohn, und dich in diese Wüste geworfen? Spricht jener Knabe 
zu ihm: Ich näherte mich dem Hause dieses unsere Gottes, da- 
mit ich von seinen Früchten ässe. Da erhoben sich wider mich 
seine Heerführer (Fürsten, Gewaltigen) und überschütteten mich 
mit Steinen und töteten mich. Und der Fromme wendete sich 
zu jenem Feigenbaum und sprach zu jenen Dämonen: ihr 
Verbrecherischen, weshalb führt ihr die Menschen irre und tötet 3 ) 
sie? Deshalb sage ich euch: Es ist euch nicht erlaubt bei (nach) 
dem lebendigen Wort Gottes auf diesem Baume zu bleiben und 
nicht an diesem Orte. Und er schickte sie von dort zum Nil- 
Fluss 4 ), und jenen Feigenbaum verfluchte er, und er wurde mit 
Stumpf und Stiel ausgerissen. Und der Fromme erhob sich von 
dort und ging hinein 5 ) und übernachtete ausserhalb des Dorfes 
(der Stadt) in seiner Umgebung 6 ). Und in eben dieser Nacht 
erhoben jene Dämonen ihre Stimme und sprachen: Cherbath 
Gläl, cherbath Gläl 7 ). Siehe, wir ziehen fort. Und es hörten 
es alle Einwohner des Dorfs, und es wurde auch im Hause des 
Königs gehört 8 ). 



1) Statt U^ .01^ (A) giebt CB J-*i^> <jl^. 

2) U'^V ist im CB ohne Abkürzung geschrieben. 

3) Occidistis (A) ist wohl nur ein Druckfehler. 

4) Nach A, welcher sich auf Ritter XI 783. 911 bezieht, hatten zwei 
Kanäle nahe bei den Ruinen von Babylon diesen Namen. 

5) Statt Vi* = introiit würde man eher V|| = abiit, profectus est 
erwarten. 

6) Die Übersetzung von A: extra oppidum et extra confinia ejus würde 
m. E. nur zulässig sein, wenn der Text lautete: ^o ]b^' r o ^c i-^ 

7) Die Punktation in CB: £-ä^ legt die Übersetzung: „Verwüstet 
ist Gläl" nahe, obwohl dann das Verbum im Geschlecht nicht mit dem 

C N 

Substantivum übereinstimmen würde, da INN^ als gener. inasc. aufgeführt 
wird. Übrigens ist das Ganze natürlich nur ein Versuch, die Entstehung 
des Ortsnamens Cherbath oder Charbat Gläl zu erklären — ähnlich den 
etymologischen Mythen des A.T. 

8) Die Übersetzung von A: et relatum hoc quoque fuit apud regem — 
scheint mir nicht das wiederzugeben, was der Verfasser meint. 



£ tn 

■c "ö 

@1 

-Q O) 

E -E 

M Dinili.edby G00gie Original fror, 



I * uiguizea oy ^ w£i\. NEW YORK PUBLIC LIBRARY 






Z) 



"O 



O Q- 



32 Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

XVI. Bei Tagesanbruch aber schickte der fromme Dominus 
Mari seinen Schüler Ada, dass er hinein auf den Markt 1 ) ginge 
und Brot kaufte. Und Ada ging hinein und verzögerte sich 
daselbst. Und Dominus Mari und seine Begleiter standen auf 
und folgten ihm. Und sie fanden ihn gegenüber der Thüre des 
Königs Adar sitzen. Und Onesimus, einer von den Schülern 2 ) 
des Frommen, hob an und sprach zu ihm: Weshalb sitzest du 
hier? Hast du dich nicht gefürchtet und bist erschrocken vor 
dem Befehle unseres Meisters, dass du von der Dämmerung an 
bis jetzt dich von ihm entfernt hast, und es dir nicht gut ge- 
schienen hat zurückzukehren? Hob Ada an und sprach: Ver- 
zeiht mir! Als ich den Markt betrat, fand ich auf ihm kein 
Brot. Und es sah mich ein Weib und sprach zu mir: Komm 
mit mir und nimm, was du verlangst. Und sie ist in dieses 
Haus hineingegangen, und siehe, ich warte auf sie. Und während 
sie redeten 3 ), siehe, da kam jenes Weib heraus und brachte 4 ) 
Brot. Und der fromme Dominus Mari fragte sie und sprach zu 
ihr: Wessen ist dieser Palast? Und sie hob an und sprach zu 
ihm: Das ist die Wohnung unsers Königs. Und während sie 
redeten 5 ), siehe, da führten sie die Tochter des Königs aus dem 
Haus in ein anderes 6 ), und Diener hielten sie zur Rechten und 



1) Gemeint ist der Markt von Darabädh 



2) Cap. 7 ist derselbe „Presbyter" genannt. 

3) Die Übersetzung von A: eoque haec loquente — ist mir unver- 
ständlich. 

4) Wörtlich: und mit ihm Brot. 

5) Auch hier übersetzt A: dum haec diceret. 

6) Der Ausdruck: „Sie führten die Tochter des Königs aus dem (einem) 
Haus in ein anderes", sowie der Umstand, dass der Jagd des Königs ge- 
dacht wird, erinnert mich an das, was Neander K. G. I. 2. S. 470 nach 
Rufin und Moses von Chorene über den Anfang der Bekehrung der Iberier, 
eines nördlich an Armenien grenzenden Volks, berichtet. Es traf sich, dass 
ein krank gewordenes Kind nach der Sitte des Volkes von einem Hause 
zum andern getragen wurde, damit jeder, der ein Heilmittel gegen die 



Krankheit wüsste, es angeben sollte. Dies Kind wurde durch das Gebet 
einer Christin geheilt, und auch die Königin fand, als sie in eine schwere 
Krankheit verfiel, durch ebendieselbe Heilung. Dies machte auf den König 
zunächst weiter keinen Eindruck. Als ihn aber nachher auf der Jagd ein 
finsteres Nebelwetter überraschte u. s. w. Wie verschieden auch der Be- 
rieht unsers Verfassers von dem citirten ist, so lässt sich doch die Frage 

£ tn 

■c "ö 

Q_ 0) 

@1 

0) => 
-Q O) 

E -E 

*! Dicili^dby G00gle Original from 



aufwerfen, ob möglicherweise ein Zusammenhang zwischen beiden bestehe. 



I * uiguizea oy ^ w£i\. NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 33 

zur Linken. Spricht der Fromme zu ihnen: Welches ist das 
Befinden dieser Jungfrau (was fehlt dieser Jungfrau)? Sprechen 
ihre Diener zu ihm: An dieser Krankheit liegt sie viele Jahre 
darnieder. Und als der Fromme sie sah, jammerte ihn ihrer, 
und er hob an und sprach zu ihr: Mägdlein, ich sage dir: im 
Namen Jesu Christi, des Nazarenes, stehe auf deinen Füssen! 
Und während er redete, wurden ihre Ffisse und alle ihre Glieder 
fest. 1 ) Und das Mägdlein (Töchterchen) kam und fiel zu den 
Füssen des Frommen und küsste sie 2 ) zu vielen Malen. Der 
König aber, ihr Vater, war auf der Jagd. Und ein Bote ging 
ihm nach und sprach zu ihm: Du weisst nicht, 3 ) dass Gott dir 
heute grosse Freude bereitet hat. Spricht er zu ihnen: Was (ist 
es)? Sprechen sie zu ihm: Ein Mann mit feuerglänzendem 

Äussern — durch das Wort aus seinem Munde ist deine Tochter 

00 

von allen ihren Schmerzen befreit worden. Und sogleich stand 
er auf und kehrte mit ihnen zurück. Und er näherte sich der 
Thüre und sah den Frommen und seine Tochter und viel Volk 
dort sitzen. Und er befahl, und der Fromme ging zu ihm hin- 
ein. Und er fragte ihn und sprach zu ihm: Was bist du, ein 
Gott oder ein Mensch? Spricht der fromme Dominus Mari zu 
ihm: Ich bin nicht Gott, mein Herr König, sondern ich bin ein 
Mensch, der Diener des lebendigen Gottes. Spricht der König 
zu ihm: Und was ist eure Lehre, und welche Götter verehrt ihr, 
dass diese Wunder und Heilungen durch sie vollbracht werden? 
Spricht der Apostel Dominus Mari zu ihm: Unsre Lehre und 
unser Bekenntnis lautet: Wir sind Christen und verehren 
Christus, den Sohn Gottes, und in seinem Namen thun wir 
dieses. Und sogleich befahl der König, dass alle Kranken der 
Stadt zu ihm versammelt würden, und er bat den Frommen, dass 
er vor ihm und seinen Magnaten Zeichen thaete, damit der Glaube 
an Christus mehr bei ihm befestigt würde. Und als die Kranken 
und die Gesunden versammelt waren, Männer und Frauen und 
Kinder, und das ganze Volk in seiner Gesamtheit, damit sie die 






o 



Z) 



CD 
C N 
O -m 



1) A: confirmavit — als wenn er das Pael läse. Doch ist i-^, für 
welches man höchstens ^yjfc erwarten könnte, ganz passend. 

2) A schwächt die Wortbedeutung ab, indem er amplectens übersetzt. 
Vgl. jedoch Luc. 7, 38: *oia2^9 Zoa )n » 1Sn 

3) A übersetzt in der Frageform: Weisst du nicht? 
Raabe, Dominus Mari. 3 

@| 

-Q O) 

E ■<= 

s_ C 

*i Dioit^edby Google 



Original from 
^ö 1% NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



{J Q_ 



-o 

Q. 



Z) 



o 



C w 

o $> 

tu iS 

£ LH 

■C "ö 

Q. CU 

@1 

-Q 0) 



CU 3 
O Q- 



34 Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

Wunder und Kraftthaten sähen, welche durch die Hände des 
Frommen geschahen, — da entliess der fromme Dominus Mari 
im Namen Jesu, des Nazareners, alle Geschlagenen (Geplagten) 
als Gesunde. Und sie schrieen vor dem Könige und sprachen: 
Gross ist der Gott, den dieser lehrt, vor allen Göttern und er ist 
allein Gott im Himmel und auf Erden. 

XVII. Und an jenem Tage wurde jene Stadt für das Evan- 
gelium gewonnen samt dem Könige Adar. .Und der Fromme 
Hess den Ada in der Gegend von Darabädh zurück, er selbst 
aber, der fromme Dominus Mari, und seine Begleiter gingen in 
das Land der Perser. 1 ) Und in jenem Lande gewann er eine 
grosse Jüngerschaft. Denn 2 ) dieses andere Reich der Perser, 
welches sein Ende durch Ardeschir 3 ) nahm, hatte noch nicht den 
Anfang genommen. Die Städte aber und Landschaften von 
Babylonien und Persien füllten viele kleine Könige (reguli) an, 
die Landschaft von Babel aber die Parther, welche ihrerseits das 
Oberregiment (über die Kleinkönige) hatten. Es war aber da- 
mals [zu jener Zeit] in Babylonien Aphrahat, der Sohn des 
Parthers Aphrahat 4 ), König, in Seleucia und in Ktesiphon, welche 
zum Aramäerlande 5 ) gehörten. Denn G ) sie (diese Städte) waren 



1) Ich weiss nicht, welche Gegend mit diesem Ausdruck gemeint ist. 
Etwa das östlich von dem zuletzt beschriebenen Arbeitsfeld des Mari ge- 
legene Medien? Jedenfalls war diese durch }«a.iö*-s> ]bz] bezeichnete 

_C CD ° • 

Gegend verschieden von der cap. 31 J-iJttj^ £*^s genannten. Denn in letz- 
terem cap. wird mit keinem Worte angedeutet, dass der Heilige schon 
früher diese Landschaft besucht habe. Übrigens ist mir die ganze Angabe 
problematisch, zumal da der Verfasser über diesen angeblichen Aufenthalt 
des Apostels im Perserlande weiter nichts zu sagen weiss als: „Daselbst 
gewann er viele Jünger". 

2) Was begründet dies „denn"? 

3) Der Verfasser verwechselt Ardeschir mit Jezdegerd. 

4) Der aus den Annalen des Tacitus (VI 31. 32) bekannte Pbrahates, 
Sohn des Phrahates, der um das Jahr 35 gestorben ist, bevor er zur Re- 
gierung kam, kann für die Missionsreise des Mari nicht in Frage kommen, 



Ein anderer aber ist historisch nicht beglaubigt. 

5) So hiess die Gegend, in welcher Seleucia und Ktesiphon lagen. 
Vgl. Noeldeke, Geschichte der Perser und Araber zur Zeit der Sasaniden, 



aus Tabari S. 15. 



ü) Dies soll wohl den Grund dafür angeben, dass die parthischen 
Grosskönige in Ktesiphon residirten. 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö llfc NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 35 

zu jener Zeit sehr reich, bevor Räuber 1 ) das erste Seleucia ver- 
wüsteten. 

XVIIL Aber nach der Rückkehr des frommen Dominus 
Mari in die Gegenden der Syrer 2 ) stieg er auch hinab in das 
Aramäerland, zuerst in die Gegend von Radan 3 ). Und er ging 
zuerst in ein Dorf hinein, welches Abad 4 ) hiess, und machte 
dort einen Mann zum Jünger, das Haupt des Orts, den Besitzer 
vieler Schätze, Namens Lakna, ihn und sein ganzes Haus. Und 
um seinetwillen traten viele Verwandte und Einwohner des Orts 
und Fremdlinge (Ansiedler) desselben zur Verehrung Gottes 
hinzu. Und in allen Dörfern desselben, 5 ) welche oberhalb von 
Seleucia und Ktesiphon waren, und in den übrigen Dörfern 
von Radan baute er 6 ) Kirchen und Klöster für die Gläubigen 
darin, deren Zahl, wie überliefert wird, 365 betrag 7 ). Und siehe! 
sein Gedächtnis wird in ihnen allen bis auf den heutigen Tag 
gepflegt. Und nachdem er die Radanäer in der Verehrung Gottes 
(in dem Glauben an Gott) befestigt und ihnen Presbyter und 
Diakonen gesetzt hatte, schloss sich ihm einer von den Söhnen 
jenes Lakna an, Namens 8 ), mit vielen andern. 

XIX. Und sie stiegen nach der Stadt Slek (Seleucia) hinab, 
welche am Deklath (Tigris) liegt. Weil aber noch kein Christen- 
tum an dem Orte war 9 ), fand sich auch niemand, der sie um 



1) Die Verwüster der Stadt waren in erster Linie die Römer. 

|_ LO 

2) Der Verfasser scheint mit „Syrerland" das eigentliche Assyrien be- 
zeichnen zu wollen. 

3) Nach CB wäre Redan zu schreiben. Doch ist die Punktation der 
Eigennamen in dieser Handschrift mangelhaft. 

4) Vor Abädh ist vielleicht der Name eines Königs ausgefallen, als 
dessen Anlage die Stadt bezeichnet wurde. 

5) Demnach war Lakna ein Grossgrundbesitzer. 

6) Der Erbauer ist Märi, nicht, wie Mari Salomonis nach A S. 11 auä 
Missverständnis unsrer Stelle annimmt, Lakna (von ihm Helkana genannt). 

7) Eine erstaunliche Zahl von Kirchen und Klöstern für das Gebiet 
von Radan! 

O- Ol 

"-" o 

=5 O 

TD (J 

<L> . 

C w 

9 S 



cn 



8) CB: loci ai^GL^j }.1 ,n,\ 001?. Der Name scheint ausgefallen zu 
sein. A übersetzt: „einer von den Söhnen jenes, welcher Lakna hiess. 
Dies würde m. E. den Text voraussetzen: | l n\ loci oilo**,? 001 j 

9) CB hat richtig ^©<n gegenüber von loci, was A giebt. 

q* 

@1 3 

-Q O) 

E -E 

s_ C 

■a E 



Original from 



Digilized by l^OOglC NE ^ 



{J Q_ 



-o 

Q. 



cn 



Z) 



"O 



Q_ 0) 

0) ^ 



O Q- 



3ß Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

Gottes willen in sein Hans aufnahm, sondern der Fromme und 
seine Begleiter mieteten ein Haus und wohnten darin. Und die 
Einwohner von Slek waren 1 ) böse, götzendienerische Menschen. 
Und Dominus Mari durchzog ganz Slek, aber niemand wurde 
von ihm zum Jünger gemacht. Und er sah, dass sie nichts 
anderem ergeben 2 ) w T aren als dem Essen und Trinken* und der 
Trunkenheit. :i ) Und bevor sie noch den Wein des vorigen Tages 
abgeschüttelt hatten 4 ) (d. h. nüchtern geworden waren), tranken 
sie im voraus für den anderen Tag. Und er hatte keine Ge- 
legenheit, bei ihnen das Wort Gottes zu verkündigen, weil sie 
zu jeder Zeit betranken gefunden wurden. Und als er sah, dass 
er niemand zum Jünger machte, schrieb er einen Brief und 
schickte ihn an die Apostel, seine Genossen 5 ), nach dem Lande 
Beth Naharin (Land der Ströme) in die Stadt Orhäi. Er schrieb 
aber so: Dieses Land ), in welches ihr mich geschickt habt, ist 
ein böses Land und voll von Dornen. Und seine Einwohner 
sind stolz und hart, und ich kann sie nicht beackern und besäen. 
Und jetzt werde ich, wenn ihr es mir befehlt, zu euch kommen 
oder in eine andere Gegend gehen. Die Apostel aber berieten 
und fassten einen richtigen Beschluss. Es lag ihnen") am Leben 
der Einwohner der Stadt, dass sie nicht zu Grunde gingen. Und 



1) ©cci fehlt zwar ira CB, doch ist es für ursprünglich zu halten. 

2) Wörtlich: beschäftigt waren mit . . . 

3) Diese Notiz und die weiter unten folgende Schilderung der Con- 
vivien in Seleucia erinnert an eine von Noeldeke in der oben citirten Ge- 
schichte der Perser und Araber . . . aus Tabari S. 9S wiedergegebene Nach- 
richt, dass Bahram (um 420) seinen Unterthanen geradezu geboten haben 
soll, nur den halben Tag zu arbeiten, die andere Tageshälfte mit Musik 
und andern Vergnügungen hinzubringen. 

4) Die Lesart loci ^aj scheint mir corrupt zu sein. Ich würde eine 
passive Form, sei es ^ aJ oder jsJ-^l erwarten, oder aber ccoi o^aJL 

5) Was denkt sich wohl der Verfasser bei diesem Ausdruck? 



G) Die Erwähnung der Dornen und die Ausdrücke „beackern, besäen" 
würden die Übersetzung „Acker, Boden" empfehlen. Andrerseits hat ein 
Acker keine Einwohner. Der Verfasser vermischt verschiedene Vorstellungen. 



7) Wenn die Lesart richtig ist, so wäre das gewöhnlich unpersönlich 

"ö {j 

gebrauchte ^^JucZ] hier persönlich construirt. Statt .cgi^ q^vjdzI^ 
3 ■ M 

was A giebt, hat CB <ooi^> oX^Zl. 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö llfc NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



^ CD 



o 



Die Geschichte des Apostels Dominus Märi. 37 

sie schrieben einen Brief an den heiligen Dominus Märi, und es 
hiess in ihm so: Es ist dir nicht erlaubt hierher zu kommen 
oder in eine andere Gegend zu gehen, bis du die Höhe jener 
Berge und des Gipfels der Höhen 1 ) erstiegen und sie einge- 
nommen und bearbeitet und besät haben wirst und Früchte in die 
Scheuer 2 ) bringst. Und als der fromme Dominus Märi sah, dass 
es ftir ihn keine Möglichkeit gab, irgend wohin zu gehen, erwog 
er in seinem Sinn, was er thun solle. Es waren aber in Slek 
drei (Trink-) Gesellschaften 3 ), eine der Alten und eine der Jungen 
und eine der Jüngsten (Knaben). Denn so haben sie ihre Ge- 
sellschaften (Gelage) geordnet. Und der Fromme entschloss sich 
dazu, sich als Gegner 4 ) in die Gesellschaft der Alten hineinzu- 
begeben, „damit ich, wenn es möglich ist, von jetzt an ihre 
Seelen erjage". Und er ging zu ihnen, und sie Hessen ihn sich 
zu unterst von ihnen allen legen, weil sie sagteu: Er ist ein 
Fremder. Und täglich genoss er mit ihnen Gesang und Freude. 
XX. Und nach kurzer Zeit erkrankte der Älteste (Vorsitzende) 
der Gesellschaft und er hatte schon über sein Haus verfügt, wem 
die Erbschaft gehören sollte, und sie hatten schon alles für 
sein Begräbnis Erforderliche vorbereitet. 5 ) Und die ganze Stadt 



1) Dieser Ausdruck ist seltsam. Märi soll Seleucia nicht verlassen, 
bevor er die Höhe jener Berge und des Gipfels der Höhen erstiegen und 
sie eingenommen hat. Danach müsste man annehmen, dass „Höhe der 
Berge, Gipfel der Höhen'* bildlich gemeint seien, und dass gesagt sein 
«olle: „bevor du die dir entgegenstehenden Schwierigkeiten überwunden 
hast". Indessen stimmen dazu nicht die Ausdrücke „beackern, besäen", 
welche zeigen, dass die Höhe| im eigentlichen Sinne gemeint sind. Um 
diese aber zu besäen, musste Märi gerade Seleucia verlassen. 

2) Die überlieferten Lesarten l&NNsS (= Ernteertrag) und |& NNs ^ 
(CB) scheinen mir nicht passend zu sein. Vielleicht stand ursprünglich 
]LN\s & iiS, Auf dieser Vermutung basirt meine Übersetzung. 

o £ 

3) In der Philoxeniana wird ov(jm6aiov durch l^as wiederge- 
geben. Ansprechend ist die Zusammenstellung von J^os mit assyrischem 
puhru = Versammlung. 

4) Der Verfasser hat das Gefühl, dass ein Apostel an den geschilderten 
Gelagen nur als Bekämpfer solcher Veranstaltungen teilnehmen könne. 
Doch entschwindet ihm dieser Gesichtspunkt < wieder, da Märi im folgenden 
nichts zur Bekämpfung dieser Gelage sagt oder thut. 

5) Dies ist gewiss eine Erfindung des Verfassers, da es dem mensch- 



0) 
O- Qi 

"-" o 

=5 O 

TD (J 

CD . 

C w 

O ^ 

liehen Gefühle widerstrebt, schon vor erfolgtem Tode Zurüstungen für das 

■C "ö 

@1 

-Q O) 



Begräbnis zu machen. 



{J Q_ 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö 11 * NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



■^ TD 

ö- s- 






o 



o ±J 



O 



O Q- 



38 Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

kam, ihn zu besuchen. Und als die Menge, welche ihn besuchte, 
herausgegangen war, ging auch der fromme Dominus Mari hinein 
und besuchte ihn. Und da die Krankheit schon einen hohen 
Grad erreicht hatte 1 ), spricht der fromme Dominus Mari zu ihm: 
Ich werde meine Hand auf dich legen im Namen des wahren 
Gottes, und du wirst gesund. Und jener Mann konnte nicht 
reden, weil er dem Sterben nahe war. Und Dominus Mari stand 
auf und legte die Hand auf ihn im Namen des Herrn Jesu 
Christi. Und zu eben jener Zeit sah jener kranke Mann, dass der 
Himmel sich Öffnete, und er sah, dass ein Mann herabstieg in 
der Gestalt des frommen Dominus Mari, ihn mit seiner Hand er- 
fasste und aufrichtete. 2 ) Und augenblicklich wurde jener Mann 
gesund und stand von seinem Bett auf. Zu jener Zeit redete 
der fromme Dominus Mari mit ihm und sprach zu ihm: Werde 
Christ! Spricht jener Mann zu ihm: Und was ist das Christen- 
tum? Du fuhrst einen neuen Gott in die Welt ein. Und Dominus 
Mari sprach zu ihm: Es ist nicht ein neuer Gott, denn er ist 
von Anfang her und steht in Ewigkeit fest. Und er hat Himmel 
und Erde gemacht und die Meere und alles, was in ihnen ist. 
Und er wird nicht erforscht und nicht erfasst. Und der Sohn, 
welcher von ihm ist, ist aus seiner Natur geboren (gezeugt), 
und seine Zeugung wird von Menschen nicht erforscht und nicht 
begriffen. Denn er ist der Abglanz (Glanz) seiner Gottheit, und 
er hat ihn in die Welt gesandt, damit sie (die Menschen) durch 
ihn seinen Vater kennen lernten. 3 ) Und durch einen heiligen 
Geist, welcher durch die Propheten geredet hat, (geschieht) die 
ewige Erlösung. Und (es sind) drei wirkliche Personen, welche 
in allem gleich sind, und sie umfassen alles Sichtbare und alles 
Unsichtbare, und sie vermögen alles und richten das All. Dies 
also ist 4 ) die Erlösung der Christen, und im Namen dieses 
(Christi) thun wir alles und heilen wir die Kranken und treiben 
wir die bösen Geister von den Menschen aus. Da sprach jener 



1) Wörtlich: Da er schon sehr in die Krankheit hineingeraten (ge- 



fallen) war. 



2) Erinnert an Act. 9, 12: xal elöev iv oQÜ^azi avÖQa. ovo pari 
lAvavlav sloek&ovxa xul imüevra aivol %mq(x. 



3) A übersetzt sehr frei: ut eum (sc. mundum) reconciliaret patri 
suo per semet ipsum. 

4) Statt ooi jJai hat CB die Schreibung qJoi. 



Q_ 0) 

@1 

-Q O) 

E 1 

M Dioit^edby Google 



Original from 
^ö 11 * NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 39 

Mann zu dem Frommen: Hat Gott eine Frau genommen und ist 
ihm von ihr ein Sohn geworden? Und Dominus Mari sprach 
zu ihm: Die erste Zeugung des Sohnes Gottes geschah nicht von 
(mit) einer Frau, sondern er ist gezeugt worden aus der Natur 
(dem Wesen) des Vaters, (als) Kraft und Weisheit. Er ist 
wahrer Gott; der Sohn Gottes und zugleich wahrer Gott. 1 ) Und 
zu jener Zeit glaubte das Haupt der Gesellschaft den Worten 
des frommen Dominus Märi, und er (Mari) machte ihn zum 
Jünger und die Angehörigen seines Hauses. Und er taufte sie 
im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. 
Und jener Mann stand auf und ging in seine Gesellschaft und 
war daselbst, wie vordem. 

XXI. Und kurze Zeit darauf wiederum erkrankte auch der 
Erste der Würde 2 ) (der erste Würdenträger) bis zum Tode, wie 
sein Genosse. ,Und in derselben Weise ging der fromme Dominus 
Märi ihn zu besuchen mit denen, welche ihn besuchten. Sprach 
Dominus Märi zu ihm: Ich werde meine Hand auf dich legen 
im Namen meines Gottes, und du wirst gesund. Und jener 
Mann konnte nicht mit ihm reden, weil er dem Tode nahe war. 
Vor seinen Augen aber schaute und sah auch er, dass der 
Himmel sich öffnete, und ein Mann in der Gestalt des frommen 
Dominus Märi herabstieg, ihn mit seiner Hand erfasste und auf- 
richtete. 3 ) Und er wurde Jünger, er selbst und die Angehörigen 
seines Hauses. Und er ging zu seiner Gesellschaft und setzte 
sich, wie vordem, zum Gelage nieder. Auch der fromme Dominus 
Märi ging und liess sich an seinem Platze nieder, wie ehemals. 
Und jene Menschen, welche Jünger geworden waren, sprachen 
zu einander: Dieser Mann ist (ein) Gott. 4 ) Und jener Älteste der 
Gesellschaft sprach zur ganzen Gesellschaft: Meine Brüder, hört 
mich! Als ich krank war, sah ich im Gesicht, dass der Himmel 



■^ TD 



^ CD 



o 



£ 



Z) 



0) 
O- Qi 

"-" o 

=5 O 



0) . 

£ tn 

■c "ö 

-Q O) 



{J Q_ 



1) CB hat, was man erwartet, lo-^l l|-*r-*' statt Hr- 4 ' (A). 

2) So nach Noeldeke, welcher statt des unverständlichen 1^$? w^-9 
(== der Erste des Arms) V^*? >-*->* vorschlägt. Freilich bleibt auch so die 



CD 
C N 
O -m 

Stelle noch dunkel, da man nicht weiss, was für eine Würde gemeint ist. 



3) Die Nebeneinanderstellung dieser gleichartigen Heilungen bezeugt 
die Neigung des Verfassers, die Wunder zu häufen. 

4) Dieser Ausspruch ist nach der Auseinandersetzung des Mari über 
seinen Gottesglauben seltsam. 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö llfc NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



40 Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

sich öffnete, und ein Mann in der Gestalt dieses herabstieg und 
mich von dem Lager meiner Krankheit aufrichtete. 1 ) Und der 
Alteste der Gesellschaft sprach zu dem ersten Würdenträger: Da 
wir nun durch ihn von dem Krankheitslager gesund geworden 
sind (erstanden sind), so ist ihm jetzt der Platz, an welchem er 
sich niedergelegt hat, nicht mehr angemessen, weil sein Platz (zu) 
niedrig ist Dass wir ihn aber zu uns hereinfuhren, darüber 
zürnen die Kinder von Slek (die Einheimischen), weil er ein 
Fremder ist. Darum möge ein Knabe ein Polster bringen und 
es ihm zwischen mir und dir hinbreiten. Und sie thaten so, wie 
sie gesagt hatten. 

XXII. Und nach einer Zeit traf ihn die Reihe, unter ihnen 
Dienst zu thun 2 ) (sie zu bedienen, zu bewirten). Sprechen sie zu 
ihm 3 ): Der Dienst ist an dir. Darum denke jetzt an (sorge für) 
Brot und "Wein. Sprechen jene, welche Jünger geworden waren, 
zu ihm: Es ist in Slek Sitte, dass, wer den Dienst verrichtet, 
Brot und Wein, auch Wohlgerüche und Saitenspieler (Sänger) 
aus seinem Hause herbeibringt. Jetzt gieb d u Brot und Wein, 
und wir geben Saitenspieler und Wohlgerüche. Spricht Dominus 
Mari zu ihnen: Lasst es mich vorher wissen, so werde ich alles 
thun, was ihr mir befehlt! Und er schrieb einen Brief an die 
Apostel, seine Genossen, und schickte ihn denselben nach der 
Stadt Urhäi. Und er schrieb ihnen so: Wie 4 ) ich euch vordem 
die Botschaft gesandt habe, dass dieses Land, zu welchem ihr 
mich geschickt habt, ein Land voll von Dornen und Disteln ist, 
und dass meine Püsse nicht darauf treten können, und dass 
auch die Berge und Höhen 5 ), welche in ihm sind, von mir nicht 
betreten (erobert) werden, — da habt ihr die Botschaft gesandt 6 ): 



-o 

Q. 



^ CD 



o 



Z) 



TD 



1) Eine wunderliche Anrede! Gleichsam ein Vordersatz, dem kein 
Nachsatz folgt. Denn man muss erwarten, dass der Redner an die von 
ihm erwähnte Thatsache eine Folgerung anknüpft. 

2) loci t nM ;, das hier als ana§ key6[xsvov auftritt, widerspricht so 
sehr dem sonstigen Gebrauche des Verfassers, dass ich es nicht für ursprüng- 
lich halte. 

3) Ich übersetze die Stelle nach CB. Der Text von A ist etwas kürzer. 

4) CB hat hier das die direkte Rede einführende ? ? indem er ^]? 
statt ^-»1 (A) bietet. 

5) Die merkwürdige Wendung von den Bergen und Höhen enthielt 
nach cap. 19 erst das Antwortschreiben der Apostel. 

6) Ein Anakoluth. 

Q_ 0) 

@1 

-Q O) 

E 1 

*i Dioit^edby Google 



Original from 
^ö 1% NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



{J Q_ 



■^ TD 

ö- s- 



^ CD 



o 



Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 41 

Es ist dir nicht erlaubt, hierher zu kommen, auch nicht, irgend- 
wohin zu gehen, bis du die Berge und Höhen betreten hast, 
welche in ihm (dem Lande) sind, und in ihm den Samen des 
Lebens gesäet und Früchte des Ernteertrages zum Himmel ge- 
sandt hast. 1 ) Und als ich sah, dass ich keine Möglichkeit 
hatte, auf Grund deren ich dies bewerkstelligen könnte, ging ich 
und Hess mich in der Gesellschaft der Alten nieder und genoss 
mit ihnen Speise und Trank und Gesang, gleichwie sie. Und 
durch die Kraft Gottes und durch eure Gebete machte ich von 
ihnen zwei Alteste der Gesellschaft zu Jüngern, Und siehe! es 
ist auch an mich der Dienst gekommen, zu dienen, wie ihre Ge- 
wohnheit ist. Jetzt schickt mir von dem Gold, welches ihr 
habt 2 ), und ausgezeichnete Saitenspieler (Sänger), welche dort 
sind, welche 3 ) gut spielen, und vorzügliche Salben, damit ich thue, 
wie sie, weil ich hier nichts habe. Und als die in Licht ge- 
kleideten Apostel dies hörten, freuten sie sich und schickten ihm 
Gold, wie er ihnen gesagt hatte, und gute Arome und Hand- 
pauken und Cithern und Cymbel und alle Arten von Spielleuten 4 ), 
deren gleichen es in Slek nicht gab. Und sie kamen zu dem 
frommen Dominus Mari nach Babel (Babylonien). 

XXIH. Und als der Tag gekommen war, dass er dienen 
sollte, veranstaltete er eine grosse Bewirtung, dergleichen niemand 
in Slek gemacht hatte. Und als die ganze Gesellschaft gegessen 
und getrunken hatte, befahl er, dass die Spielleute (Sänger) 
hereinträten. Und jene Spielleute traten ein und erregten der- 
artige 5 ) Töne, dass alle drei Gesellschaften in Bewegung gerieten 6 ). 
Sie sagten aber vom heiligen Dominus Mari: Dieser Mann ist 



1) In cap. 19 finden sich für dieselbe Sache andere Wendungen. 

2) Merkwürdiger Contrast zu Act. 3, 6: aQyvQiov xal %Qvalov oi% 

inaQXBL [jloi. 

■t-i 

3) CB hat die Relativbezeichnung nicht. Doch verdient die Lesart 
von A den Vorzug. 

4) Statt Ijiel ist wohl Vf^") zu lesen, da die Musikinstrumente ohne 
die ausübenden Künstler wertlos gewesen wären. 

5) Wörtlich: bis zu dem Grade, dass . . . 

6) Der Verfasser scheint mir weniger die Stärke der Musik (A: ut 
tria convivia resultarent) hervorheben zu wollen, als den Eindruck, den sie 
auf die Hörer machte. 



3 5 

C N 
O -m 

CD 5 1 

£ 7 

O- Ol 

"-" o 

=5 O 

TD (J 

CD . 

C w 

O $> 

tu 2 
£ tn 

■c "ö 

@1 

-Q O) 

E -E 

s_ C 

*i Dioit^edby Google 



Original from 
^ö 1% NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



{J Q_ 



■^ TD 



^ 0> 



Z) 



"O 



cn 



cu . 

£ LH 

■C "ö 
Q. CU 

@1 

cu => 
-Q CU 

CU ^ 



CU 3 
O Q- 



42 Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

ein Gott 1 ), weil er in allen seinen Angelegenheiten (Geschäften) 
ausgezeichnet ist 2 ). Und sie traten alle zu dem frommen Domi- 
nus Mari und sprachen zu ihm: Wir bitten dich, dass diese 
Spielleute hier bleiben und nicht an ihre Orte (in ihre Heimat) 
gehen. Und wenn an dich der Dienst (die Reihe) kommt zu 
dienen, so wird dir die Bedienung erlassen als Lohn für die 
Spielleute. Spricht der Heilige zu ihnen: Ich eigne mir nicht 
den Lohn für die Spielleute an 3 ), aber wenn ihr wollt, so habe 
ich euch ein Wort zu sagen: so höret mich! Sprechen sie zu 
ihm: Sage an! Spricht er zu ihnen: Werdet Christen, und 
diese Spielleute sind euch überlassen. Wiederum fragten auch 
sie ihn und sprachen zu ihm: Was ist das Christentum? Diesen 
Namen haben wir niemals 4 ) gehört. Spricht er zu ihnen: Glaubt 
an den allmächtigen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, 
und ausser welchem es keinen Gott giebt, — und an seinen 
Sohn Jesus Christus 5 ), der vom Himmel herabgestiegen ist und 
einen Menschenkörper angezogen und sie (die Menschen) zu ihm 6 ) 
(Gott) hingewendet hat, — und glaubt an den heiligen Geist, 
welcher selbst in unsre Hände Kräfte gegeben hat, und es 
wurden 7 ) diese Häupter eurer Gesellschaften geheilt. Und er 
fing an zu ihnen zu sagen: Diese nämlich, welche ihr jetzt an- 
betet, und verlasst die Anbetung eures Schöpfers 8 ), sind nicht 
Götter, wie ihr meint, sondern kehrt um von diesem Irrtum und 
glaubt an den einen wahren Gott. Denn auch dieses Feuer, 
welches von euch verehrt wird ), ist eins von den Geschöpfen 



1) Der folgende Grund ist sehr seltsam. 

2) CB hat hinter wa-*^ ein bei A fehlendes ooi. 

3) Wörtlich: ich esse nicht . . . Vgl. Layard, Niniveh und seine Über- 
reste (übersetzt von Meissner) S.19 Anm.l: „Geld essen oder fressen d. i. Geld 
gesetzwidrig oder durch Raub an sich bringen" ist ein im Oriente sehr ge- 
wöhnlicher Ausdruck. 

4) Das ? vor >c©20ao ,-Lo dürfte zu streichen sein. 

5) ^««▲▲Lo ist im CB wieder ohne Abkürzung geschrieben. 



6) Die Beziehung auf Gott scheint mir mehr dem in cap. 20 aus- 



gedrückten Gedanken („damit sie durch ihn seinen Vater kennen lernten") 
zu entsprechen, als die von A angenommene: ad se convertit. 



7) = sodass . . . geheilt wurden. 

8) Im Texte steht 1?&ä^ = der hervorbringt, macht. 

9) Die Nachricht über Feuerverehrung in Seleucia hat mehr Anspruch 
auf Glaubwürdigkeit, als manche andere Angaben des Verfassers über an- 



! Dicili^by G00gk Original from 



SS uignizHj oy ««j«jx«. NEW YORK PUBLIC LIBRARY 






cn 

i_ 
o 



Die Geschichte des Apostels Dominus Märi. 43 

Gottes, und es ist stumm 1 ) (taub) und von der Gottheit entfernt. 
Sie aber fragten ihn: Wo ist dein 2 ) Gott? Er aber sprach zu 
ihnen: Mein Gott ist nicht sichtbar und wohnt in Herrlichkeit 
in den Höhen, und alles, was er will, macht er. Sie aber 3 ) 
hoben an und sprachen: Vielmehr 4 ) ist unser Gott dieses Feuer. 
Und es glänzt und verbrennt 5 ) und es sieht uns, und auch wir 
sehen es. Jenen aber, welcher unsichtbar ist, weigern wir uns 6 ) 
zu verehren. Der fromme Dominus Mari aber sprach zu ihnen: 
Ich kann durch die Kraft meines unsichtbaren Gottes diese eure 
Göttin töten, und sie kann mir nicht schaden, so dass ihr hier- 
aus erkennt, dass sie keine Göttin ist. Da sie durch einen dem 
Leiden unterworfenen Menschen stirbt, so setzt nicht eure Hoff- 
nung auf sie! Sprechen sie zu ihm: Du erhebst dich und be- 
deckst es (das Feuer) mit Steinen und schüttest 7 ) Staub und 
Wasser darauf aus, und du vernichtest es, wie auch wir eben 
dieses 8 ) vermögen. Wenn aber dein Gott grössere Kraft hat, als 
es (das Feuer), so gieb der Gewohnheit 9 ) gemäss den Beweis 
davon und tritt mitten in seine 10 ) Flamme. Und wenn du es 
zum Verlöschen bringst (sterben machst), du selbst aber nicht 
verbrennst, so ist offenbar, dass dein Gott stärker ist, als es, und 



geblich von Mari oder seinen Schülern vorgefundene heidnische Culte und 
Cultgebräuche. Wie in der Zeit der Sasaniden, so wurde auch, soviel wir 

wissen, unter der Partherherrschaft in Seleucia das Feuer verehrt. 

1/) 

1) Nach der Punktation im CB wäre zu übersetzen: sie (das syrische 
Wort für Feuer ist Femininum) ist eine Zauberin. 

2) CB hat v^? 1«^1 statt ^? ^^l (A). 

3) Statt t-*-« (denn, nämlich) dürfte *--»? zu lesen sein. 

4) So giebt A >-a] wieder. Dies entspricht dem Zusammenhange; doch 

finde ich diese Bedeutung von ^s| nicht belegt. 

5) Wörtlich: ist eine Verbrennerin. 

6) Statt ^-l-ja-Ä4Ä^o (A) hat CB ,-X* ^su^Zteo. 

7) So übersetze ich nach der Emendation von Noeldeke, welcher das 
corrupte ^aJ durch ^aJ ersetzt wissen will. 

8) Statt offi wird ^01 zu lesen sein, da ein Sprachgebrauch, wie der 
bei der Lesart 001 vorauszusetzende, sich sonst nirgends bei dem Verfasser 
unsrer Schrift findet. 

C w 
O $> 

CO {B 

£ tn 

■c "ö 

Q_ 0) 

@1 

-Q O) 



9) Auf welche Gewohnheit deutet der Verfasser hin? 
10) CB hat, wie man erwartet, oi&^soi^* statt ciüvaäölI^^ (A). 



{J Q_ 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö llfc NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



■^ TD 



^ CD 



44 Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

dass seine (deines Gottes) Kraft stärker ist als seine (des Feuers) 
Kraft. 

XXIV. Und der tapfere Heilige ging im Vertrauen auf 
seinen Herrn auf diese ihre Bitte ein. Und am folgenden Tage, 
als sie ihren Ofen, in welchem jene (bekannte) grosse Flamme 
angefacht wurde 1 ), in Brand gesetzt hatten, versammelten sie sich 
alle dort und baten, dass er in sie (die Flamme) hineinginge. 
Und einige redeten mit ihm in Worten, welche Schrecken ein- 
flössten, einige mit 2 ) Mitleid. Der Heilige aber zeichnete sich 
mit dem heilbringenden 3 ) Zeichen und auch über das Feuer machte 
er das Kreuzeszeichen. Und er ging mitten in dasselbe hinein und 
ging ohne Schaden heraus. Einige nun rechtfertigten 4 ) die gott- 
liche Kraft, einige aber sprachen: Das Feuer ist nicht gehörig 
angezündet worden. Und wegen ihrer Meinungsverschiedenheiten 
sprach der Heilige 5 ) zu ihnen, dass er morgen (wieder) hinein- 
gehen würde, um nämlich diesen Zweifel zu lösen. Er aber 
willigte ein, am folgenden Tage ihren Willen zu thun. Und sie 
zündeten das Feuer kräftig an. Sie zündeten es nämlich 6 ) mit 
Falschheit an, und es war mit ihnen der Satan im Bunde, welcher 
von Anfang ein Menschenmörder ist 7 ), der alte Feind. Und auf 
eben dieselbe Weise ging er wiederum mit dem Zeichen des 
Kreuzes hinein und begann es (das Feuer) auszulöschen. Und sie 
baten ihn, dass er es nicht auslöschte, sondern ruhig bliebe, bis 
es erstürbe. Und er that so, bis es verzehrt war und erlosch. 
Und er ging ohne Schaden aus ihm hervor. Als sie aber die 
göttliche Kraft sahen, glaubten sie an Gott und empfingen das 
Siegel des Lebens (d. i. die Taufe). In der Frühe des folgenden 



^ 



Z) 



£ tn 

■c "ö 

Q_ 0) 

-Q O) 



{J Q_ 



lesen 



1) So umschreibe ich „Ofen jener grossen Flamme". 

2) Nach dem vorhergehenden I^OfS möchte man ]ZqJ^j» q i m O 



3) Vielleicht ist die Deutung angemessener: das Zeichen, welches in 
Beziehung zu dem Erlöser steht. 

4) Dem Sinne nach = erkannten an — wie A übersetzt. 

5) Da es im nächsten Satze heisst: „Er aber willigte ein, am folgenden 
Tage ihren Willen zu thun", so kann die vorliegende Lesart nicht richtig 
sein. Man erwartet; )-4~»f.n!^ oiJ^ Ojicl©, also: sie sprachen zum Hei- 
ligen, dass er morgen (wieder) hineingehen solle. 

6) i-^ i g t m h: »icht verständlich. 

7) Joh. 8, 44. 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö 11 * NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



■^ TD 



^ CD 



cn 



Die Geschichte des Apostels Dominus Märi. 45 

Tages aber ging der König heraus, um sich an dem Orte nieder- 
zulassen, welcher für ihn bereitet war 1 ). Und es versammelte 
sich viel Volks zu ihm. Und einige begannen den Heiligen an- 
zuschuldigen, einige priesen ihn. Und der König hob an und 
sprach zu den Anklägern: Was wollt ihr? Sprechen sie zu 
ihm : Dass du ihn uns gebest, damit wir ihn töten, oder ihn aus 
unsrer Gegend vertreibest. Und wenn du das nicht thust, so 
verlassen wir alle, die Diener deiner Götter 2 ) und der Götter 
deiner Väter, die Stadt. Und als der König sah, dass die Menge 
des Volks mit den Priestern war, beschwichtigte er sie und 
sprach zu ihnen: Ich thue alles, was ihr mir sagt 3 ). Und er 
Hess sie von sich. Zu dem Frommen aber und seinen Begleitern 
sprach der König: Ich weiss, meine Brüder, dass die Leute von 
Slek böse und anmassende Leute sind und in hohem Grade Ver- 
ehrer der Altäre, welche in ihr (der Stadt) sind. Und wenn sie 
nicht eine Menge von Wundern sehen, werden sie nicht schnell 
sich von mir überreden lassen. Aber geht jetzt hinaus, meine 
Brüder, und zeigt ihnen die Kraft Jesu 4 ), den du predigst. Und 
sogleich, als der Fromme vom Könige hinausgegangen war, stiessen 
zwei Blinde auf ihn 5 ). Und er berührte die Pupillen ihrer Augen 
und sprach: Im Namen Jesu, des Nazareners, seien die 
Pupillen eurer Augen wiederhergestellt! Und gleichzeitig mit 
seinem Wort empfingen jene Blinden Heilung und glaubten an 
ihn) 6 . Und auch eine Menge von andern neigte sich ihnen (den 
Evangelisatoren) zu. In gleicher Weise die Tochter des Prä- 



1) Vermutlich denkt der Verfasser an eine Gerichtsstätte, am welcher 
der König Recht zu sprechen pflegte. 

2) CB hat ^-»? 1<*^>1 statt ^.äou^I (A). Übrigens ist der Ausdruck 
„Götter" auffällig, da oben nur von einem Gott, dem Feuer, die Rede war. 

3) Der syrische Ausdruck wäre wörtlich zu übersetzen: ich thue nicht(s), 
ausser alles, was ihr mir sagt. Er vermischt also zwei Redeweisen, näm- 
lich : ich thue nichts, als was ihr mir sagt — und : ich thue alles, was ihr 
mir sagt. 

4) Ein merkwürdiges Verlangen, dem der Fromme ohne eine Ein- 
wendung entspricht! 

o) 5) Ein wunderbarer Zufall! 

^ o ' 

6) Der Ausdruck; sie glaubten an ihn — ist missverständlich. Am 
nächsten liegt, ihn auf Mari zu beziehen, doch hat der Verfasser jedenfalls 



2 2 

Jesus im Sinne. 

c 

■c "ö 

Q_ 0) 

@1 

-Q O) 



{J Q_ 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö llfc NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



-o 

Q- 



46 Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

fekten, der in der Stadt war, welche seit langer Zeit der Satan 
quälte. Als der Fromme von denen, die zu ihm kamen, von ihr 
hörte, ging er mit ihnen, und durch das Werkzeug der Zunge 
des Mädchens schrie jener Dämon und sprach, während alle dort 
Anwesenden es hörten: Wehe (uns) von euch, ihr Knechte 
Christi. Siehe, wir sind von euch von jedem Orte vertrieben 
worden, von den Städten und von den Bergen und von den 
Hohen und von der menschenleeren Wüste. Während er aber 
dieses und Ahnliches sagte, schlug (schüttelte) er das Mädchen. 
Und der fromme Dominus Mari ging hinzu und betete, und er 
gab das Mädchen seinen Eltern zurück gesund und lobpreisend. 
Die Zuschauer 1 ) aber jenes Wunders fielen zu den Füssen des 
Frommen und erwiesen ihm Verehrung. 

XXV. Und bis zu einem Jahre arbeitete (mühte sich ab) 
der Fromme [. . . .] in Slek 2 ) durch Zeichen und Wunder. Und 
darnach bat er sie um einen Platz, damit er ihnen ein Haus der 
Anbetung des lebendigen Gottes baute. Sie aber baten und 
sprachen zu ihm: Wo nur immerdar du wünschest, sage es, und 
wir geben (ihn) dir. Spricht der Heilige zu ihnen: Gebt rnir 
dieses Haus der Götzen 3 ) ausserhalb der Stadt und nehmt den 
Preis dafür. Es war aber der Götzentempel des Königs Aphra- 
hat, und es gab dort viele Priester, und grosser Aufwand wurde 



1) Statt oi^l»* (A) ist ovAi']^ zu lesen, wie CB giebt. 

in 

2) Der überlieferte Text w.a*\n79 lZ?alo?2^ scheint mir uncorrekt zu 
sein. Man kann zwar |Z*a^o9^r: mit A durch mirabiliter übersetzen, aber 

s Q»\m9 nicht durch „in Seleucia". Für ^ a.*l^ip? müsste man < ni^wr 

77 

lesen. M. E. ist jedenfalls v-oj^äs zu lesen, und |z*aLc?^o beruht viel- 
leicht auf einem Versehen des Abschreibers, welches durch das folgende 
|Zj.^o?Ljd veranlasst worden ist. 

3) Die Angabe, dass ein Parther könig einen mit Götterbildern aus- 
gestatteten Tempel gehabt habe, ist befremdlich, da die Parther der alt- 
persischen Naturreligion anhingen. Zwar sagt der Verfasser des Artikels 
„Parther 1 ' bei Pauly, dass neben der Naturreligion sich bei den Parthern 
grober, dem griechischen verwandter Polytheismus Platz gemacht habe. 
Dies wäre ja von einer Stadt, wie Seleucia, begreiflich. Ist es aber wahr- 
scheinlich, dass der König ein Anhänger dieses Göttercults gewesen sei? 
Auch fragt es sich, inwieweit die Quellen für diese Behauptung zuverlässig 
sind. Einige von ihnen sind teils nicht beweiskräftig (wie Tac. Ann. XII 13j. 



cu 

c 

teils lassen sie eine andere Erklärung zu (wie Justin 41, 3. Tac. Ann. XI 9). 

■c "ö 
Q. CU 

@| 

-Q O) 

E -E 

s_ C 

a 's 

■a E 

<L> O 
{J Q_ 



r^rtrtrilr- Original from 

JU *V .ÜBfiUfORK PUBLIC LIBRARY 



Die Geschichte des Apostels Dominus MärL 47 

an sie (die Götzen) und an die Priester gewendet, indem sie 
sagten, dass die Götzen selbst ässen und tränken. Und der 
Fromme ging mit dem Könige, und sie traten in den Götzen- 
tempel ein. Und Dominus Mari hob an und sprach zu den 
Priestern: ihr Beschämten (Betrogenen) und Betrüger: wann 
haben diese Tempel J ) gegessen, welche ihr Götter nennt? Denn 
ihr errötet nicht und es genügt euch nicht, dass ihr selbst alles 
esst -und trinkt, was für diese hingesetzt wird, sondern ihr sagt 
(auch), dass diese Götter sind. Denn sie sind nicht Götter, wie 
ihr sagt, sondern Bildwerke von Holz und Erz , und Dämonen 
reden durch sie. Zu der Zeit entbrannten jene Priester von 
Zorn und sprachen zu dem Frommen: Wenn diese (die Götzen) 
Zaubereien 2 ) sind, wie du gesagt hast 3 ), — was hast du über die 
Sonne, die grosse Richterin, zu sagen? Spricht der Fromme zu 
ihnen: Die Sonne ihrerseits ist eine Creatur des lebendigen 
Gottes und ist dazu gesetzt, um der Creatur, welche Gott ge- 
schaffen hat, Licht zu geben und um zu scheiden zwischen Tag 
und Nacht. Wohin also flieht sie in der Nacht, wenn sie Gott 

o 

ist? Und nach vielen Worten befahl der König, und sie gaben 
das Haus der Götzen dem Frommen. Und auch die Götzen gab 
der König dem Frommen zum Geschenk. Und er nahm sie und 
zermalmte sie wie Sand und warf ihren Staub in den Deklath. 
Und er zerstörte von Grund aus jenen Tempel der Götzen und 
baute ihn von neuem zu einer kleinen Kirche. Und er setzte in 
ihr Presbyter und Diakonen ein, auch pflanzte er an demselben 
Orte Schulen und bestellte einen seiner Schüler als Lehrer. 

XXVI. Und als die Verehrer der Altäre 4 ) in der Stadt und 
in den Dörfern rings um sie her sahen, dass 5 ) ihre hässlichen 
Lehren anfingen abgeschafft zu werden, versammelten sie sich alle 
und gingen nach Ktesiphon zum Könige Artaban hinüber, welcher 



^ CD 



cn 



Z) 



"O 



CD 3 
{J Q_ 



1) Mit I^pqJ {vaoi) sind wohl die Götterbilder gemeint, da diese als 
Wohnstätten, gleichsam Tempel der Götter betrachtet wurden. 

2) Oder: wenn diese stumm (taub) sind — als blosse Bilder aus Holz 
und Erz? 

3) So nach der Punktation bei CB. A: ut tu dicis. 



4) Der Verfasser hat wohl die Altäre im Sinn, auf denen das heilige 
Feuer unterhalten wurde. 

o £ 

5) CB giebt richtig o-»r-^?, während ? bei A fehlt. 

c ^ 

■c "ö 
Q_ CD 

@1 

CD => 
-Q O) 

CD ^ 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö llfc NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



48 Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

in Ktesiphon und in Gökhi regierte, weil, wie sie erzählen, jener 
König sehr hart war 1 ). Und sie schrieen und sprachen weinend 
vor ihm: Ein Mann, der ein Zauberer ist, ist gekommen und 
hat unsere Götter abgeschafft und predigt einen Gott, welcher 
wie er lehrt, im Himmel ist und nicht gesehen wird. Und jetzt ? 
Herr König, wenn du nicht Sorge trägst für dich und für dieses 
Bekenntnis deiner Väter, so 2 ) wird es allmählich abgeschafft 
(nimmt ein Ende), weil der König Aphrahat, jener Gesinnungs- 
lose, augenblicklich an ihn geglaubt und uns aus seinem Hause 
(Reiche) vertrieben hat 3 ). Als der König Artaban dies hörte, 
sandte er nach dem Frommen und führte ihn von der Seite 
Slek's dorthin über, wo der König Artaban wohnte. Und als er 
vor ihn hineingegangen war, sprach der König zu ihm: Was 
ist das für ein Geschrei und eine Zwietracht, die du in unser 
Land geworfen hast, und predigst fremde Götter in unserm 
Volke, wie diese (die Ankläger) durch die That bezeugen 4 ). 
Wenn du jetzt deine Religion verlassest und diese Götter bekennst, 
wirst du grosse Ehren von mir empfangen; wenn du dich aber 
weigerst, wirst du gliedweise zerhauen werden und jeder, der 
deinen Gott bekennt. Spricht der Fromme zu ihm: Der Gott, 
dem ich diene, o König, er wird mich von deinen Schlägen er- 
retten, weil er lebendig machen und verderben kann und alle 
Schmerzen und Krankheiten heilt, die Aussätzigen reinigt, die 
Blinden sehend macht (öffnet), die Dämonen austreibt, und weil 
alles durch ihn besteht. Hob der König an und sprach zu dem 
entschlossenen Athleten: Wenn du dies thun kannst, so beweise 
deine Worte durch Thaten. Vollende deine Lehre bei uns durch 
Werke. Ich habe eine einzige Schwester, welche mir sehr teuer 
ist. Wenn du sie heilen kannst, so werde ich dir die Hälfte 
meines Königreichs geben. Da sprach der Fromme zu ihm: 


1) Sie erwarteten demnach von ihm strenges Einschreiten gegen Mari. 

2) ]^> <lo (et de puf\) ist gesetzt, als wenn ein Imperativ vorherginge: 
Jetzt trage Sorge .... oder aber . . . 

3) Davon hat der Verfasser vorher nichts berichtet. 

4) So übersetze ich, indem ich statt des Plurals Jj^osiä den Singular 
jJjSQ.m^ lese. Der Verfasser will wohl sagen: die Thatsache der An- 
wesenheit seiner Ankläger und ihrer Vertreibung bezeugt das Vorhanden- 
sein der von Mari angestifteten Zwietracht. A übersetzt: quemadmodum 

tu {B 



■^ TD 






9 ^ 



3 ■o 

-> o> 

C N 

O -m 

CD 5 1 

£ 7 

O- Ol 



Q_ 0) 

@1 

-Q O) 

E 1 

a 's 

■a E 



factis istis testantur. 



{J Q_ 



Google 



Original from 
I S \QA\ze<i Dy VjUUglt NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



-o 

Q. 



<D 



Z) 



CU 
C N 
O -m 



Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 49 

Wenn du an ihn glauben wirst, wann deine Schwester die Ge- 
sundheit empfangen hat, so geschieht deine Bitte. Spricht d^r 
König zu ihm: Ich werde an ihn glauben. 

XXVII. Da willigte der Fromme ein, zu der Schwester des 
Königs zu gehen. Da befahl der König Soldaten samt (ihren) An- 
führern, dass sie 1 ) den Frommen dahin führten, wo seine Schwester 
war. Und als der Fromme kam und an einen Fluss gelangte, 
welcher der mittlere Zäb 2 ) heisst, konnte er nicht hinüber, weil 
die Fahre auf der anderen Seite war. Und er hörte eine St imm e, 
welche in der Fähre sprach. Und der fromme Dominus Mari rief 
ihn (den Inhaber der Stimme) und sprach zu ihm: Bringe mir 
jene Fähre herüber! Spricht jener Mann zu ihm: Ich kann dich 
nicht übersetzen. Hob der Heilige an und sprach zu ihm: Wes- 
halb kannst du mich nicht übersetzen? Spricht jener Mann zu 
ihm: Weil meine Hände und Füsse entstellt (gelähmt) sind, und 
ich mit ihnen (den Händen) weder die Ruder noch die Fähre an- 
fassen kann 3 ). Spricht der Heilige zu jenem Mann: Wie heissest 



1) Der Zusammenhang erfordert w?ii 1n \ ^ aJ (damit sie führten) 

statt des überlieferten >*0ia*^£oJ (damit er führte). Oder man müsste 

statt des Plurals U^-Jj-JJöl den Singular lesen und annehmen, dass der 
OTQaxfiyoq als der Führende gedacht ist. 

2) Nach dem Zusammenhang unsrer Schrift und einigen sonst über 
die Lage von Dörl^onni vorliegenden Nachrichten handelt es sich um einen 
Fluss, der auf der Westseite des Tigris südlich von Seleucia lag. Da er 
der mittlere Zäb genannt wird, so muss man annehmen, dass der Ver- 
fasser in diese Gegend auch einen oberen und unteren Zäb versetzte. In 
cap. 30 redet er wenigstens auch von diesem Landstrich als von einem 
„Lande der Zäbe". Nun ist ohne Zweifel sehr auffällig, dass der Verfasser 
neben dem in cap. 10 erwähnten, nördlich und südlich von Arbela ge- 
legenen Land der Zäbe hier und in cap. 30 ein zweites Land der Zäbe 
einführt ohne die leiseste Andeutung, dass es sich bei dem letzteren um 
ein ganz anderes, von dem in cap. 10 beschriebenen räumlich weit ent- 
ferntes Gebiet handle. Dieser Mangel an Distinction kann Zweifel an der 
Verwendbarkeit der Angaben des Verfassers zu geographischen Fixirungen 
erregen. 

A vermutet u. a., dass mit dem Ausdruck „mittlerer Zäb u einer von 

CT # .... 

zwei, arabisch Zawabi genannten Canälen gemeint sei, welche „in regione 
Babylonica" Euphrat und Tigris verbanden, und nach denen die zwischen 
Seleucia und Wasit gelegene Gegend al-Zawabi geheissen habe. 

3) Der Verfasser stellt hohe Anforderungen an den Glauben seiner 
Leser, wenn er ihnen zumutet anzunehmen, dass halbwegs vernünftige 

Q. CU . 

Raabe, Dominus Mari. 4 

-Q O) 



{J Q_ 



! Dicili^by G00gk Original from 



SS uignizHj oy ««j«jx«. NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



50 Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

du? 1 ) Spricht er zu ihm: Ich heisse Dosti (Dositheus?) 2 ). Und 
d^r heilige Dominus Mari sprach zu dem Presbyter Onesirnus, 
welcher bei ihm war: Sage zu jenem Mann: es sagt dir Mari, 
der Schüler des Apostels Addai 3 ): im Namen Jesu Christi, des 
Nazareners, stehe auf deinen Füssen und erfasse mit deinen 
Händen die Ruder und führe jene Fähre herüber! Und als dies 
Wort aus dem Munde des Dominus Mari dem Dosti gesandt 
worden war, — in derselben Stunde wurde jener Mann gesund. 
Und er brachte jene Fähre hinüber, und der fromme Dominus 
Mari und alle seine Begleiter setzten über. Dosti aber hatte 
noch eine andere Krankheit , nämlich sein Leib (anus) war ver- 
schlossen 4 ). Und als Dosti gesehen hatte, dass er auf das Wort 
hin 5 ) die Gesundheit erlangt hatte, sprach er zu dem Heiligen: 
Mein Herr, ich weiss, dass du ein Gott bist, weil du mir durch 
ein Wort von deiner Hand 6 ) Gesundheit für meine Hände und 
meine Füsse gesandt hast. Nun habe ich eine andere Krankheit: 
mein Leib ist nämlich verschlossen. Spricht zu Dosti der heilige 
Dominus Mari: Wirst du ein Christ und bekennst du den wahren 
Gott? 7 ) Hob Dosti an und sprach zu ihm: Was ist das Christen- 
tum? Ich sehe, dass du einen neuen Gott in der Welt lehrst. 
Und ich habe von dir geglaubt, dass du ein Gott bist und her- 
abgestiegen bist, um die Menschen zu besuchen 8 ). Hob der 
Fromme an und sprach zu Dosti: Das sei ferne, dass ich ein 
Gott sei! Denn ich bin nicht Gott, sondern ein Apostel seiner 



■o 






o 

tu is 

£ tn 

■c "ö 

Q_ 0) 

@1 

-Q O) 



Menschen einen Gelähmten für die geeignetste Persönlichkeit zur Besorgung 
einer Fähre gehalten haben sollten. Oder war der Mann erst kürzlich ge- 
lähmt worden? Aber auch das Zusammentreffen von Krank werden und 
Heilung würde wie ein Wunder erscheinen. Man wird daher vermuten 
dürfen, dass der Verfasser manche Situationen erfunden habe, um seinen 
Heiligen von immer neuen Seiten als Wunderthäter zu zeigen. 

1) Warum fragt der Heilige nach dem Namen? 

2) Im CB ist Dusti punktirt. 

3) Welchen Eindruck konnte es auf Dosti machen, dass der Heilige 
sich ihm als Schüler des Apostels Addai vorstellen lässt? 

4) Das entgegengesetzte Leiden (dvosvzegta) heilt Paulus Act. 28, 8. 

5) Man würde erwarten: Uäo-£? ciä^* >o^ = auf das Wort des 
Frommen hin. 

6) Soll wohl heissen: ein Wort, das von dir herrührt 

7) Die imperative Fassung des Participiums durch A — fias tu chn- 
stianus — muss ich beanstanden. 

8) Vgl. Act. 14, 11. 



{J Q_ 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö llfc NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



Die Geschichte des Apostels Dominus Märi. 51 

Apostel. Spricht Dosti zum Frommen: Lass mich wissen, was 
das Christentum ist. Spricht er zu ihm: Das ist das Christen- 
tum, dass wir 1 ) an einen wahren Gott glauben, ein in sich 2 ) ver- 
borgenes Wesen (ens, substantia). Und er wird nicht erforscht 
von den Gemachten (Geschaffenen), und seine Vaterschaft 3 ) wird 
nicht erfasst von seinem Gebilde und seine Herrschaft ist unüber- 
windlich 4 ). Und (wir glauben) an seinen einigen Sohn, dessen 
Geburt (Zeugung) von Menschen nicht erforscht wird, welcher 
selbst (ipse) einen Menschenkörper anziehen wollte, und der die 
Welt lebendig gemacht hat durch das Erbarmen dessen, der ihn 
gesandt hat. Und (wir glauben) an einen heiligen Geist, welcher 
die Vollendung (consummatio) der Gottheit ist. Und glaube 
nicht bei dir, dass wir, indem 5 ) wir drei Namen wiederholen, drei 
Götter von einander unterscheiden. Sondern der Vater ist (zwar) 
für sich (in seiner Hypostase), und der Sohn wiederum, welcher 
von ihm ist, ist für sich, und der heilige Geist, welcher vom 
Vater 1 ') ausgeht, ist für sich. Die Gottheit aber ist eine. Wenn 
du glaubst (glauben willst), so glaube so. Und als er dies dem 
Dosti gesagt hatte, hob Dosti an und sprach zu ihm: Ich glaube. 
Da rief der Fromme einen Knaben und sprach zu ihm: Bringe 
mir ein wenig Wasser in einem Becher, soviel wie einen Schluck. 
Und er brachte es ihm. Und er schüttete darein von jenem Ol, 
welches er bei sich hatte, und stand auf und betete und bat den 
Herrn Jesus Christus und sprach in seinem Gebete also: du, 
unser Herr Jesus Christus, du, der du Krankheiten und schwere 
Schmerzen geheilt und Aussätzige gereinigt und Blinde sehend 

. . Ol 



o q 



cn 



1) So nach ^TalViioi^o von CB. A überliefert ^IVi joi^o, über- 
setzt aber, als wenn er wie CB läse. 

JN % ' 

2) Statt des überlieferten oi ai°J? möchte ich <juaä!ä oder svaaIs? 
lesen. 

3) Der Ausdruck „Vaterschaft** kommt hier zu früh, da von einem 
Sohne noch nicht die Rede war. 

4) Statt ^n S ASn (sie wird nicht gemacht) ist vermutlich Ij-cL^lo 
(sie ist unüberwindlich) zu lesen. 

■r- (U 



5) Ich vermisse hier ein |-ä. 

6) Das Fehlen von filioque entspricht dem orientalischen Ursprung 
der Schrift. Vgl. Guidi, Brief des Philoxenos . . . S. 3. 4: 1^1 ^ ^aaJ? 

4* 

@ | 

-Q O) 



{J Q_ 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö llfc NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



52 Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

gemacht (geöffnet) und die Zungen der Stummen gelöst und die 
Lahmen aufgerichtet hast, dass sie wie Hirsehe gingen, und der 
du die Zwölf und die Siebenzig, deine Apostel, in die Welt ge- 
sandt hast, — auch jetzt, o Herr 1 ), bitte ich dich: 2 ) erhöre mich, 
und der Leib dieses Menschen möge geöffnet werden 3 )! Und als 
der fromme Dominus Mari sein Gebet vollendet hatte, gab er 
dem Dosti Öl und Wasser, und er trank von ihnen und wurde 
gesund. 

XX VIII. Und er brach von dort auf und kam mit seinen 
Begleitern 4 ) zu jenem Orte, welcher Dörkonni (Festung der Konni) 
heisst und nach dem Namen der Konni genannt worden ist 5 ). 
Und bevor er dort hineinging, beugte er die Kniee im Gebet vor 
Gott und sprach so: Herr Jesus Christus 6 ), ich flehe dich an und 
bitte dich 7 ), gieb mir, o Herr, dass ich durch die Kraft, welche 
von dir kommt, diese finstere Gegend erleuchte. Jene, o Herr, 
welche dich noch nicht kennen, — gieb ihnen, o Herr, dass sie 
dich erkennen, dass d u allein der wahre Gott bist, der du willst, 
dass alle Menschen sich zur Erkenntnis deiner Wahrheit wenden. 

o 

Und sogleich hörte er eine Stimme sagen: Nach deiner Bitte wird 
dir geschehen. Denn ich bin willens durch deine Vermittelung 
viele zur Erkenntnis der Wahrheit zu bringen 8 ). Und sogleich 
stand er von seinem Gebet auf und ging hinein zu Konni samt 
denen, welche mit ihm vom König geschickt worden waren. 
Und 9 ) sie brachten der Konni die frohe Botschaft von dem ge- 






o 



C N 
O -m 

cu 



1) Statt Ui-^ (Herr), wie hier und cap. 29 steht, ist sonst die Be- 
zeichnung x 'r& (unser Herr) in der Beziehung auf Christus gebraucht, wie 
auch in der Peschitta .^ ^ r griechisches 6 xvQiog üblich ist. 

2) CB hat die getrennte Schreibung: jj] l^ (A: |jia). 

3) Ein in passivem Sinne gebrauchtes ^*Lsl2 entspricht nicht dem 
sonstigen Sprachgebrauch des Verfassers. Vermutlich ist w^ksÄJ zu lesen. 

4) o^L^] ist entweder zu tilgen, oder hinter oi-lo^? zu setzen. 

5) Statt £wiJ.^z| (gebaut worden ist) ist vermutlich L+lsZ] (genannt 
worden ist) zu lesen. 

6) CB: Um^c ^o^. vi .<*. 

7) CB trennt: )i\ M*. 

8) Vgl. Act. 18, 10. 

9) t-s dürfte zu streichen sein. Oder es ist ein Anakoluth anzuer- 
kennen. 

Q_ CU 



{J Q_ 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö llfc NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



Die Geschichte des Apostels Dominus Maxi. 53 

schickten Arzt, welcher aus der Umgebung ihres Bruders ihr 
geschickt worden war. Sobald aber der Fromme die Konni ge- 
sehen und sie mit dem Öl des Gebets 1 ) gesalbt hatte, wich von 
ihr alle Krankheit, die sie hatte. Und sie wurde durch den An- 
blick des Frommen mit Freude erfüllt Und alle jene, welche 
bei ihr ♦wohnten, freuten sich, dass sie würdig gewesen waren, 
dass der fromme Dominus Mari zu ihnen einginge und ihre 2 ) 
Gebrechen heilte. 

XXIX. Konni selbst aber, als sie die Gesundheit ihres Körpers 
fühlte, welche sie empfangen hatte, schrieb mit grosser Freude 
einen Brief an ihren Bruder. Sie schrieb aber so: Weil einer 
von den Mächtigen aus der Umgebung deiner Majestät geschickt 
worden ist, wurden alle Schmerzen und Makel meiner Person 
geheilt, und ich bin jetzt von allen Gebrechen befreit, infolge 
deren ich bisher erschüttert (traurig) und beschämt war. Ich 
rate dir also: alles, was du dir vorgenommen hast, lass mich 
durch einen Brief wissen 3 ). Als aber der Brief zum König 
Artaban kam, empfing er ihn mit grosser Freude. Und er ent- 
bot ihr so: Weil du jetzt Gesundheit erlangt und Heilung deiner 
Schmerzen empfangen hast, so mache du mit jenem Manne Gottes 
die Heise zu mir, damit ich gemäss meinen Versprechungen gegen 
ihn ihm durch die That vergelte 4 ), damit er hier von mir und 
allen Angehörigen meines Palastes geehrt werde. Als aber Konni 
diese Aufforderung empfangen hatte, rüstete sie Pferde zu, um 
den Heiligen zu tragen, ihn und alle seine Begleiter 5 ), und sie 
war willens in der Frühe des folgenden Tages den Aufbruch zu 
ihrem Bruder zu machen. In jener Nacht nun erschien dem 
Heiligen der Herr Jesus in einer Offenbarung und sprach so zu 
ihm: Lass Konni und alle, die mit ihr sind, nicht aus diesem 
Orte ziehen. Dieser Ort nämlich soll verherrlicht und berühmt 
und eine grosse Stadt in der Menschheit werden, und verherrlicht 






o 






C 

£ tn 

■c "ö 

Q_ 0) 

@1 

-Q O) 



1) Soll wohl heissen: mit dem durch Gebet geweihten Öl. 

2) Mari heilte also ausser den Gebrechen der Konni auch diejenigen 
ihrer Umgebung. 

3) Der Inhalt dieses Briefs ist seltsam. 

4) Der syrische Ausdruck scheint aus zweien zusammengeschmolzen 
zu sein: „Damit ich gemäss meinen Versprechungen ihm durch die That 
vergelte" und „damit ich meine Versprechungen gegen ihn erfülle". 

5) Hinter &*1 dürfte oooi ausgefallen sein. 



{J Q_ 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö llfc NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



54 Die Geschichte des Apostels Dominus Märi. 

soll in ihr werden mein heiliger Name, Siehe, ich habe dir 
befohlen und dich gewarnt. Als er aber von der göttlichen Offen- 
barung erwachte, ging er zu Konni und unterrichtete sie von 
dem, was er von Gott empfangen hatte, und besonders davon, 
dass Konni selbst von hier nicht weggehen solle. Sie hörte aber 
den Befehl des Herrn, der ihr durch den Apostel Dominus Mari 
wurde, und ging nicht fort. Sie empfing aber die heilige Taufe, 
sie selbst und alle, welche mit ihr an jenem Orte waren, an 
welchem 1 ) sie wohnten. Zu jener Zeit hob sie an and sprach 
zu dem Apostel: Was bittest du, dass ich dir thue für alle die 
Wohlthaten, die du mir erwiesen hast? Er aber sprach zu ihr: 
Baut mir an einem Orte 2 ) ein Haus der Anbetung für den 
lebendigen Gott. Und als er ein wenig unterhalb des Ortes, an dem 
Konni wohnte, hinabgegangen war, fand er zur Seite eines Flusses 
einen Ort, welcher Haus des Götzen 3 ) Estera (Istar) heisst, derjenigen, 
welcher Konni selbst samt denen, die mit ihr waren, opferten 4 ). 
Und er wollte dort dem höchsten Gott einen Tempel herrichten 
aus einem und zwei und drei Gründen: erstens nämlich, um das 
Haus der Götzen auszurotten, und zweitens, um den Fluss von 
seinem Orte zu verdrängen, drittens aber, weil er die Offenbarung 
erhalten hatte, dass eine zahlreiche Menschheit dort hinzugefügt 
werden sollte (dass der Ort zu einer volkreichen Stadt werden 
solle), und damit er dort, wo Menschen wohnten, ihnen ein Haus 
der Anbetung herrichtete. Wie nun (was geschah nun)? 5 ) Ge- 
mäss seinem Wunsche wurde es ausgeführt. Zuerst aber zerstörte 
er den Tempel der Götzen 6 ). Und er befahl dem Fluss, dass er 

o q 



£ 



y tj 



=5 O 



0) . 
£ tn 

■c "ö 

Q_ 0) 

-Q O) 



{J Q_ 



1) Im CB fehlt <*-£>, doch wohl nur infolge eines Versehens. 

2) ]j~* 1^50? wird als acc. loci zu fassen sein. 



3) Im Syrischen steht das Femininum, doch können wir das im Deut- 
schen nicht nachbilden. 

Q_ 

4) Der Ausdruck „opferten" — oooi ^*m^ — ist ohne Zweifel un- 
genau, da Konni und ihre Leute nach ihrer Taufe jedenfalls keinem Götzen 



geopfert haben. Dieser Erwägung verdankt vielleicht die interessante 
Variante im CB ihre Entstehung, der statt oi^ die Lesart l^ bietet, nach 
welcher gemeint ist: „welcher Konni und ihre Leute nicht (mehr) opfer- 



ten'*. Doch vermisst man hierbei eine Ergänzung zu dem relativen ?. 



5) Dieser dem griechischen, einen lebhaften Übergang einführenden 
xl öi; entsprechende Ausdruck ist mir nicht unauffällig. 

6) Da der Verfasser oben den Tempel „Haus der Estera" genannt hat, 



! Dicili^by G00gk Original from 



SS uignizHj oy ««j«jx«. NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



Z) 



Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 55 

sich von dieser Seite zu jener hinüberwendete — was wir mit unsern 
eigenen Augen gesehen und nicht durch Hörensagen von andern 
erfahren haben 1 ). Darauf tiberredete (sie) der Fromme, und sie 
bauten Gott einen Tempel in der Nachbarschaft 2 ) des Deklath 
(Tigris), wo er es wollte. Wegen der Feuchtigkeit und Nässe 
des Orts aber war das Bauen schwierig. Und bis auf den heutigen 
Tag wird sein Andenken in ihm 3 ) (dem Tempel) fortgepflanzt. 
Und deshalb wird die Kirche von Dörkonni gleich der Kirche 
von Kökhe 4 ) geachtet, weil der Heilige selbst sie gebaut hat. 

XXX. Darauf ging er, nachdem er Seleucia evangelisirt und 
diese Kirche zuerst in der Gegend von Kökhe gebaut hatte 5 ), 
hinüber in das Land der Zäbe 6 ) und machte viele zu Jüngern, 



so ist die hier und kurz vorher gewählte Bezeichnung „Tempel derGötzen" 
immerhin eigentümlich. 

1) Der Relativsatz lautet, als wenn vorausgegangen wäre: „Wie der 
Heilige befohlen hatte, so geschah es; der Fluss wendete sich von dem 
einen Ufer zum andern hinüber." Übrigens ist der Inhalt des Relativ- 
satzes nur bei der Annahme begreiflich, dass der Verfasser den Bericht 
eines Gewährsmanns, der sich als Augenzeuge gerirte, unmittelbar, ohne 
dies anzudeuten, in seine Darstellung aufgenommen hat. Er selbst stellt 
sich sonst nirgends als Augenzeugen der Thaten des Mari dar. 

2) Dieser Ausdruck will nicht besagen, dass die Kirche am Tigris 
selbst gebaut wurde, sondern, dass die Stelle, an der sie gebaut wurde, 
nicht eben weit vom Tigris entfernt lag. 

3) Der überlieferte Text bietet glä statt olä, wie man gegenüber 
von INniCi (Tempel) erwarten sollte. Vielleicht vermischte der Verfasser 

in Gedanken die Vorstellung von P^n*oi mit der von l^t^ (Kirche). 

4) Hiernach wird anzunehmen sein, dass die Kirche, welche der Hei- 
lige nach cap. 25 (Schluss) baute, die von Kökhe ist, was dort nicht aus- 
drücklich gesagt wird. 

Kökhe (bei Steph. Byz. Xa>xri) war eine x(6/lctj tcqoq xw TlyQidi Ttoza/Mp, 
zwischen dem auf der Westseite des Tigris gelegenen, drei Meilen von die- 
sem Flusse entfernten Seleucia und dem auf der Ostseite gelegenen Ktesiphon. 
Ob Kökhe nicht identisch ist mit dem cap. 26 genannten Gökhe? 

5) Der Verfasser scheint hier unmittelbar an den Schluss von cap. 25 
anzuknüpfen und sagen zu wollen: Nachdem Märi Seleucia evangelisirt 
und für dieses und seinen Umkreis in Kökhe gleichsam eine Metropolitan- 
kirche errichtet hatte, welches zugleich die erste Kirchengründung in dieser 
Gegend war 

„Gebaut hatte" — Jis — welches im Text von A fehlt, aber nicht 

entbehrt werden kann, steht wirklich im CB, und zwar hinter ^c,-oa2^. 

6) Gemeint sind wieder die babylonischen Zäbe, wie in cap. 27. 

@1 

-Q O) 



{J Q_ 



! Dicili^dby G00gk Original from 



SS uignizHj oy ««j«jx«. NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



56 Di e Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

Und er ging hinein in ein Dorf, welches am Deklath lag, und 
machte einen Mann zum Jünger, den Herrn jenes Dorfes, mit 
Namen Vartan, nach dessen Namen jenes Dorf Vartankerd heisst. 
Und es wurden gläubig seine Angehörigen und seine Genossen 
und seine Ansiedler (Fremden) und viele von den Juden 1 ). Und 
er baute in ihm (dem Dorfe) Kirchen und setzte in ihnen Pres- 
byter und Diakonen ein. Und er stieg hinab in die ganze Gegend, 
welche Schafla (Niederung) heisst. Und nachdem er viele Jahre 
im Lande der Aramäer umhergegangen war und viele von den 
Juden und von den Heiden zum Glauben an Christus 2 ) geführt 
hatte, besuchte er von da die Gegend von Kaskar. Im Anfang 
nun der Ankunft des frommen Dominus Mari im Lande der 
Aramäer 3 ), nachdem er von Slek gesehen hatte, dass es in ihm 
keine Thür (Möglichkeit) gab, um zu seinen Bewohnern einzu- 
gehen zu ihrer Belehrung in der Verehrung Gottes, stieg er 
zuerst (zum ersten Male) nach Kaskar hinab 4 ). Und die Leute 
waren weise und Grübler 5 ). Und nachdem sie von ihm das Wort 
der Wahrheit gehört hatten, fand es bei ihnen Aufnahme. Und 
zwar nahmen sie es bereitwillig auf. Denn auch in jeder Art 
von Lehre waren die Leute dieser Gegend scharfsinniger, als die 
übrigen, und beurteilten alles mit richtiger Prüfung 6 ). Es hingen 
ihm also viele an und sprachen zu ihm: Lehre die Stadt Kaskar. 
Es wurde aber dort, in jener Gegend, ein Dämon in der Gestalt 
eines Adlers verehrt. Und es war eine Säule errichtet, und auf 
ihr 7 ) war ein Götze, Namens Nlschar. Und als er durch die 



■o 






Z) 



"O 



cn 



o 

tu is 

£ tn 

■c "ö 

Q_ 0) 

@1 

-Q O) 



{J Q_ 



1) Hier wird zum ersten Male erwähnt, dass auch Juden von Mari 
bekehrt wurden. 

2) l^fcAA^o ist auch hier im CB ausgeschrieben. 

3) d. h. als er zuerst in das Aramäerland (das eigentliche Babylonien), 
nämlich nach Seleucia, kam. 

4) Dass der Verfasser sich hier in Widerspruch zu seiner Erzählung 
in cap. 19 setzt, ist schon in den einleitenden Bemerkungen angeführt 
worden. 

Nach Noeldeke, Gesch. der Sasaniden . . . aus Tabari S. 13 dürfte 



cn 



Kaskar in den Sumpfgegenden von Wasit zu suchen sein. 

5) Vgl. Act. 17, 11. 

6) Vielleicht ist statt I-I^oä zu lesen JJ^qjs und zu übersetzen: mit 

Q_ m ' 



richtigem Urteil. 



7) Der überlieferte Text bietet Folgendes : es war eine Säule errichtet 
und ein jugendlicher Götze, Namens Nischar. Da der Götze aber die Ge- 



I Diaili^edby GoOgk 



Original from 
■'(Y" NEW YORK PUBLIC LIBRARY 






o 



Z) 



Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 57 

Kraftthaten, welche er dort verrichtete, viele zu Jüngern gemacht 
hatte, wurde auch der Priester jenes Götzen bekehrt und getauft. 
Und wegen jenes Priesters nahte sich die Menge der Stadt der 
Verehrung Gottes, und er (Mari) baute dort eine Kirche. Und 
auch in der ganzen Gegend von Kaskar ging er umher und lehrte 
und baute Kirchen und setzte in ihnen Priester ein und befestigte 
sie in der Lehre der Verehrung Gottes. Die Evangelisirung von 
Kaskar also ging der Evangelisirung von Slek und derjenigen 
des Aramäerlandes voraus 1 ). Und deshalb ist überliefert worden, 
dass der (Bischofs-) Sitz dieser Gegend älter sei, als alle Sitze. 
Und weil die Evangelisirung (von Kaskar) früher stattgehabt 
hatte, begleiteten 2 ) von Kaskar Jünger den frommen Dominus 
Mari nach Slek. Und (erst) nachdem er sie 3 ) evangelisirt hatte, 
stieg er hinab nach dem Ort der Konni und zu den Zäben und 
in die ganze Schafla (Niederung). ( 

XXXI. Und als er alle diese Gegenden evangelisirt, in ihnen 
Kirchen gebaut und in diesen Presbyter und Diakonen eingesetzt 
hatte, wanderte er in die Gegend von Maisän 4 ), und er hatte dort 
viele Anfechtungen und Beschwerden zu bestehen. Aber obwohl 
er viele Beschwerden um Christi willen 5 ) ertrug, schaffte er nur 



stalt eines Adlers gehabt haben soll, so ist schwer abzusehen, woran zu 
erkennen war, dass es sich um einen jugendlichen Gott handelte. Ich 

vermute daher, dass in )Vi i \s (jugendlich) ein Textfehler steckt. Viel- 
leicht war die ursprüngliche Lesart loci oi *\So — wie ich übersetzt habe. 
Auf diese Weise erhält man wenigstens eine fassbare Vorstellung. Freilich 
ist damit die sachliche Schwierigkeit nicht gelöst. Es gab zwar bei den 
Babyloniern, an die man zunächst denken wird, Götterbilder, die, sonst 
menschlich gestaltet, einen Adlerkopf trugen, aber Bilder von der hier 
beschriebenen Form sind nicht entdeckt worden. Auch von einem Gotte 
Nischar weiss die Keilschriftforschung nichts. Dieser Name ist vermutlich 
erst nach der Bezeichnung des Adlers (nesra) gebildet worden. 

1) Diese Tradition scheint mir in Anbetracht der Lage von Kaskar 
wenig Wahrscheinlichkeit für sich zu haben. 

2) CB hat statt ^oi-*a^ (A) >^oia-»al^, wie man erwartet 

3) eas. Gemeint sind wohl Kaskar und Seleucia. 

4) Maisän, Mesan, Msorjvt] war nach Noeldeke, Geschichte der Sasa- 
niden S. 13. Anm. 3 ein kleiner Staat in der Gegend von Basra am untern 
Tigris gelegen. 

5) In diesem Sinne scheint ^ auch cap. 33 (loi^l Ai*-* r Ä) ge- 
braucht zu sein. 

Q_ 0) 

@1 

-Q O) 



{J Q_ 



I Dinili^edby GoOgk 



Original from 
^ö 11 * NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



■^ TD 



Z) 



O 



CU 3 
{J Q_ 



58 Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

geringen Nutzen (hatte er nur geringen Erfolg), weil nur wenige 
von ihnen zur Verehrung Gottes 1 ) hinzutraten, da die Leute jener 
Gegend sehr verwildert 2 ) und einfaltig und weltlich und dem 
Dienst der Götzen masslos ergeben 3 ) und für die Lehre mehr 
als die andern unempfänglich waren. Und nachdem er gesehen 
hatte, dass er dort keinen Erfolg hatte, liess er seinen Schüler 4 ) 
Daniel zurück, damit er die wenigen besuchte und befestigte, 
welche er dort zu Jüngern gemacht hatte. Der Heilige selbst 
aber brach mit dem Presbyter Onesimus, welcher mit ihm von 
Orhäi gekommen war, und mit Papa, Hiob, Malkjesus und den 
übrigen Jüngern, welche sich ihm angeschlossen hatten, nach der 
Gegend Beth Huzäje (Land der Huzäer, Susiana) und Beth Per- 
säje (Land der Perser, die Persis) auf. Im Reiche der Huzäer 
aber waren in jenen Zeiten nicht zahlreich Städte und Dorfer 
vorhanden, ausser allein Schösch (Susa) und Schuschtra nebst 
kleinen Dörfern. Karka 5 ) aber und Beth Läpät 6 ) waren noch 
nicht gebaut. Aber bei der Stelle von Karka war ein Dorf, 
Namens Redän, so dass, als Karka gebaut wurde, es nach seinem 
Namen Karka d e Redän genannt wurde 7 ), was sie jetzt Karka 
d e Ledän nennen. Und Beläpät war (ursprünglich) ein Dorf, 
Namens Bilbäd (Bel-äbädh) 8 ); und als Beth Läpät gebaut wurde, 
wurde es nach seinem (des Dorfes) Namen genannt. Das also 



1) CB hat hier irrtümlich die Pluralpunkte. 

2) CB hat m. E. die Lesart: p^r^ 2 . 

3) So A: in cultum idolorum prorsus effreni. Erlaubt scheint mir 
auch die Erklärung: sie waren infolge ihres Götzendienstes ausschweifend, 
verdorben — wobei ihr Götzendienst vom Verfasser als ein mit Ausschwei- 
fungen verbundener gedacht wäre. 

4) <yi r -*Lo^Z fehlt im CB. 

5) Karka(= Stadt), vollständig „Stadt des Spasines" geheissen, erbaut 
von Ardeschir, war nach Noeldeke, Geschichte der Sasaniden S. 13 Anm. 
die Hauptstadt von Maiään. Bei den Syrern hiess sie nach eben demselben 
Karka d e Lädän, abgekürzt Ladan (S. 58). 

6) Beth Läpät oder B6 Läpät gilt nach Noeldeke S. 41 als Hauptstadt 



von Susiana.. 

7) Statt üuiJjDZj (es wurde gebaut) ist vermutlich ^a!äZ| (es wurde 
genannt) zu lesen. 



Beläpät, von dem mindestens der erste Teil aramäisch ist, machte man 
ein persisches Bei — äbädh = Bels Anlage — und machte so den Bei zu 
einer Hauptperson bei der Erbauung." 

§! 

-Q O) 

E 1 

H DtaMHdlvGoOgU- Original from 



SS uignizM oy ««j«jx«. NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 59 

sind die Städte, in denen 1 ) huzäische Kaufleute wohnten 2 ), wie 
noch jetzt. Auch im Perserland (der Persis) waren Kaufleute, 
und von beiden Gegenden gingen sie des Handels wegen nach 
"Westen. Und dort wurden sie zur Verehrung Gottes hinzugeftihrt 
von dem frommen Apostel Addai. Und als jene gläubigen Huzäer 
und Perser vom Westen hinabgekommen waren, machten sie 
viele in jenen Gegenden zu Jüngern, und seit jener Zeit wurde 
im Lande der Huzäer und in der Persis die Kirche gepflanzt. 
Als nun der fromme Dominus Mari in die Gegend des Huzäer- 
landes kam und dort Gläubige sah, und wiederum, als er von 
der Evangelisirung der Perser hörte, erwuchs ihm grosse Freude 
daraus, dass er ein wenig 3 ) Weizen unter dem Unkraut (^avta) 
fand. Und er ging in jenen Gegenden umher und machte viele 
zu Jüngern. 

XXXII. Darauf stieg er in die niedriger gelegenen Gegenden 
hinab, bis (ihn) der Duft des Apostels Dominus Thomas traf 4 ). 
Und dort brachte er viel Volk zum Herrn. Und in jenen Ge- 
genden entsandte (und) liess er ebenfalls einen von seinen Jün- 
gern zurück, dessen Name Hiob war, damit er an seiner Stelle 
sich in ihnen abmühte (arbeitete). Der fromme Apostel selbst 
aber kehrte mit denen, die sich ihm angeschlossen hatten, um, 
und sie stiegen in das Aramäerland hinauf. Und in Slek und 
in 5 ) Ktesiphon und in allen Gegenden des Ostens verweilte er 
und besuchte die Jünger und fügte andere Jünger den früheren 
hinzu, indem kein Böser da war, der ihm widerstand, noch ein 
Satan, der ihn anfeindete. Und er freute sich, wenn er sah, 
dass diejenigen, welche zu keiner Zeit 6 ) Gott kannten, täglich 
in seiner Kirche Gott priesen, 7 ), (und dass) jene, welche bisweilen 8 ) 

1) Vor l'f-^ (Kaufleute) wird das Relativum ausgefallen sein. 

2) Das unflektirte loci, das einzig in diesem Kapitel in zwei nahe 
bei einander stehenden Fällen vorkommt, scheint dem Gebrauche des Ver- 
fassers nicht zu entsprechen, da derselbe sonst durchweg (in mehr als fünf- 
zig Fällen) das flektirte verwendet. 

3) A irrtümlich: parum. 



■o 






4) d. h. bis er auf die Spuren der evangelisirenden Thätigkeit des Tho- 
mas traf. 

5) CB hat auch vor Ktesiphon ein ^ 

6) Man würde erwarten: welche vordem Gott nicht kannten. 

c 
o 

4-J 
0> 



Q_ 0) 



{J Q_ 



7) In CB fehlt ©oci hinter «^-niLo. 



8) A: aliquando — als wenn er bloss <^V° 



! Dicili^by G00gk Original from 



SS uignizHj oy ««j«jx«. NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



■^ TD 



^ CD 

o 9 



9 ^ 



60 Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 

den Götzen ihre Kinder opferten, sich selbst dem wahren Gott 
(als Opfer) übergaben 1 ). 

Lob 2 ) sei dir, Jesu, du unüberwindliche Kraft, dass du durch 
Einfältige und Idioten die Erde mit der Erkenntnis 3 ) der Wahr- 
heit angefüllt hast Wer hat dem Osten 4 ), der Mutter der 
Zauberei und des Chaldäertums, gesagt, dass sie (die Mutter) 
das Knie beuge und den lebendigen und wahren Gott anbete? 
Wer hat den Söhnen Nemrod's, des Gewaltigen (Riesen), gesagt, 
anstatt des Turms und der Feindschaft gegen Gott Früchte der 
Liebe und des Bekenntnisses für Gott hervorspriessen zu lassen 
und den wahren Schöpfer zu erkennen? Dies ist bis zu deinem 
Aufgang (deiner Geburt), o Christus, dies, o Herr, bis zu deiner 
Offenbarung in der Creatur nicht gesehen worden. 

XXXIII. Als aber der Fromme sich viele Jahre in den Ge- 
genden des Ostens aufgehalten, Kirchen geweiht und sie (unter 
einander) verbunden, auch bestimmt hatte, dass der, welcher der 
Lenker der Kirche von Kökhe sein würde, an der Spitze der 
Bischöfe des Ostens stehen solle, sintemal sie in der geistlichen 
Lehre die bei weitem früheste 5 ) war, und nach vielen Jahren, 
während deren er sich der Lehre widmete und herrliche Mühen 
wegen der Verehrung Gottes ertragen hatte, — darnach stieg er 
hinab von den Städten Slek und Ktesiphon, in welchen er zu 
jener Zeit wohnte, und kam zu der Kirche, welche er gepflanzt 
hatte, die in Dörkonni (Derkunnä) war. Und er rief seinen 
Schüler Papa vor der ganzen Gemeinde und machte ihn zum 
Leiter (Vorsteher) an seiner Stelle. Und während sie versammelt 



1) Diese Fassung scheint mir mehr dem Zusammenhang zu ent- 
sprechen, als die von A gewählte: deo vero animas suas commendare. 

2) J-mäo-^ ist im CB ohne Abkürzung geschrieben. 

3) So nach der Lesart von CB: Hi^fc? )A^r*< während bei A das not- 
wendige und gewiss ursprüngliche JA^n-» fehlt. A übersetzt: implevisti terram 
veritatis. Dies lässt sich zwar deuten: du hast die Welt mit der Wahrheit 

CD 

angefüllt. Aber wenn A diese Erklärung beabsichtigt hat, wäre doch wohl 

"ix) .9 1 « . 

die Bemerkung am Orte gewesen, dass er ? vor P|-*< streiche. 

4) Der Osten ist auch im Syrischen gen. masc. 

5) Dass diese Angabe mit der in cap. 30 enthaltenen, welche die 
Priorität der Evangelisirung für Kaskar in Anspruch nimmt, unvereinbar 
ist, darauf habe ich schon an anderer Stelle hingewiesen. 

Q. CD 

@1 

CD => 
-Q O) 

CD ^ 

E -E 

s_ C 

^ I . .. (~*rtrvnL- Original from 

| S Digiiized by VjUUgK. NEW YORK PUBLIC LIBRARY 

cd r, 



Die Geschichte des Apostels Dominus Mari. 61 

waren und bei ihm standen, die Kleinen samt den Grossen 1 ), 
hob der fromme Dominus Mari an und sprach zu ihnen: Wie 
ihr mit euren Augen gesehen habt, und ich euch gelehrt habe, 
wie ich mich bei euch geführt habe, — so führt auch ihr euch! 
Und nach den Ordnungen und Gesetzen, welche den Jüngern 
in Jerusalem gegeben waren, und nach denen auch die Apostel, 
meine Genossen, wandelten, nach diesen wandelt auch ihr! Weicht 
nicht ab von ihnen weder zur Rechten noch zur Linken! Habt 
also acht auf den Dienst (das Amt), welchen ihr habt, und stehet 
in ihm mit Furcht und Zittern, und stehet unablässig in der 
Zeit des Gebets! Und werdet nicht Freunde seiner Kreuziger, 
damit nicht von euch das Blut unseres Herrn Jesus 2 ) Christus 
gefordert werde 3 ). 

Und es hob an Papa mit seinen Genossen und sprachen zu 
ihm: Zeuge ist Christus, der dich zu uns gesandt hat, damit du 
uns den wahren Glauben lehrtest, in welchem wir das Leben 
haben, dass wir so, wie wir von dir hören, thun werden. Und 
darauf schied der fromme Dominus Mari aus dieser Welt und 
ging hinüber ins ewige Leben. Und sein heiliger Körper wurde 
in Leinwand gehüllt und in der Kirche von Dörkonni vor dem 
Sanktuarium beigesetzt, — in der Kirche, die er selbst gebaut 
und vollendet hat. Und sein Gedächtnis wird in ihr bis in 
Ewigkeit fortgepflanzt nach dem Befehl des Papa, des Erben 
seines Throns 4 ). So machte auch er nach dem frommen und 
auserwählten Dominus Mari Priester und Vorsteher in der ganzen 
Gegend des Ostens. 

XXXIV. Wir aber, meine Geliebten, halten wir in Ehren 
den Tag des Gedächtnisses dieses heiligen Apostels und Athleten 
der Gerechtigkeit! Wir nämlich sind mehr, als seine gesamte 
Jüngerschaft, dazu verpflichtet, eifrig zu sein in der Ehre unsers 
Vaters, einmal, weil er seine Zeichen und Wunder hier bei uns 



■o 






o 



"O 



c 

£ tn 

■c "ö 

Q_ 0) 

@1 

-Q O) 



{J Q_ 



1) CB hat Utfo* statt JJL^o* (A). 



2) „Jesus" fehlt im CB. 



3) Die überlieferte Lesart .coiJio .al£22 ist jedenfalls incorrekt. 
Entweder ist .o<nJL2ao zu streichen und persönlicher Gebrauch von l^c 
anzuerkennen (= € lva [tri ahtj&ijze xb alfxa Xqmjtov), oder es ist zu lesen : 
*oaÜ0 J^cÄJ j^o = damit nicht von euch das Blut gefordert werde. 

4) Der Verfasser hat also den Märi auch als Bischof gedacht. 



! Dicili^by G00gk Original from 



SS uignizHj oy ««j«jx«. NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



(}2 Die Geschichte des Apostels Dominus Märi. 

gethan hat vor 1 ) allen andern Orten, wenn er anders dem Fluss 
befohlen und ihn abgelenkt hat, damit er nicht an diesem Ufer 
nagte, und wenn er anders uns einen Ruheort hinterlassen hat, 
nämlich den Tempel, welchen er mit seinen heiligen Händen ge- 
baut und vollendet (geschmückt) hat, — sodann, was noch vor- 
züglicher ist, weil der Heilige wollte, dass seine Gebeine lieber 
hier bei uns, als an jedem (andern) Orte, als eine Quelle der 
Hilfen beigesetzt würden. Lasst uns kommen 2 ) zu dem vortreff- 
lichen Zelt (Schutzdach), dem Schatz der Gebeine dieses Heiligen ! 
Und lasst uns zu Gott flehen und sprechen: Preis sei dir, o Herr, 
wegen deiner Güte, die in Ewigkeit nicht ausgesagt werden 
kann! Preis 3 ) sei dir, o Herr, dass du ans gewürdigt hast, dass 
die Gebeine dieses Heiligen 4 ) bei uns beigesetzt würden wie eine 
Quelle voll von Gütern, damit wir zu dir, o Herr, durch die 
Vermittelung seines Gebets flehen. Sende, o Herr, Frieden und 
Heil dieser unserer Gegend und allen ihren Einwohnern. Um- 
gieb sie mit einer festen Mauer und einem unüberwindlichen 
Zufluchtsort, (nämlich) mit der Kraft, die von dir kommt. Und 
sie werde bekannt und berühmt, nämlich durch den Glauben 
und durch Werke der Gerechtigkeit, mehr als alle Gegenden 
und Städte um sie her! Es sollen sich demütigen die Heiden 
und die irrenden Völker 5 ), indem sie das Knie beugen vor dem 
Glauben an die Wahrheit. Und erhöht möge werden das Hörn 
des Glaubens an die Wahrheit, welche in ihr (der Gegend) ist, 
vor allen Religionen des Irrtums! Unterdrückt werde in ihr die 
Ungerechtigkeit, es triumphire in ihr die Wahrheit, und es wachse 6 ) 
in ihr der Glaube an die Wahrheit bis in ewige Zeiten! Amen. 
Uusrer ganzen Vereinigung aber, die in göttlichen Dingen 
vereinigt ist, welche in diesem heiligen Kloster in geistlicher 


1) = mehr als an . . . 

2) Die Übersetzung von A: protectio nobis fiat — scheint mir unzu- 
lässig zu sein. Denn 1) wäre )o<n statt te) zu erwarten und 2) müsste 



■o 






cn 






0) . 
£ tn 

■c "ö 

Q_ 0) 

-Q O) 



{J Q_ 



statt U)J doch wenigstens UU stehen, da JAia^io gener. fem. ist. 



3) Auch hier ist U*äq-4, im CB ausgeschrieben. 

4) CB hat die Wortfolge jJei U-»f-o, A: ^t-° i Jo1 - 

5) CB hat ]£oi, A: ^alo^. 

6) Liegt in wS?]Z eine Metathesis (i- 2 '^) vor? 



! Dicili^by G00gk Original from 



SS uignizHj oy ««j«jx«. NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



■o 



o 9 



9 £ 



3 ■o 



Die Geschichte des Apostels Dominus Märi. , 63 

Weise dient vor der Wohnung der leuchtenden Säule 1 ), (näm- 
lich) unsers Vaters, des Apostels Dominus Märi, deren Hoffnung 
und Zuversicht durch den Herrn unterstützt (aufrecht erhalten) 
wird, — der 2 ) ganzen Brüderschaft, welche sich mit den geist- 
lichen und göttlichen Büchern beschäftigt 3 ), denen das Gepräge 
der Göttlichkeit aufgedrückt ist, und allen Abteilungen 4 ) der 
Gläubigen in allen ihren Ordnungen, Würden und Graden — 
verleihe der Herr Gott das Vermögen zu dienen 5 ) dem Willen 
seiner Herrschaft in jeder Woche 6 ) ihres irdischen Lebens! Amen. 

Er möge sie reich machen an allen Schätzen 7 ), welche mit 
tugendhaften Sitten übereinstimmen, indem er die Früchte ihrer 
Leiber und die Früchte ihrer Aecker segnet; und er behüte sie 
vor allen Schäden, verborgenen und offenbaren, und mache sie 
der unvergänglichen Güter des himmlischen Reichs würdig, 
damit sie sich dort freuen und verherrlicht werden zur Rechten 
unsers Erstlings 8 )! Amen. 

[Es endet mit Hilfe des Herrn die Geschichte des frommen 
Apostels Dominus Märi und des Evangelisators des Ostens. Und 
Gott sei immerdar Ehre! Amen. 9 )] 



1) Es scheint, dass der Verfasser den Märi mit der Feuersäule ver- 
gleichen will, die den Israeliten den Weg durch die Wüste zeigte. 

2) Vor lZo-*l und dem folgenden \^^L ist J^ als fortwirkend zu 
denken. 

3) Statt hm^bai wird iv* 01 zu lesen sein. 

4) So nach iio^Z von CB. 

5) Man vermisst eine Bestimmung des Inhalts, wozu Gott den Ge- 
nannten Kraft verleihen soll. Ich vermute, dass diese in )■! aViaVi^ 

steckt, und dass statt dessen a i Vi i ViN zu lesen ist. 

6) A übersetzt: in omni requie. Dies entspricht nicht dem gewöhn- 

liehen Sprachgebrauch. Vermutlich hätte der Verfasser requies durch ]L*mJ 
ausgedrückt, wie er in cap. 2 thut. 

7) Statt jni; ist vermutlich iüaJ zu lesen. 

8) Der Verfasser hat wohl 1. Kor. 15, 20. 23 im Auge, wo Christus 
|Ä-i-*-*9 aTtccQXV genannt wird. 

9) Im CB lautet der Schluss: Und Gott sei Ehre und über uns (walte) 
seine Barmherzigkeit und Gnade in Ewigkeit! Amen. 

"" o 

=5 O 

TD (J 
<L> . 

C V» 

O & 

tu 2 
£ tn 

Druck von August Pries in Leipzig. 

©■§ 

-Q O) 
O) ^ 

E -E 

i_ c 

~e ^ f~*rtrtnl.'-* Original from 

cD o 



1 1 Digilized by l^OOglC NEW puBUC Uß 



{J Q_ 



■^ TD 

ö- s- 






Z) 



o 



CD 

C N 

O -M 

CD 5 1 

£ 7 

■jZ _cu 

O- Ol 

"-' o 

=5 O 

TJ (J 

<L> . 

C w 

O $> 

CO 5 
£ LH 

■c "ö 
Q. CU 

@1 

-Q 0) 
0) ^ 



^ I n . .. . . l^rtrvnL- Original from 

| S Digiiized by v^uuglL NEW YORK PUBLIC LIBRARY 

CU 3 
O Q- 



■^ TD 

ö- s- 






Z) 



o 



CD 

C N 

O -M 

CD 5 1 

£ 7 

■jZ _cu 

O- Ol 

"-' o 

=5 O 

TJ (J 

<L> . 

C w 

O $> 

CO 5 
£ LH 

■c "ö 
Q. CU 

@1 

-Q 0) 
0) ^ 



|° ,- byVjU NEW YORK PUBLIC LIBRARY 

'■* 

CU 3 
O Q- 



■^ TD 

ö- s- 






CD 
C N 
O -m 

CD 5 1 

£ 7 

O- Ol 



Z) 



CU 3 
O Q- 



Im Verlage der J. C. Hinrichs'sclien Buchhandlung in Leipzig ist 
erschienen: 

Untersuchungen 
über die Edessenisehe Chronik. 

Mit dem syrischen Text und einer Übersetzung herausgegeben 
von Ludwig Hallier. 

Die Apologie des Aristides. 

Aus dem Syrischen übersetzt und mit Beiträgen zur Text- 
vergleichung und Anmerkungen herausgegeben 
von Richard Raabe. 

Preis für beide Arbeiten zusammen M. 8.50 



Aussercanonisehe Paralleltexte 
-■ zu den Evangelien 

gesammelt und untersucht von Alfred Rescli. 

1. Heft. 
Textkritische und quellenkritische Grundlegungen. 

VII, 160 S. 1893. M. 5 — 



Gnostische Sehriften in koptischer Sprache 

aus dem Codex Brucianus 

herausgegeben, übersetzt und bearbeitet von 

Carl Schmidt, Dr. phil. 

Gedruckt mit Unterstützung des Königl. Preuss. Kultusministeriums und 

der Königl. Preuss. Akademie der Wissenschaften zu Berlin. 



M. 22 ■ 

o 



Demnächst wird erscheinen: 

Das Evangelium und die Apokalypse des Petrus. 

Die neuentdeckten Bruchstücke 

nach einer Photographie der Handschrift zu Gizeh 

in Lichtdruck herausgegeben 

von 

Oscar yon Gebhardt. 



ca. M. 10 — 



Leipzig, Mai 1893. J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung. 



30 

V 

<D ^.. ■** ■■■■■*!_ *%■!■■ V 

O $> 

tu 2 
£ tn 

■c "ö 

Q_ 0) 

@1 

-Q O) 



V 



Dnick von August Pries in Leipzig. 



! Dicili^by G00gk Original from 



SS uijmaanfuuusB. NEW YORK PUBLIC LIBRARY 



■^ TD 



^ CD 



o 



3 ■o 

-> 0) 
C N 
O -m 

CD 5 1 

£ 7 

■jZ _cy 

O- Ol 

" o 
o 

o 



Z5 
TJ 

cu 

c 

tu iS 

£ LH 

■C "ö 

Q. 0) 

@1 

0) => 

-Q 0) 

E -E 

s_ C 

£ 75 

-o E 

<L> O 

ä ^ 

CU 3 

O Q- 




-^; 


■o 


Q_ 


Q. 


A-> 


* 


.C 


o» 




LO 


-"» 


Z3 


H 


IS) 


^ 


CU 


CD 


u 




u 


<£> 


cd 


<3- 






cr> 


r^ 


i_ 


o 


o 



3 ■o 

-> <L> 

C N 

O -M 

CD 5 1 

£ 7 

■r: CU 



O 
O 
CD 



Z5 
TJ 
CU 

c 

tu iS 

£ LH 

■C "ö 

Q. <L> 

@1 

-Q O) 

E -E 

s_ C 

£ 75 

■a E 

0) o 

CU 3 

CD Q- 




■^ TD 



^ CD 



o 



3 ■o 

-> 0) 
C N 
O -m 

CD 5 1 

£ 7 

■jZ _cy 

O- Ol 

" o 
o 

o 



Z5 
TJ 

cu 

c 

tu iS 

£ LH 

■C "ö 

Q. 0) 

@1 

0) => 

-Q 0) 

E -E 

s_ C 

£ 75 

-o E 

<L> O 

CU 3 

O Q- 













*--N** 



*-/- *f. 









*T ■* # 



^ ' ,J} 



V*% 



Sti & 



<#^ 



- .,t^ 



-■rfrv* 






1 w • i. 



*^.s 






^ CU 



o 



3 ■o 

-> 0) 
C N 

O -M 

CD 5 1 

£ 7 

■jZ _cy 

O- Ol 

" o 
o 

o 



Z5 
TJ 
CU 

c 

tu iS 

£ tn 

■c "ö 

Q. 0) 

@1 

0) => 

-Q O) 

E -E 

s_ C 

■a E 

0) o 

CU 3 

O Q- 



"V*^^ 



J*f 



■^ " 



t Äs? V 



£ ,V 






y^.** 






V^J *r> <TJ T* I * ^ V 



* *V*J** 



** 



v*. ^i^i^rilö Original from 

DigfliXtf öy ^OpgPf iJEWYORK PUBLIC LIBRAtö ^